2nd BMVI Startup-Pitch: Heiße Ideen cool präsentiert

2nd BMVI Startup-Pitch

Beres Seelbach fand klare Worte und appellierte an die Politik und die Automobilindustrie. „Seid mutig und entwickelt Fahrzeuge, die die Welt braucht“, sagte der Mitbegründer des Start-ups Tretbox am Dienstagabend in Berlin. „Das schuldet ihr uns und unseren Kindern. Das schuldet ihr auch Gottlieb Daimler und Ferdinand Porsche. Sie haben nicht Kutschen revolutioniert, sondern sie haben ein neues Fahrzeug gebaut.“ Einen Tag vor dem Nationalen Diesel-Forum, das am Mittwoch an derselben Stelle im Bundesverkehrsministerium stattfand, kam das beim Publikum so gut an, dass es lange applaudierte.

Rund 400 Zuschauer und junge Unternehmensgründer waren zum 2nd BMVI Startup-Pitch zusammengekommen. 24 Firmen stellten ihre Geschäftsidee im Drei-Minuten-Rhythmus vor, 4 von ihnen werden bereits durch den M-Fund des Ministeriums gefördert. „Wir haben spannende Entwicklungen im Bereich der Mobilität vor uns“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt  (CSU) zum Auftakt des Startup-Pitchs. Die ändere sich in der Tat dramatisch. Da brauche es Leute, die risikobereit, kreativ und leidenschaftlich seien – letztlich das, was die DNA eines Start-ups ausmache.
Vertreten waren junge Unternehmen, die neue Ideen für die letzte Meile, Luftqualität, einen effizienteren Schienengüterverkehr oder die Digitalisierung und Automatisierung im Brückenbau vorstellten. Was fehlte­, waren Projekte zu Cybersecurity und Mensch-Maschine-Interaktion, wie Jury-Mitglied Martina Koederitz von IBM anmerkte.

Lösung für die letzte Meile

Die Tretbox-Gründer haben sich viel vorgenommen. Sie wollen die Paketzustellung auf der letzten Meile revolutionieren. Derzeit kämen überwiegend LKW und Kep-Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zum Einsatz. Staus, Luftverschmutzung und Unfälle häufen sich. Die Tretbox-Lösung ist eine Kombination aus Cityhubs und elektrischen Lastenrädern. Ein Prototyp des Rades soll nun in Berlin und Dresden gebaut und entwickelt werden und in rund sechs Monaten fertig sein. Über die Kosten will er noch nichts sagen.

Konkurrenzmodelle gibt es schon, doch Seelbach ist sicher, dass die Tretbox mit einer abnehmbaren Box, einem besseren Regendach und vor allem autonomen Funktionen besser wird. „Das Rad kann dem Fahrer in der Innenstadt mit einer Geschwindigkeit von 6 km/h folgen“, erklärte Seelbach. Die Akkus halten für eine Strecke von 40 km. Langfristig wollen die Tretbox-Erfinder Stationen aufbauen, an denen der Fahrer die Akkus austauschen kann.

Trotz der guten Idee haben Seelbach und seine beiden Mitstreiter keinen Preis bekommen. Überzeugend fand die sechsköpfige Jury hingegen Hawa Dawa. Das Start-up aus Bayern hat eine neue Methode entwickelt, um die Luftqualität in Städten zu messen. Ein Netz von kostengünstigen Sensoren misst die Schadstoffe, die Ergebnisse werden mit Daten des Deutschen Wetterdienstes und mit Quellen der Bundesanstalt für das Straßenwesen verknüpft. So sollen Karten über Luftschadstoffe erstellt werden, die Verkehrs- oder Stadtplaner nutzen können.

Auch die Schiene wurde am 2nd BMVI Startup-Pitch bedient

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Jurymitglied Bertold Huber, Personalvorstand bei der Deutschen Bahn, konnte sich besonders für das Start-up Rail Connect erwärmen. Die drei Gründer aus Hamburg orientierten sich beim Schienengüterverkehr an Modellen wie Mitfahrgelegenheiten oder Carsharing. „Wir müssen den Mythos beenden, dass die Schiene gegenüber dem Straßengüterverkehr benachteiligt ist, sagte Gordon Dittmann­, der für die Produktentwicklung zuständig ist.

Eine Fahrt mit der Bahn von Hamburg nach München koste die Schiene 3.800 EUR Trassengebühr; ein LKW zahle für dieselbe Strecke 6.400 EUR Mautgebühren. Das eigentliche Problem der Bahn sei, dass Flexibilität und Produktivität im Schienengüterverkehr fehlten. Die Bahnwaggons würden ineffizient genutzt, es gebe viele Leerfahrten, und die Branchenmitglieder seien unter­einander nur schlecht vernetzt.

Als Lösung schlägt er ein einheitliches Branchenportal vor, das alle rund 160.000 Güterwagen des Fahrzeugeinstellungsregisters des Eisenbahnbundesamtes enthält. Eine Schnittstelle zum DB-Trassenportal soll zusätzlich zu den Informationen über Beladezustand und Standort der Bahnwagen auch geplante Zugbewegungen zugänglich und nutzbar machen. Freie Kapazitäten könnten von allen Branchenmitgliedern erkannt und genutzt werden. Würden die Zugabfertigungsprozesse digitalisiert, wäre ein Tracking and Tracing von Bahnwaggons dauerhaft möglich.

„Wir haben die Ideenfindungsphase abgeschlossen und suchen nun einen Programmierer“, sagte Dittmann­. Anfang 2018 rechnet er mit dem Start des Projekts. Jurymitglied Bertold Huber hat zugesagt, einen Kontakt zu DB Cargo herzustellen.

Start-ups gegen Infrastrukturschäden

Um eine effektivere Erkennung von Straßenschäden kümmert sich Vialytics aus Baden-Württemberg. „Entweder schicken Tiefbauämter einen Mitarbeiter, der die Straßen dann aufwendig untersucht, oder es werden Ingenieurbüros beauftragt, die allerdings teuer sind“, sagte Software-Entwickler Achim Hoth. Die Daten seien aber schnell veraltet, weil sich die Straßenqualität ständig ändere. Deshalb hat Vialytics ein System mit intelligenten Kameras entwickelt, mit denen wenige kommunale Fahrzeuge ausgerüstet werden. Sie erkennen während der Fahrt automatisch Straßenschäden.

Das Start-up Hoard will die Zustellung von Paketen besser organisieren. Sie werden zunächst in lokalen Partnergeschäften zwischengelagert. Per Fahrradkurier können die Kunden das Paket per App mit einem einfachen Knopfdruck ordern, wenn es ihnen zeitlich passt. Das spart Hoard-Gründer Anthony Forsans zufolge Zeit, schont die Nerven der Kunden, entlastet die Kuriere, weil sie in den Haushalten die Pakete nicht loswerden, und spart CO2 sowie Stickoxide. (sl)

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