Amazon bringt E-Vito auf die letzte Meile

Bis zu 100 solcher E-Vitos stellt Mercedes-Benz Vans bis Jahresende den Lieferpartnern von Amazon zur Verfügung. (Foto: Daimler)
Bis zu 100 solcher E-Vitos stellt Mercedes-Benz Vans bis Jahresende den Lieferpartnern von Amazon zur Verfügung. (Foto: Daimler)

Bislang sind in Deutschland für den Onlinehändler Amazon nur Elektro-Lasträder in der Zustellung auf der letzten Meile unterwegs. Nun kommen auch Elektro-Lieferwagen zum Einsatz: Mercedes-Benz Vans stellt den Logistikdienstleistern von Amazon bis Ende 2018 bis zu 100 E-Vito zur Verfügung. In Bochum, wo Amazon seit Februar 2017 ein Verteilzentrum betreibt, geht Amazon mit 30 E-Fahrzeugen jetzt an den Start.

Weitere Fahrzeuge sollen anschließend sukzessive eingesetzt werden, auch an anderen Standorten mit Verteilzentren, wie zum Beispiel in Düsseldorf. Das kündigte Bernd Gschaider, Chef von Amazon Logistik, in Bochum anlässlich der Präsentation des Projekts an. Amazon Logistik ist der Teil der Logistik des Konzerns, der sich um die letzte Meile kümmert, also um die acht Verteilzentren in Deutschland sowie die Auslieferung an die Kunden über Lieferpartner.

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Auch der zur Hamburger Otto Group gehörende Paketdienst Hermes hatte sich bereits 1500 E-Vito und auch die etwas größeren E-Sprinter gesichert, der als nächste Baureihe 2019 dem E-Vito folgt. Hermes will sie ab Mitte des Jahres nach Beginn der Auslieferung in Hamburg und Stuttgart nach und nach einsetzen.

E-Vito bei sieben Amazon-Subunternehmen im Ruhrgebiet

Amazon leistet Anreize zur Beschaffung der E-Lieferwagen, wie ein Amazon-Sprecher am Rande der Veranstaltung sagte, ohne dies näher zu erläutern. Letztlich werden die Fahrzeuge von den mittelständischen Lieferpartnern im Ruhrgebiet finanziert. Aktuell sind täglich 360 Fahrzeuge der sieben Subunternehmen für Amazon Logistik im Einsatz. Allein mehr als 100 betreibt der Essener Blitz Kurier. Weitere Anbieter sind DRS Logistik, D&M Logistik, DWK Kurierdienst, AZ-Logistix, EC Express Courier Dienst sowie Ex-Log.

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„Wir wollen Kunden noch zuverlässiger und schneller beliefern“, so der Amazon-Sprecher. Denn es werden angesichts der steigenden Nachfrage nach dem Expressprodukt „Prime“ mehr Kapazitäten und Flexibilität für die Next-Day und Same-Day-Belieferung benötigt, so die Begründung für die eigene Zustellflotte.

Mit Amazon Logistik arbeite der E-Commerce-Konzern wie ein regulärer Paketdienst und ergänze die Kapazitäten von Deutsche Post DHL und Hermes, heißt es. Den Aufbau der E-Flotte begründet der Onlinehändler damit, die Möglichkeiten für Lieferfahrten auf der letzten Meile zu erhöhen. Denn in vielen Städten drohen erhebliche Einschränkungen für Diesel-Fahrzeuge. Gleichzeitig sollen Kraftstoffverbrauch und Emissionen minimiert werden.

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Fahrzeugscanner und 30 Ladepunkte in Bochum

Zu den weiteren Beteiligten des Projekts gehören der große Daimler-Vertriebspartner Fahrzeug-Werke Lueg, der Energiekonzern Innogy sowie die eigene Forschungstochter Lab1886. Erstmals kommt in Bochum das Service-Konzept „Base-Camp“ zum Einsatz. Das Angebot reicht hier neben der Parkplatzvermietung, Wartung und Pflege sowie die Stellung von Ersatzfahrzeugen über eine automatische Überprüfung des Fahrzeugzustands durch einen digitalen Scanner bis hin zur Ladeinfrastruktur.

In Bochum werden zunächst 30 Ladepunkte angeboten. Ein Ausbau ist laut Innogy möglich. Lab 1886 hat den Fahrzeugscanner entwickelt. Aus der Bündelung ergibt sich laut Mercedes-Benz ein deutlich effizienterer Betrieb einer gewerblichen Transporterflotte.

Mercedes-Vertriebsoffensive in der Logistik

Für Mercedes-Benz ist das Base-Camp-Konzept Teil einer Vertriebsoffensive im Logistikbereich. „Wir brauchen Lösungen, um insbesondere das Thema Elektromobilität voranzutreiben“, sagte Stefan Sonntag, Leiter Verkauf Neufahrzeuge bei Mercedes-Benz Vans Deutschland. Das lässt man sich auch etwas kosten. So gilt das Projekt in Bochum als Pilot und wird als Test bezuschusst. „Wir gehen zunächst einmal ins Risiko“, räumte Sonntag ein. Über die gesamte Lebensdauer soll ein E-Transporter mit einem Diesel-Fahrzeug von den Kosten her vergleichbar sein, so das Konzept von Mercedes-Benz. (Axel Granzow)

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