Audi lässt Autos mit Ampeln sprechen

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Foto: Audi
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Stop and go ist der Autofahrer-Alptraum im Stadtverkehr. Eine grüne Welle zum Feierabend, das wäre für Nerven und den Spritverbrauch ein Segen. Genau an dieser Idee arbeitet auch Audi.

Der Autobauer hat in Las Vegas seine Neuwagen mit dem städtischen Ampelsystem vernetzt. Alle A4, Q7 und A4-Allrad, die nach dem 1. Juni 2016 gebaut wurden, verfügen über eine neue Anzeige im Cockpit. Diese zeigt welche dem Fahrer die Ampelphasen der kommenden Kreuzung an. Der Verkehrsfluss soll mit vorgeschlagenen Geschwindigkeiten und einer genauen Sekundenanzeige, bis zur nächsten Grünschaltung, verbessert werden.

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Infrastruktur oder Ampel – wer redet

Beim Konzept von Audi kommunizieren nicht die einzelnen Ampeln mit dem Fahrzeug. Der Projektpartner Traffic Technology Services (TTS) sammelt die Daten aus der Verkehrsmanagementzentrale Las Vegas und übermittelt die aufbereiteten Daten an die Fahrzeuge. Über diesen Umweg ist die Schnittstelle ins Auto einheitlich und kann auch für andere Ausgangsdaten verwendet werden. Denn hier sieht Audi ein Problem beim Einzug in den europäischen Markt. In Ingolstadt, Garmisch-Partenkirchen,Verona und Berlin sind bereits große Pilotprojekte durchgeführt worden. Dort wurden Treibstoffeinsparungen von bis zu 15% ermittelt. Das europäische Verkehrsnetz ist allerdings sehr unterschiedlich gewachsen. Eine Ausweitung des Ampeldienstes steht daher noch vor einigen Herausforderungen und zeigt abermals die Notwendigkeit von einheitlichen Datenstandards in der digitalisierten Transportwelt von heute.

Audi sieht die Chance als Serviceanbieter

Auch wenn Audi bei diesem Projekt einen Alleingang hinlegt und ohne weitere Autohersteller agiert, ist sich das Unternehmen über die Chance der Anwendung bewusst. Das System soll daher auch für andere Hersteller zugänglich werden und die aufbereiteten Daten allen Verkehrsteilnehmern zugänglich machen. Besonders im Blick auf E-Mobilität ist das Wissen um eine rote Ampel wichtig, denn durch intelligente Bremsmanöver laden Elektrofahrzeuge ihre Batterien effizient auf, ohne den Verkehr zu behindern. Das Potenzial für einen störfreien Verkehrsfluss in Städten ist allerdings nur schwer zu berechnen.

Alle Ampeln sollen sprechen lernen

Einen anderen Weg bei der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ampeln geht aktuell das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig. Dort läuft ein Forschungsprojekt, indem Ampeln über Funk ihre Schaltung direkt an die Fahrzeuge weitergeben sollen. Ein ähnliches Konzept verwenden in manchen Städten auch Busse. Sie senden ein Funksignal an einen Empfänger nahe der Ampeln, um eine grüne Welle für den ÖPNV zu erzeugen.

Welches System sich durchsetzen wird oder ob es mehrere Lösungen geben wird, ist nicht absehbar.

Über Tim Meinken 137 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.

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