Auf dem Weg zur digitalen Tankkarte

Das Bezahlen mit dem Smartphone ist in Deutschland längst noch nicht so verbreitet wie zum Beispiel in Skandinavien. (Foto: Istock)
Das Bezahlen mit dem Smartphone ist in Deutschland längst noch nicht so verbreitet wie zum Beispiel in Skandinavien. (Foto: Istock)

Das Bezahlen mit der App ist in Deutschland noch immer selten. Während in China und in skandinavischen Ländern Bargeld immer mehr aus den Geldbörsen verschwindet, halten die Deutschen weiterhin an Scheinen und Münzen fest. In China hat das Handy als Bezahlmittel mittlerweile vor allem in den Ballungsräumen Geldmittel komplett abgelöst. Gezahlt wird mit Alipay oder WeChat Pay. In Skandinavien geht die Entwicklung in die gleiche Richtung: Einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge zahlt fast jeder dritte Däne und etwa jeder vierte Schwede mit dem Handy. Die dänische Notenbank druckt seit 2016 keine neuen Scheine mehr, da keine Nachfrage mehr danach herrscht.

Deutsche sind zögerlich

Weltweit betrachtet steigen bargeldlose Transaktionen kontinuierlich an. Prognosen zufolge wird sich dieser Trend auch in den nächsten Jahren weiter fortsetzen – vor allem in Indien und anderen Schwellenländern, aber auch in Nordamerika. Deutschland liegt bis dato mit rund 2,2 Mio. Mobile-Payment-Nutzern laut Statista Digital Market Outlook noch am unteren Spektrum der Akzeptanz. Im Vergleich dazu, so schätzt der Statistikdienst, nutzen in England 12,4 Mio. Nutzer digitales Bezahlen, in Amerika sind es 60,1 Mio. und in China 348,9 Mio. Dabei scheinen die Deutschen trotz der im weltweiten Vergleich hohen Datenschutzrichtlinien und Sicherheitsbedürfnisse dem digitalen Bezahlen nicht abgeneigt zu sein. Dem „Mobile Payment Report 2017“ von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC zufolge würden 42 Prozent der Befragten künftig gerne mit dem Smartphone zahlen. „Bisher erkennen die Deutschen keinen Vorteil beim Zahlen mit dem Handy“, erklärt einer der beiden Studienautoren, Nikolas Beutin, Partner und Leiter Customer Practice bei PWC Europe. „Allerdings erkennen wir aber einen eindeutigen Verhaltenswandel, ausgelöst durch den Einzug von Sprachassistenten wie Alexa und Google Home. Zudem scheint das Bedürfnis nach Datensicherheit deutlich abzunehmen.“

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Auch viele Discounter bieten das kontaktlose Einkaufen an. Das Bezahlen mit einem sogenannten NFC-fähigen Handy funktioniert dabei im Prinzip wie das Bezahlen mit der NFC-Kredit- oder EC-Karte. Das Smartphone muss dazu einen Chip besitzen, mit dem dann das Handy kontaktlos über das entsprechende Feld am Terminal vorbeigeführt werden muss. Der Bezahlvorgang erfolgt automatisch. Seit vergangenem Jahr bieten auch die meisten Banken entsprechende Apps an. Seit kurzem können Konsumenten per Google Pay bezahlen – allerdings nur mit einem Android-Smartphone und bei Händlern, die diesen Transaktionsvorgang akzeptieren.

Apps noch am Anfang

Im Tankkartensegment hält das bargeldlose Bezahlen zögerlich Einzug. So bietet etwa die BayWa seit Ende vergangenen Jahres ihren Kunden eine digitale Tankkarte. Die App ist für Android- und Apple-Systeme geeignet. Die Bezahlung erfolgt wie bisher per Abrechnung mit dem Kunden am Monatsende. Zu den weiteren Funktionen gehört die Historie der Tankungen mit Angaben von Ort, Zeit und Mengen sowie der E-Mail-Versand der Tankbelege.

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Andere Tankkartenanbieter sind auf dem Weg, sich ebenfalls den digitalen Gegebenheiten anzupassen. Anfang des Jahres hat DKV Euro Services erklärt, gemeinsam mit dem Energieunternehmen Q1 Energie ein digitales Tankkartensystem zu schaffen. Das Projekt befindet sich noch in der Pilotphase. Als Basis dient dabei die Zahlz.box sowie die dazugehörige App des gleichnamigen Start-ups von Q1 Energie. Erstere befindet sich dann in der Tankstelle und verbindet sich per Bluetooth mit dem Smartphone, um den Bezahlvorgang zu verbuchen und abzuschließen. „Wir rechnen fest damit, dass sich Trends wie Bezahlsysteme auf dem Smartphone als zusätzliche Bezahlmedien bis 2025 und darüber hinaus etablieren werden“, erläutert Alexander Hufnagl, Geschäftsführer DKV Euro Services. Zeitgleich arbeitet das Unternehmen daran, die verschiedenen Bezahlmedien zusammenführen. Ziel sei eine Vereinfachung und weitere Digitalisierung des Fuhrparkmanagements. Smartphones seien aufgrund ihrer enormen Verbreitung als Abrechnungsmedium naheliegend.

Kontaktlos Bezahlen

Auch die Union Tank Eckstein GmbH (UTA) ist dabei, erste Pilotprojekte zu starten und arbeitet derzeit an verschiedenen elektronischen Zahlungsmöglichkeiten. „Die App könnte eine Form der Bezahlung werden“, sagt Stefan Horst von der UTA. Mobile Payment-Lösungen sind vonseiten der UTA allerdings erst für Ende dieses beziehungsweise Anfang kommenden Jahres geplant. Dass die digitale Tankkarte Zukunft hat, ist dabei für Horst unumstritten: „Der Kunde möchte bequeme, effiziente und sichere Zahlungssysteme, vorzugsweise ohne ein zusätzliches Gerät nutzen. Daher liegt die Zukunft in der Verwendung von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder in Fahrzeugen vorhandenen Navigationssystemen.“ Das würde vor allem dann Vorteile bringen, wenn die Fahrer über Firmenhandys auf die App zugreifen müssten.

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Ähnliche Ziele hat auch MAN Financial Services, die die MAN Card anbieten. „Digitale Lösungen reduzieren die Anzahl der Tankkarten in den Portemonnaies und reduzieren Prozesse wie Aufbewahrung, Übergabe und Pin-Vergabe“, meint Judit Habermann. „Eine App wird jedoch nicht die einzige Lösung sein“, sagt die Geschäftsführerin Car Mobility Tank- und Servicecard bei MAN Financial Services. „Wir streben eine Lösung an, die es Kunden ermöglicht, direkt aus dem Fahrzeug heraus die Tankung zu initiieren und zu bezahlen.“

In Zukunft dürfte es für Flottenbetreiber leichter werden, Informationen über Tankvorgänge inklusive Abrechnung sofort in digitaler Form zu erhalten. Experte Beutin sieht einen weiteren Vorteil: „Wenn ich nicht mehr in der Tankstelle bezahlen und etwas unterschreiben muss, spare ich Zeit.“ Deswegen glaubt er an eine Ausweitung des mobilen Bezahlens im Flottenbereich. „In drei bis vier Jahren könnte sich die Branche auf die digitalen Zahlungssysteme umgestellt haben“, schätzt er. (von Ann-Christin Wimber)

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Über Tim Meinken 307 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie mir folgen:

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