Austausch von Sensordaten: GS1 erweitert Epcis-Standard

Austausch von Sensordaten: GS1 erweitert Epcis-Standard
Foto: Bosch

Bremerhaven an einem heißen Hochsommertag: Der Container mit den Airbag-Sensoren wartet in der prallen Sonne auf seine Verschiffung in die USA. Die temperaturempfindlichen Bauteile können jetzt leicht Schaden nehmen. Fallen die Schäden erst im US-amerikanischen Werk auf, droht wegen der unbrauchbaren Bauteile die Produktion ins Stocken zu geraten. Es muss schnell Ersatz her. Zusätzliche Kosten entstehen.

Dagegen schützt der Einsatz von Sensoren und die automatisierte Kommunikation der erfassten Werte wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit während des Transports. Erreichen zum Beispiel Temperatur oder Luftfeuchtigkeit kritische Werte, werden die Informationen weitergegeben und die Partner können sofort darauf reagieren. Für den Austausch der Daten entlang einer Wertschöpfungskette bedarf es standardisierter Schnittstellen zwischen den verschiedenen IT-Systemen.

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Von SaSCh bis Epics

Um das zu ermöglichen, erweitert GS1 Germany im Rahmen des Forschungsprojekts „Digitale Services zur Gestaltung agiler Supply Chains“ (SaSCh) den Schnittstellenstandard Epcis (Electronic Product Code Information Services) um sensorbasierte Qualitätsdaten. Zur Verfolgung und Beobachtung des Materials in Echtzeit ist eine intelligente Verknüpfung zwischen Materialnummern, Sensor-Identifikation sowie Positions- und Qualitätsdaten nötig. Nur so können die per Sensor ermittelten Werte sowie weitere Informationen zum Produkt und zum Transportprozess entlang der ganzen Lieferkette fehlerfrei und zeitnah weitergegeben werden.

Hier greifen GS1-Standards für die eindeutige Identifikation der Produkte und der Ladungsträger sowie für den schnittstellenübergreifenden Austausch der Informationen und Daten. Die Airbag-Sensoren zum Beispiel tragen per GS1 Data Matrix eine Seriennummer mit sich, die sie wie eine Art Personalausweis unverwechselbar macht. Sie werden auf einer Palette transportiert, die mit der Nummer der Versandeinheit gekennzeichnet ist. Durch das GPS-Signal der Sensoren wird unter anderem der Standort dokumentiert.

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Frühzeitige Warnungen vermindern Lieferausfälle

Melden die Sensoren zu hohe Temperaturen im Container, erhalten die Verantwortlichen über die per Epcis verbundenen IT-Systeme eine Warnung. Sie können nun dank genauer Standortkenntnis schnell eingreifen, um Qualitätsmängeln vorzubeugen. Ist es für solche präventiven Maßnahmen bereits zu spät, weil die Ware schon beschädigt ist, kann durch die frühzeitige Information automatisch eine Nachproduktion angestoßen werden.

Diese digitalen Services ermöglichen es laut GS1 Germany, Puffer entlang der Supply Chain sowie kostenintensive und umweltbelastende Sonderlieferungen, zum Beispiel per Luftfracht, zu reduzieren und im besten Fall zu vermeiden. Unternehmen, die an der Epcis-Weiterentwicklung mitwirken wollen, können sich bei der Standardisierungsorganisation an Roman Winter, Projektmanager GS1 Standards + Products, wenden. (cs)

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