Automatisierte Mercedes-Benz Arocs sollen Schnee räumen

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Foto: Mercedes-Benz

In einem bislang einzigartigen Test zeigt die Daimler AG einen weiteren Lösungsansatz für den zukünftigen Einsatz automatisiert betriebener Nutzfahrzeuge. Nach erfolgreicher Demonstration der Systeme Highway Pilot und Highway Pilot Connect, der Platooning von LKW ermöglicht, stellt das Unternehmen heute einen weiteren Entwicklungsschritt auf dem Weg zum voll vernetzten und autonom arbeitenden Nutzfahrzeug vor.

Auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts Pferdsfeld demonstriert der weltweit führende Nutzfahrzeughersteller am Beispiel einer konkreten Kundenanforderung, wie ein automatisierter Schneeräumeinsatz auf Flughäfen praktisch umgesetzt werden kann.

Schrittweise zum autonomen Fahren

Martin Daum, im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für Daimler Trucks, betont: „Wir reden nicht nur über neue Technologien, wir bringen sie auch auf die Straße. Wir entwickeln unsere modernsten Assistenz-Systeme Schritt für Schritt weiter – hin zum automatisierten Fahren. Aktuell arbeiten wir an der Umsetzung zweier konkreter Anwendungsfälle: Zum einen am automatisierten Fahren im ganz normalen Verkehr auf Autobahnen – mit dem klaren Ziel, den Fahrer zu entlasten und die Sicherheit deutlich zu erhöhen. Zum anderen am fahrerlosen Fahren in abgesperrten Bereichen, um dort die Produktivität signifikant zu steigern. Mit unserer heutigen Demonstration zur automatisierten Schneeräumung eines Flugfelds beweisen wir einmal mehr unsere Technologieführerschaft.“

Unter dem Projekttitel „Automated Airfield Ground Maintenance“ (AAGM) zeigen vier Mercedes-Benz Arocs Sattelzugmaschinen eine Flugfeld-Reinigung automatisiert und im ferngesteuerten Verbund. Die Vorteile liegen auf der Hand: Flugfeld-Reinigungen speziell im Winter sind nur schwer vorhersagbar und damit schwer planbar. Schneeräumeinheiten punktgenau und somit hochpräzise von nur einem einzigen Fahrzeugführer zur Räumung von Start und Landebahnen sind vor allem bei blitzartigem Einsetzen extremer Witterungslagen in den Wintermonaten entscheidend und erfordern keine zusätzliche Fahrzeug- und Personaleinplanung.

Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit zwischen der Daimler Innovationsschmiede Lab1886, Daimler Trucks und der Fraport AG. Fraport liefert neben einem umfassenden Anforderungskatalog an automatisiert arbeitende Maschinen zugleich die Schneeräumgeräte für diesen einzigartigen Test. Dazu zählen, unter anderem, vier sogenannte Kehr-Blas-Geräte, wie sie heute schon als Sattelauflieger hinter noch konventionellen Mercedes-Benz Zugmaschinen arbeiten.

Premiere für die Fahrzeug-Schnittstelle „Remote Truck Interface“ (RTI)

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Ausgestattet sind die vier Arocs Testfahrzeuge mit dem neuen Remote Truck Interface (RTI), einer Schnittstelle im Fahrzeug, mit der Fahrzeug­funktionen fernbedient und Daten ausgetauscht werden können. Das RTI ist das Herzstück der neuen Technik, bei der Daimler auf einen erheblichen Wissens- und Entwicklungs-Fundus aus Projekten wie dem seriennahen Highway Piloten und dem Highway Pilot Connect zurückgreifen kann.

Über das RTI sind alle Fahrzeuge mittels telematischer Systeme voll vernetzt, fahren automatisiert und können im Fahrzeugverbund sowohl führen als auch folgen. Heißt konkret: Ein Konvoi-Führer wählt aus einer Flotte bereitstehender Sattelzugkombinationen eine beliebige aus und definiert diese als „Leit-Truck“. Im Folgenden definiert er mittels eines Bedienpanels im Fahrzeug die Anzahl und die Reihenfolge der weiteren Konvoi-Lkw und macht einen Betriebs-Check-Up sowohl für seinen und alle weiteren Sattelzüge.

Was einfach klingt, läuft in der Praxis auch ebenso einfach ab. Allerdings: Der dahinter steckende Software-Aufwand ist enorm. So sind alle Fahrzeuge mit einer doppelten GPS-Ortung (DGPS, Differenzial-GPS) ausgestattet und verfügen selbstverständlich über modernste „Vehicle-to-Vehicle“-Kommunikation („V2V“-Kommunikation).

Ausblick: automatisiertes Fahren bietet vielfältige Einsatz­möglichkeiten

Der automatisierte Schneeräum-Verbund, in der Testphase bestehend aus vier Fahrzeugen und ausbaubar auf bis zu 14 Einheiten, zeichnet einen Weg für weitere Einsätze vor. Neben anderen Flughäfen, die bereits Interesse an solchen Präzisions-Arbeitsgeräten für die automatisierte Start- und Landebahnpflege signalisiert haben, sind dank Mercedes-Benz Remote Truck Interface Lösungen für unterschiedlichste Einsätze darstellbar.

„Das eröffnet unseren Kunden neue Möglichkeiten: So sind fein abgestim­mte Rangiervorgänge konventioneller Lastzüge, ferngesteuert vom Fahrer außerhalb der Kabine – zum Beispiel am Fahrzeugheck postiert und dort mit bestem Blick auf das Manövriergeschehen ausgestattet – ebenso möglich wie das fahrerlose Fahren in Minen, auf Container-Terminals oder in anderen abgeschlossenen Geländen“, erläutert Martin Zeilinger, Leiter der Vorentwicklung bei Daimler Trucks.

Der Testbetrieb: Schneeräumer müssen sehr flexibel agieren

Bislang müssen Flughafenbetreiber die notwendigen Räum- und Reinigungs­geräte in einem Ad-hoc-arbeitsfähigen Zustand halten. Die Vorhaltezeiten für vergleichsweise seltene und in der Regel nicht allzu lang andauernde Schlechtwetterverhältnisse binden große Kapazitäten.

Andererseits ist auf einem Flugfeld aber konsequenter und gründlicher Räumbetrieb schon bei geringer Schneeauflage erforderlich. Bei einem solchen Areal muss der Schnee über eine Breite von bis zu 60 m in einem Arbeitsgang auf eine Seite hin geräumt werden. Im Fall des Airport Frankfurt/Main fahren dazu bereits heute bis zu 14 Fahrzeuge mit einer entsprechenden Überdeckung in einem Konvoi.

Das bedeutet, dass der Schnee jeweils von vorn nach hinten „durchge­reicht“ und dabei an das jeweilige Folgefahrzeug weitergegeben wird. Auf diese Weise steigt die Schneelast von Fahrzeug zu Fahrzeug und somit die Leistungsanforderung jeder einzelnen Schneeräumeinheit von vorn nach hinten stark an. Zudem ist durch das seitlich versetzte Fahren auch eine hochpräzise Spurführung für die Qualität des Räumbildes entscheidend. All das bedingt sehr ungleiche Anforderungen an den Leistungseinsatz eines jeden Räumfahrzeugs.

Effizienter Einsatz durch automatisierte Räumgeräte

Im Fall des Frankfurt-Main-Airport muss ein Konvoi in exakt gestaffelter Formation die Start- und Landebahnen sowie die Rollwege schnee- und eisfrei halten. Bislang arbeiten sich die Räummaschinen in der Regel unter widrigen Sichtbedingungen, nicht zuletzt durch Nacht und Nebel sowie vor allem durch Schnee-Aufwirbelungen der Vorausfahrer Meter für Meter voran.

Die schlechte Sicht führt oftmals dazu, dass die Abstände zwischen den Fahrzeugen größer werden, der Konvoi dadurch „aufreißt“ und die Räumung einer Start- und Landebahn länger dauert. Oder aber die schlechte Sicht führt dazu, dass die außenfahrenden Fahrzeuge die seitliche Flugbahn­beleuchtung beschädigen, deren Reparatur hohe Kosten verursacht.

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Über Tim Meinken 173 Artikel

Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.
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