Binnenschiff-Schwärme statt LKW-Kolonnen

Herzstück des DeconTrans-Projekts sind kleine, elektrifizierte Binnenschiffe. (Grafik: DST) binnenschiff schwärem schwarm
Herzstück des DeconTrans-Projekts sind kleine, elektrifizierte Binnenschiffe. (Grafik: DST)

Wie kann das Straßen- und Schienennetz im Ruhrgebiet durch den Einsatz von kleinen, elektrisch betriebenen Binnenschiffen wirkungsvoll entlastet werden? Diese Frage soll das jetzt gestartete Forschungsprojekt „DeConTrans“ in den kommenden drei Jahren beantworten. Bis 2021 sollen das DST Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme und das RIF Institut für Forschung und Transfer auf Basis realer Daten ein alternatives Güterverkehrssystem entwickeln. Dabei sollen alle verfügbaren technischen Innovationen aus Schifffahrt, Logistik, Fahrzeugindustrie und Automatisierungstechnik einbezogen werden. Das System soll in einem sogenannten Testbed, einer virtuellen Plattform für wissenschaftliche Experimente, aufgebaut und getestet werden. Die Forscher rechnen damit, dass eine elektrifizierte Schwarm-Binnenschifffahrt kostengünstiger, umweltfreundlicher und effizienter als der LKW-Verkehr auf der Straße sein kann.

Fortgeschrittene Simulationstechnik im Einsatz bei Binnenschiff-Schwärmen

Dabei geht es darum, die komplette Logistikkette von der Umladung im Hafen auf die kleinen Schiffe bis zur Verladung für die letzte Meile an regionalen Umschlagstellen realistisch in einer virtuellen Plattform abzubilden, so dass unterschiedliche Logistikketten, variable Schiffstypen und verschieden konzipierte Umschlagplätze miteinander verglichen werden können. Schon während der Projektlaufzeit werden Reedereien, Spediteure, Verlader, Gewerbeverbände, Hafenbetreiber, Politik und Verwaltung auf allen Ebenen mit einbezogen.

Anzeige

Als Anwendungsfall für eine innovative, dezentrale Binnenschifffahrt bietet sich das Ruhrgebiet mit seinen vielen Wasserstraßen und kleinen Häfen an. Zudem erhöhen aktuelle Verkehrsprobleme – Staus, Emissionen, gesperrte Rheinbrücken und schleppender Schienenausbau – den Problemdruck. Daher sehen DST und RIF hier gute Chancen eine grundlegende Systeminnovation „Made in NRW“ umzusetzen.

Vorteile elektrischer Binnenschiffe

 (ben„Binnenschiffe benötigen 60 Prozent weniger Energie beim Warentransport als der LKW und derzeit sind kleine Häfen und Kanäle im Ruhrgebiet kaum ausgelastet“, sagt DST-Vorstand Rupert Henn. Während bisher zumeist auf die Entwicklung großer Schiffe fokussiert wurde, könnten neue technische Lösungen für eine Sprunginnovation sorgen. Saubere Elektro-Antriebe für kleine standardisierte Schiffe und eine Automatisierung vieler Prozesse im Betrieb, von Festmachsystemen, über Krananlagen bis zum autonomen Fahren in intelligent integrierten Transportsystemen sind in der Entwicklung. Die beteiligten Komponenten sind bekannt, aber ihr Zusammenspiel ist laut Henn komplex. „Die Optimierungspotenziale der Binnenschifffahrt für den Güterverkehr können nur dann genutzt werden, wenn die wichtigen Innovationen gleichzeitig und aufeinander abgestimmt umgesetzt werden“, ergänzt RIF-Vorstand Prof. Jürgen Roßmann. Durch die Simulation in den Testbeds könne jede einzelne Komponente und ihre Wirkung im System schnell und kostengünstig getestet und mit Methoden des Maschinellen Lernens optimiert werden. (ben)

Anzeige
Anzeige

Über Tim Meinken 308 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie mir folgen:

1 Trackback / Pingback

  1. NYK entwickelt Schiff mit Wasserstoff- und Solarantrieb • Blue Rocket

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*