Blockchain braucht offene Standards

Die Blockchain könnte einen großen Einfluss auf die weltweiten Lieferketten haben. (Foto: Fotolia)

Die Blockchain-Technik ist ein Thema, das viele Logistiker und Supply Chain Manager elektrisiert. Das war auf dem 35. Deutschen Logistik-Kongress diese Woche in Berlin an einer gut besuchten Vortragsveranstaltung zu spüren. Die Technik bietet viel Potenzial, die Prozesse entlang der Lieferkette transparent, schnell, sicher und automatisiert zu steuern. Smart Contracts sind dabei die Elemente, mit denen genau definiert wird, nach welchen Regeln Transaktionen ablaufen.

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Imperial Logistics hat das in einem Transportprojekt namens +D getestet. Es ging um einen Chemietransport an den Hersteller BASF. Die Chemikalie musste während des Transports bedampft werden, damit sie nicht aushärtet, denn sonst kann sie nicht weiterverarbeitet werden. Zudem musste ein Zeitfenster eingehalten werden. „Unser Anliegen war, eine Plattform zu schaffen, über die alle Beteiligte kommunizieren konnten“, erläutert Florian Seffert, verantwortliche für IT-Innovationen bei Imperial Logistics in München.

Eingebunden in die Kette wurden unter anderem die Beteiligten für die Finanzabwicklung sowie Versicherer. Die Ware und der LKW wurden über den gesamten Transport überwacht und geortet. Es sollten keine E-Mails ausgetauscht und Telefonate bezüglich des Transports geführt werden. Der gesamte Transport verlief komplett automatisch und dezentral vom System gesteuert.

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Autonome LKW holen Ware ab

In Zukunft kann sich Seffert vorstellen, dass sich autonome Trucks mieten lassen, und der gesamte Transportprozess dann über die Blockchain gesteuert wird. Der LKW holt die Ware selbst ab, der Transportverlauf wird getrackt, der Zustand der Ware überwacht und dokumentiert und wenn es sein muss, kann der Truck auch selbst betanken – natürlich elektrisch. Zudem ist denkbar, dass sich die IT-Systeme der Dienstleister automatisch um Aufträge bewerben, die dann über die Blackchain abgewickelt werden.

Transparenz ist Trumpf

„Es werden ganz viele verschiedene Supply Chain Netze entstehen“, ist Seffert überzeugt, „mit unterschiedlichem Fokus und Interessen der Stakeholder.“ Interoperabilität sei dabei ebenso ein entscheidender Erfolgsfaktor wie offene Standards. „Open Source wird sich durchsetzen, die Technik muss für jeden Beteiligten leicht integrierbar sein“, betont Seffert. Es müsse transparent sein, was im Code steht und was mit den Daten passiert. Der IT-Spezialist empfiehlt darüber hinaus, nicht für die Entwicklung eines Protokolls zu zahlen. Manche Investoren würden erst viel Geld einsammeln wollen, bevor sie mit einem Projekt starten.

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Geeignet ist die Blockchain unter anderem für Pharma Serialisation, Echtzeit-Überwachung von Lebensmittellieferketten und zum Schutz vor Produktfälschungen. Diese Anwendungen nannte Dirk Slama, verantwortlich für strategische Weiterentwicklung bei Bosch Software Innovations. Zudem wies er auf regulatorische Unsicherheiten auf internationaler Ebene im Zusammenhang mit der Blockchain hin. So könnte China eventuell die Technik verbieten, weil der Staat die Kontrollmöglichkeit der Wirtschaft behalten möchte. (rok)

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