Blockchain hält Einzug in der Supply Chain

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Mit Logistiklösungen auf Blockchain-Basis beschäftigen sich mittlerweile auch internationale Konzerne. Beispiel Walmart: Ende Mai 2017 berichtete der Branchendienst „Coin Desk“ von einem Antrag des Handelsriesen beim US-amerikanischen Patentamt, eine Tracking-Technik für Drohnen einzutragen. Konkret handelt es sich um ein Verschlüsselungssystem für Auslieferprozesse, welche über den aktuellen Standort hinaus alle Supply-Chain-Stufen erfasst, Kunde und Kurierunternehmen authentifiziert und Umgebungstemperaturen misst. Solche und weitere Daten werden über eine Blockchain erfasst, welche Walmart mit IBM entwickelt hat.

Beide Konzerne haben bereits im Herbst 2016 ein Projekt über Schweinefleisch, das in China verkauft wird, realisiert. Aufgezeichnet werden außer Lagerungs- und Transportverläufen auch Produktionsdaten inklusive Chargennummern. Walmart will Lebensmittel mit der Blockchain offenbar sicherer machen.

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Blockchains stehen vor einer Zäsur

Während der letzten Jahre wurde der 2008 entwickelte Begriff vor allem mit Bitcoins assoziiert. Voraussetzung für Zahlungen mit dieser Kryptowährung sind dezentrale Netzwerke, welche digitalisierte Geschäftsfelder mit einander verknüpfen und mit kryptographischen Lösungen Transaktionssicherheit garantieren. Jetzt entdeckt auch die Logistik die Vorteile solcher unternehmens- und dienstleistungsübergreifenden Datenbanken. Mit diesen können Auditing – Prozesse verbessert und Supply Chains ausgebaut werden.

Das kalifornische Start-Up Skuchain sieht Blockchains bereits als standardmäßige Nachfolger heutiger Supply Chains. Wenn die Server der Teilnehmer vernetzte Datenbanken bilden, können auch Zahlungsverkehre und weitere vertragliche Verpflichtungen in Echtzeit abgebildet werden. Skuchain verspricht sich davon „smarte Unternehmensentscheidungen“ auf gesicherter finanzieller Grundlage.

Mit einer solchen Lösung ist jetzt der südkoreanische Mischkonzern SK Group, zu dessen Geschäftsfeldern auch die Logistik zählt, in den Markt gegangen. Der Konzern begründete dies auch mit den unterschiedlichen Softwarelösungen von Supply-Chain-Beteiligten. „Blockchains machen das Logistikmanagement effizienter“, sagt ein Sprecher. Das Ergebnis sind offene Plattformen, welche auch Unternehmen, die nicht Teil von Lieferketten sind, nutzen können.

Mit solchen Anforderungen setzt sich auch das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) im Ende 2015 gestarteten Projekt „Smart Objects and Smart Finance“ (Sofia) auseinander. Mit Claas, Ekol Logistics und Wincor Nixdorf werden dienstleistungsübergreifende Supply Chains auf Open-Source-Basis realisiert.

Fraunhofer-IML forscht mit Commerzbank zu Handelsfinanzierung

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Gerade erst hat das Institut zudem eine Kooperation mit der Commerzbank vereinbart. Im Kern sollen Szenarien für die Lieferketten der Zukunft entwickelt werden. Im Fokus stehen Handelsfinanzierungskonzepte sowie schnellere Transaktionsverfahren und letztlich neue Lösungen im Working Capital Management. „Digitalisierungsansätze wie die Entwicklung smarter Container ermöglichen künftig völlig neue Geschäftsmodelle für Banken in den Bereichen Finanzierung, Risikomanagement und Transaktion“, sagt Prof. Michael Henke von der Institutsleitung. Er sei überzeugt, dass Blockchains zentraler Enabler für die Verknüpfung physischer und finanzieller Supply Chains sind.

EU fördert Projekt Smartlog

„Weil Blockchains Daten transparent und Kontrollen smart machen, ermöglichen sie autonome Lösungen, denen jedes Unternehmen beitreten kann“, sagt IML-Forscher Philipp Sprenger. Dies ist auch das Ziel des mit EU-Geldern geförderten Projekts „Smartlog“, das die finnische IT-Firma Kouvola Innovation mit Partnern aus Estland, Lettland und Schweden umsetzt. Auf den skandinavischen und baltischen Abschnitten der Nord-Süd-Transversalen, welche die EU als transeuropäische Verkehrswege (TEN-T) klassifiziert hat, sollen Verlader, Logistiker und andere Supply-Chain-Beteiligte über eine einheitliche Plattform möglichst viele Transport- und Infrastrukturinformationen abrufen. „Smartlog soll die Transportzeiten in den Korridoren um mindestens 5 Prozent reduzieren und Logistikprozesse automatisieren“, beschreibt Kouvola-Entwicklungschef Lammi Mika die EU-Vorgaben. Über RFID sollen Container und andere Ladungsträger miteinander kommunizieren und Lieferketten ohne Zugriff der Dispositionen optimieren. Gegenwärtig ermitteln baltische Logistikfirmen, welche Daten Smartlog abbilden soll.

Für Herbst 2019 plant Mika den Abschluss des Projekts. Anschließend will die EU den Einsatz von Smartlog auf weiteren TEN-Korridoren außerhalb von Nord- und Nordosteuropa prüfen. „Weil Verlader und Logistikunternehmen zusätzliche Echtzeitinformationen generieren, können sie Ressourcen besser planen, Prozesse beschleunigen und Kosten senken“, beschreibt Mika die Erwartungen an Smartlog. (Steffan Bottler)

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