Blockchain macht flexibel und bietet mehrere Vorteile

Blockchain

Blockchain ist ein Paradebeispiel für Vernetzung durch Digitalisierung und vor allem nach Ansicht von Experten­ bereits heute mit überschaubarem Aufwand umzusetzen – während Projekte wie Industrie oder Logistik 4.0 wohl eher schrittweise realisierbar sind. Blockchain ist ein digitales Marktsystem, das anders als bisher keine zentralen Vermittler mehr kennt. Genutzt werden hierfür vernetzte Server, die ähnlich wie das Internet agieren und dabei smarte Vereinbarungen zwischen den Beteiligten der Lieferkette ermöglichen.

Blockchain hält die Provision in der Lieferkette

Thomas Herbst, Gründer des IT-Unternehmens Contractus aus Eisenach, sieht darin eine gute Chance, zum einen sehr schnell Aufträge an den dafür am besten geeigneten Lieferanten zu bringen und auch die Erfüllung von vertraglichen Verpflichtungen bis hin zur Bezahlung abwickeln zu können. Banken, Großhändler, Makler, Versicherer – alles wird damit überflüssig, die Provisionen bleiben in der Lieferkette. Vor allem aber: „Wir sehen bereits jetzt an Beispielen von Tesla oder Google, wie schnell branchenfremde Firmen sich Zugang zu solchen bislang fest aufgeteilten Märkten wie der Automobilbranche erkämpfen können, weil sie einfach durch solche Systeme viel schneller und effizienter agieren“, erklärte Thomas Herbst kürzlich bei einem Treffen des Logistik Netzwerks Thüringen.

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Die herkömmliche Beschaffung oder auch Kooperationsmodelle zur Kapazitätsauslastung sind sehr personalaufwendig, kosten Zeit; mitunter fehlt es sogar am optimalen Marktzugang. Dafür gibt es etwa bei unbekannten Lieferanten/Partnern Misstrauen oder bei Verhandlungen mit Konzernen fehlende Augenhöhe – selbst wenn bereits einzelne Prozesse über Plattformen digital abgewickelt werden. Die Alternative sind Kundenverbindungen in dynamischen Gruppen, bei denen die zentrale Vermittlung entfällt.

Verschlüsselte Kontraktdaten

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Stark vereinfacht beschrieben funktioniert die Blockchain, das Kernelement solcher Netzwerke, wie folgt: In einem weltweitem Servernetzwerk von mehr als 100.000 Rechnern werden von den zuvor lizenzierten Teilnehmern verschlüsselte Kontraktdaten zu Blöcken gebündelt und als Kopie wie auf einer Kette nacheinander abgespeichert. Nur berechtigte Teilnehmer erhalten den lesbaren Schlüssel, alle anderen Teilnehmer können aber die Transaktion als solche sehen.

Das Verfahren gilt durch die verwendete Kryptografie als sicher, zudem sind durch die große Zahl der Kopien die Transaktionen sicher gespeichert und nachprüfbar. Bezahlt werden kann – muss aber nicht – mit einer digitalen Verrechnungswährung, etwa den schon seit 2008 bekannten Bitcoin, die direkt in die digitalen Transaktionen eingebunden werden. Nicht schützen kann die Blockchain allerdings vor schwarzen Schafen am Markt und auch nicht vor Vertragsbruch.

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Contractus nutzt für solche Vorgänge ein digitales Formular, das auch die heute unerlässlichen ­Statusmitteilungen und das Tracking ermöglichen soll. Möglich ist aber auch die komplette Verwaltung und Überwachung digitaler Marktplätze, wobei Herbst versichert, dass die Partner immer die Oberhoheit darüber behalten, was über die Blockchain abgewickelt wird und was der Papierform bedarf. „Einen klassischen Rahmenvertrag mit einem Lieferanten wollen und können wir heute damit noch nicht ersetzen, wohl aber das Auslösen von einzelnen Bestellungen, die Beschaffung von Normteilen und Standardware“, sagt Herbst.

Transaktionen in der Blockchain kosten lediglich Cents

Auch der Zugriff auf Maschinen- oder Transportkapazitäten und Subunternehmen ist mit Blockchain-Systemen möglich. Abgesehen von der einmaligen Lizenzierung für die Blockchain, die je nach Umfang ab 50 EUR kosten soll, bleibt die aktive Nutzung nahezu ohne zusätzlichen Aufwand. Pro Einzelvertragsaktion fallen nur wenige Cent an.

Während die Blockchain-Technik bisher vor allem in den stark digitalisierten Branchen diskutiert wird, steckt die Umsetzung in der Logistik noch am Anfang. Bei Contractus soll sie jetzt kommerziell starten. In den vergangenen Monaten habe das Unternehmen mit sechs interessierten Firmen „vom Mittelständler bis zum Konzern“ umfangreiche Testläufe gemacht und letzte Optimierungen vorgenommen. „Das läuft alles zuverlässig“, sagt Herbst. Er sei sicher, diese Technik werde in sehr kurzer Zeit alles am Markt umkrempeln. (Manfred Schulze/rok)

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