BMW will mehr Datentransparenz

Foto: BMW
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Mit zahlreichen Pilotprojekten will der Autobauer BMW die Weichen für die Lager- und Transportprozesse von morgen stellen. Das Spektrum reicht von Augmented-Reality-Brillen über selbst entwickelte autonome Transportsysteme bis hin zur „Connected Supply Chain“. Der Begriff steht für Lieferketten mit vollständiger Datentransparenz. Der Hersteller will auf jede mögliche Verzögerung sofort mit alternativen Handlungsoptionen reagieren. Wenn ein LKW verunglückt oder Lieferteile während des Transports beschädigt werden, ermittelt die „Connected Supply Chain“ in Abstimmung mit aktuellen Auftrags- und Produktionsdaten, ob die Verspätungen hinnehmbar sind, Instandsetzungen sich rechnen oder Ersatzlieferungen nötig werden.

Die entsprechenden Maßnahmen lösen „Cockpit-Mitarbeiter“ aus: Sie erhalten aus der Fülle der Daten ausschließlich die Informationen, die sie für eine schnelle Entscheidung benötigen. Der Autobauer will so teure Sonderfahrten und Alternativprozesse überflüssig machen. Produktionslogistik-Chef Jürgen Maidl räumt ein, dass für solche Echtzeitwarnungen („Real Time Alerts“) weit mehr Daten benötigt werden, als heutige Sensoren und Track-&-Trace-Systeme liefern können. Ab diesem Jahr will der Autokonzern deshalb mit allen Lieferanten und Logistikdienstleistern Gespräche führen, wie auf Basis von offenen Schnittstellen eine möglichst große Datentransparenz hergestellt werden kann.

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Frei fahrende Roboter

Aus der Intralogistik werden selbst fahrende Smart Transport Robots (STR) Informationen liefern und verarbeiten. Im Wackersdorfer Werk transportieren derzeit zehn Roboter bis zu 500 kg schwere Bauteile durch die Logistik, in weiteren Fertigungsstätten werden solche Anlagen demnächst ihre Arbeit aufnehmen. „Die Roboter fahren frei durch die Hallen“, betont Marco Prüglmeier, Projektleiter Innovation und Industrie 4.0. Weil Funksender Positionen und Abstände messen, benötigen die vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik und der EDV-Beratung Kinexon entwickelten Einheiten keine Induktionsschleifen. Mit Hilfe von Sensoren erkennen sie kritische Situationen sofort und können deswegen Fahrwege mit Mitarbeitern und Routenzügen, Staplern und anderen Fahrzeugen teilen.

Für die Serienproduktion nutzt BMW Synergien mit vorhandenen Fahrzeugteilen. Unter anderem fahren die Roboter mit Batterien des BMW i3. Für die zweite Generation plant der Autobauer die Ausrüstung mit 3-D-Kamerasystemen, welche eine noch genauere Navigation ermöglichen. Von diesen Innovationen sollen auch weitere mobile Intralogistiksysteme profitieren.

Routenzüge für längere Fahrten

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In Dingolfing werden gegenwärtig Routenzüge getestet, welche sich mit Lasersignalen selbst steuern. Mit dem hieraus entwickelten Raumprofil manövrieren sich die Züge ebenfalls selbstständig von Logistik- in Montagehallen. „Für Fahrten über längere Distanzen sind Routenzüge weiterhin die bessere Alternative“, grenzt Prüglmeier die Fahrzeuge von mobilen Robotern ab. In Produktion wie Lager optimieren stationäre Roboter mit Kamerasteuerung die Intralogistik. Sie sortieren Bauteile und gleichen deren Qualität mit hinterlegten Daten ab.

Gleiches gilt für Mitarbeiter, welche mit Augmented-Reality-Datenbrillen Komponenten erfassen. In „wenigen Millisekunden“ erteilen laut BMW die IT-Systeme die Freigabe oder verweigern diese. „Mit künstlicher Intelligenz erkennt die Datenbrille unterschiedliche Fehler selbstständig“, sagt BMW-Projektleiter André Peters. Alternativ prüft der Autokonzern den Einsatz von intelligenten Uhren, wenn Datenbrillen die Mitarbeiter bei der Arbeit stören oder diese schnell ermüden.

Auch die Auslieferung an Händler will BMW verändern. „Das Auto wird zum digitalen Sensor und versendet und empfängt wichtige Informationen“, sagt BMW-Logistikerin Maike Rotmann. Beim Einparken für den Verkauf übermittelt das Fahrzeug bereits jetzt Geoposition sowie Zustand per Mobilfunk an die Logistik, beschleunigt so den Verkauf und reduziert die Durchlaufzeit.

In einer weiteren Entwicklungsstufe will BMW das Display im Innern für die Übermittlung und Quittierung von Prozessschritten in der Supply Chain bis zum Händler nutzen. Für diese „Connected Distribution“ müssen ebenfalls die Logistikpartner gewonnen werden. (cs)

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