Cyber-Risiken müssen bald extra versichert werden

„Die Erstversicherer müssen entscheiden, wie sie mit diesen veränderten Risiken umgehen wollen“, konstatierte der Experte. Nur im Offshore-Energie-Bereich, der bei den Versicherern ebenfalls in das Geschäftsfeld Transport fällt, gebe es schon seit langem eine Ausschlussklausel für Schäden in Folge böswilliger Angriffe („CL380“), wozu auch Cyber-Attacken auf IT-Systeme zählen.

Während die Assekuranz noch untersuche, welche Schadensumfänge sich im Bereich Transport ergeben könnten, so Kratz, sei längst klar: „Die Schäden sind heute schon da!“ Problem sei, dass es gar keine Anzeigepflicht für Cyber-Attacken gebe, so dass die eigentliche Schadensursache in vielen Fällen verborgen bleibe. Kratzmann schätzt die Dunkelziffer von Cyber-Schäden gegenüber tatsächlich gemeldeten Vorfällen auf 85 Prozent.

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Zu den spektakulären Fällen im Transportsektor gehöre ein Hacker-Angriff auf die IT der Islamic Republic of Iran Shipping Lines (IRISL) im Jahr 2011, der zum Verlust aller containerbezogenen Daten der Reederei geführt habe. „Wir sind hier direkt im Bereich der Logistik, der uns einmal Sorgen bereiten könnte“, unterstrich Kratz. Auch der Hafen Antwerpen fiel schon vor ein paar Jahren einem Cyber-Angriff zum Opfer, bei dem es Kriminellen gelang, bestimmte Container automatisch freizustellen und somit am Zoll vorbei zu schleusen. Kratz warnte auch vor einer Manipulation von öffentlichen Verkehrs- und Logistikinformationssystemen wie dem Schiffsinformationsdienst AIS live. Bei der Munich RE sei bekannt, dass somalische Piraten sich zur Vorbereitung von Angriffen bereits in derartige System eingehackt hätten. (mph/hec)

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