Moderne Logistik: zwischen Angst, Möglichkeiten und Ressourcenmangel

Digitalisierung, Dilemma, Logistik

Obwohl viele Logistikunternehmen glauben, dass die Digitalisierung die Branche nachhaltig verändern wird, fehlen einer aktuellen Umfrage zufolge Ressourcen und Expertise, um eine klare Strategie für die nächsten Jahre zu definieren. Damit steige die Gefahr, dass branchenfremde Unternehmen in den Markt drängen und Digitalisierung zu ihren Gunsten nutzen, kommentieren die Berater von Roland Berger die Zwischenergebnisse ihrer Logistikstudie, welche der DVZ exklusiv vorliegen. An der Befragung beteiligten sich rund 300 Unternehmen aus 19 Ländern.

Als größtes technisches Hindernis sehen die Berater fehlende Standards und damit einhergehend unzureichende Schnittstellen für den Datenaustausch zwischen Unternehmen. Auch von der DVZ befragte Branchenexperten sehen ein großes Problem in der geringen Standardisierung. Denn dies erschwert die Zusammenarbeit mit anderen Dienstleistern. „Jeder hat für sich eine geschlossene Plattform aufgebaut. Die Kunden wollen sich aber nicht mehr nur einem Dienstleister ausliefern, sondern verschiedene einsetzen. Zugleich wünschen sie sich eine Transparenz über die ganze Kette. Daher wird es notwendig sein zu standardisieren“, sagt Hellmanns IT-Chef Sami Awad-Hartmann. „Wir brauchen die branchenweite Bereitschaft, die bestehende Wagenburgmentalität aufzugeben und gemeinsam Standards zu finden“, betont Michael Tillner, Geschäftsführer der Zufall Logistics Group.

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Der Druck von außen nimmt zu

Doch noch zu viele Unternehmen suchten ihren Wettbewerbsvorteil durch die Digitalisierung alleine, stellt Georg Köhler, Geschäftsführer der System Alliance, fest. Dies ver- oder behindere das Herausbilden von Standards. Damit einher gehen laut Köhler zu viel Individualität in den Systemen und letztlich eine extreme Komplexität. Hinzu kommt: Die Unternehmen treiben den Prozess an unterschiedlichen Stellen mit einer anderen Geschwindigkeit voran. „Während der Verkaufsprozess des einen Unternehmens digitalisiert ist, funktioniert dessen Logistikkette noch mit dem Faxgerät. Ein anderes Unternehmen erwartet den Zugriff auf Echtzeitdaten aus unseren Systemen, um die Prozesse auf die Minute abstimmen zu können“, skizziert Markus Sontheimer die zwei Extreme. Der IT-Chef von Schenker hat seit kurzem auch die Funktion des Chief Digital Officer übernommen.

Doch der Druck nimmt zu – auch von außerhalb der Branche. „Amazon zum Beispiel wird ähnlich wie bei der Cloud seinen Logistikservice irgendwann verstärkt extern anbieten“, vermutet Awad-Hartmann. Auch Crowd-Services à la Uber übten massiv Druck aus, fügt Hellmanns IT-Leiter hinzu. „Daher müssen sich die Logistiker besser untereinander abstimmen“.

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