Das geplante unterirdische Gütertransportsystem CST ist eine Runde weiter

Cargo sous terrain, CST, Tunnel Rohrpost
GrafiK: Cargo sous terrain
Blue Rocket Congress Hamburg

Das fürs schweizerische Mittelland geplante unterirdische Gütertransportsystem Cargo sous terrain (CST) erhält den Segen der Schweizer Exekutive – allerdings unter einer Reihe von Bedingungen und ohne staatliche finanzielle Unterstützung. Seit Anfang 2016 sind wichtige Neuzugänge bei den Fördermitgliedern zu verzeichnen.

Cargo Sous Terrain auf einen Blick

CST ist Strasse und Schiene ergänzendes unterirdisches Logistiksystem für den Detailhandel und die Paketlogistik. Es funktioniert autonom und kontinuierlich rund um die Uhr zwischen Hubs an Produktions- und Konsumschwerpunkten. Das Feinzuliefer- und Verteilsystem soll mit emissionsfreien und automatisch fahrenden Fahrzeugen funktionieren. Es ist intermodal und modular aufgebaut und für palettierbare Güter und Behälter vorgesehen. Eine erste Etappe mit Zeithorizont 2030 ist zwischen Härkingen im zentralen Mittelland mit den schon heute bestehenden Logistikdrehscheiben von Coop, Migros, Post Logistic und Post Mail und der Stadt Zürich über 65 Kilometer vorgesehen. Der Vollausbau bis ins Jahr 2050 sieht Netzelemente zwischen St. Gallen und Genf quer durchs Land mit Ästen nach Basel, Luzern und Thun vor. (km)

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Der Bundesrat ist bereit, CST mit einem Spezialgesetz zu unterstützen. Dabei geht es um eine einheitliche Rechtsgrundlage, die kantonale und kommunale Vorschriften für den Bau des gesamten Projekts aushebelt. Nur so können die Projektträger die Planungs- und Bewilligungsphase vorantreiben. Die Schweizer Regierung kam zu diesem Schluss aufgrund einer vom Zürcher Forschungs- und Beratungsunternehmen Infras erarbeiteten Analyse der volkswirtschaftliche Aspekte und der Auswirkungen des Projekts auf Verkehr, Umwelt und Raum. Infras sieht vor allem positive Wirkungen in der Effizienz der Logistik, die dank des integrierten Ansatzes eine Senkung der Transportkosten und eine Steigerung der Zuverlässigkeit wie der Versorgungsqualität erwarten lassen.

Zudem steigert sich die Flächenproduktivität, was gerade in städtischen Räumen relevant ist und das ordnungspolitische Gebot der Verdichtung nach Innen angesichts knapper Landreserven unterstützt. Infras spricht der CST-Machbarkeitsstudie eine hohe Qualität zu, sowohl methodisch wie bezüglich der Datengrundlagen. Als bedeutend eingestuft werden die Entlastungswirkungen und zwar vorab der Strasse. Für die Autobahnen im Mittelland dürften diese eher gering sein und kaum geplante Ausbauten ersetzen, hingegen ist im städtischen Raum eine Reduktion der Lastwagenfahrten von bis zu 50 Prozent zu erwarten, was in Spitzenstunden das Staurisiko spürbar senken dürfte.

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Klare Vorgaben – neu Partner

Für den Erlass eines Spezialgesetzes stellt der Bundesrat eine Reihe von Bedingungen auf:

  • Der Förderverein CST wird in eine AG umgewandelt – dies sieht CST bereits für Frühjahr 2017 vor.
  • Die Träger sichern finanzielle Mittel in der Höhe von mindestens 100 Mio. SFR zu ( davon mindestens 50 Prozent von Schweizer Investoren eingebracht) – neu sind Partner im Konsortium die Zürcher Kantonalbank, die CSD Ingenieure und die mettler2invest (Entwicklung, Umsetzung und Finanzierung von Immobilienprojekten).
  • Die zukünftigen Betreiber geben verbindliche Verpflichtungen ab zu den notwendigen Schritten zur Reorganisation der Logistik- und Transportkette in den betroffenen Gebieten.
  • Die Kantone Zürich, Aargau und Solothurn sind einverstanden mit CST und nehmen dieses in ihre Verkehrsplanung auf.
  • Der Zugang zum System CST ist diskriminierungsfrei zu gewähren.

In den kommenden Monaten will CST die Gespräche mit den Anrainer-Kantonen und –Gemeinden intensivieren, Standortsicherungen angehen, Steuerungssysteme und Technologien weiterentwickeln sowie die City-Logistk zusammen mit Forschungspartnerschaften aufbauen. Die Finanzierung für die Phase Baubewilligung in der Höhe von 100 Mio. Schweizer Franken soll bis Mitte 2017 sichergestellt sein.

Über Tim Meinken 137 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.

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