Datenanalyse wird zur Schlüsselkompetenz in der Logistik

Künstliche Intelligenz, KI, AI, Logistik
Digitalisierung und Datenqualität gehören zusammen. Weil mit jeder Optimierung von vorhandenen Wertschöpfungsketten und Entwicklung von Geschäftskonzepten die Datenvolumina wachsen, werden Strategien zu deren Schutz und Auswertung immer wichtiger. „Data Analytics wird zur Schlüsselkompetenz in der Logistik“, prognostiziert Prof. Alexander Pflaum. Der Leiter der Fraunhofer Arbeitsgruppe für Supply Chain Services  (SCS) referierte auf dem diesjährigen Logistik Forum Nürnberg.

Zudem tritt die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGV), im Mai 2018 in Kraft. Sie verschärft den Schutz vor allem von personenbezogenen Kunden- und Mitarbeiterdaten und erhöht Geldbußen gegen Verstöße drastisch. In Zukunft drohen Unternehmen Zahlungen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.

Alte IT-Netze müssen abgelöst werden

Gefragt sind Sicherheitslösungen, welche IT-Abteilungen möglichst selbst entwickeln und verschlüsseln. Microsoft-Manager Larry Terwey plädiert deshalb für die Ablösung veralterter IT-Netze durch Cloud Lösungen. „Wenn Security–Anforderungen intern gelöst werden, entstehen schneller neue Geschäftskonzepte und Prototypen“, prognostiziert Terway. Als Folge der DSGV müssen neue Services in der Logistik vor allem auf Produkt-, Geo- und Servicedaten fußen und mit noch besseren Analyse–Tools punkten.

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An erfolgreichen Beispielen fehlt es nicht. „Wir entwickeln für jeden Digitalisierungsprozess neue Datenanalysen“, versichert Christian Utsch, Deutschland-Logistikchef von Hilti. Bei jeder Bestellung checkt der Maschinenbauer und Werkzughersteller, der seine Produkte ausschließlich direkt vertreibt, Bestandsmanagement des Kunden und erstellt Bedarfsprognosen. Auf dieser Datenbasis wurde die App Hilti Connect entwickelt. Wenn auf Baustellen oder auf Montageinsätzen Geräte defekt gehen, ermittelt Hilti auf Basis von Servicestatus und Reparaturhistorie die Ursache. Entscheidet sich der Kunde sich für eine Reparatur, gibt Hilti ein Drei-Tages-Versprechen ab. Wenn ein instandgesetztes Produkt innerhalb dieses Zeitraums nicht an den Einsatzort zurückkehrt, übernimmt der Konzern alle Kosten.

Für Abholung und Zustellung setzt das Unternehmen zehn große Dienstleister ein, welche mit permanentem Reportings und Status-Trackings überzeugen. „Gerade auf Baustellen ist die Geräteübergabe schwierig“, gibt Utsch zu bedenken. Wichtig sind deshalb disziplinierte Fahrer, welche jede Sendung zum vorgeschriebenen Zeitpunkt scannen. „Andernfalls ist keine sauberes Datenmanagement möglich“, betont der Logistiker.

Die Digitalisierung ist für viele Unternehmen ein harter Kampf

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Für die Nürnberger IT-Beratung Trevisto ist Hilti Connect ein überzeugendes Beispiel, dass Daten auch unter verschärften gesetzlichen Bedingungen Treiber für innovative Geschäftskonzepte sein können. „Für fundierte Datenanalysen müssen jedoch zahlreiche Hindernisse überwunden werden“, gibt Vorstand Jens Horstmann zu bedenken. Viele Unternehmen haben mit einer heterogenen IT-Infrastruktur, lückenhafter Digitalisierung und mangelndem Mitarbeiter-Knowhow zu kämpfen. Horstmann empfiehlt, solche Hindernisse mit externem Knowhow zu überwinden und neue Projekte mit einem „fast Prototyping“ voranzutreiben. „Anhand von erprobten Modellen können beispielsweise in der Instandhaltung machbare Visionen entwickelt werden“, sagt der Experte. Wenn diese trotzdem scheitern, bleibe der Erkenntnisgewinn für das nächste Geschäftskonzept.

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Auch für Eric Wirsing ist „fast Prototyping“ nur mit erhöhter Datenqualität denkbar. Der Innovationschef von DB Schenker sieht quer durch alle Verkehrsträger Transportprozesse im digitalen Wandel und prognostiziert einschneidende Änderungen in den nächsten zehn Jahren vor allem durch Automatisierungen. Wirsing empfiehlt, diese Entwicklungen durch Workshops mit Kunden und Kooperationen mit Start-Ups voranzutreiben.

Der Schenker–Manager darf sich hierbei von der neuen SCS-Studie Transportlogistik 4.0 bestätigt fühlen. Die meisten Stückgut-Speditionen erwarten, dass in nächsten fünf Jahren Lkw-Züge und Versandeinheiten permanent überwacht werden, automatisierte Echtzeit-Benachrichtigungen nicht mehr wegzudenken sind und flexible Zustellung nach Ort und Zeit inklusive Same-Day-Delivery selbstverständlich geworden sind. Die SCS-Studie räumt deshalb Geschäftskonzepten, welche auf innovativen Lösungen zur Datenverarbeitung fußen, eine herausragende Rolle ein. Mit ihnen könnten neue Erlösmodelle für Plattformen, Mitarbeiterkompetenzen in Data Analytics oder weitere Prognosetools entwickelt werden.

Mit solchen Smart Services werden sich auch die Geschäftsmodelle von Unternehmen ändern, prognostiziert Pflaum. „Der Umgang und die Vermarktung von Daten werden eine Schlüsselaktivität“, beschreibt der Logistikwissenschaftler das künftige Szenario. „Die Unternehmen gewinnen Schlüsselkompetenzen und Partner hinzu und wandeln sich zum Service-Anbieter.“ Als Folge zahlen die Kunden nicht mehr für Produkte, sondern für Dienstleistungen, weswegen sich Rückflüsse erst über die Zeit kumulieren. (Stefan Bottler)

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