Datenaustausch im Schienengüterverkehr noch Flickwerk

VTG Schienengüterverkehr Güterzug Datenaustausch Digitalisierung
Foto: VTG

Zufrieden mit dem vorläufigen Jahresergebnis? Ja, das sei er, bekennt Heiko Fischer, Vorstandsvorsitzender des Waggonvermietungs- und Eisenbahnlogistikunternehmens VTG Aktiengesellschaft. Und er glaubt auch, dass er mit dieser Zufriedenheit unter den Eisenbahnunternehmen und -dienstleistern nicht allein ist. Aber ihm ist klar, dass die Ursache der positiven Geschäftsentwicklung nicht in attraktiveren Leistungen der Branche zu sehen ist, sondern in der guten Konjunktur.

„Datenaustausch noch Flickwerk“

Um die Leistungsfähigkeit der Branche nachhaltig zu steigern, müssten die Beteiligten noch einiges an Entwicklungsarbeit leisten. Dazu gehört auch der Umgang miteinander. Denn gegenüber dem Straßengüterverkehr befindet sich die Schiene im Rückstand. „Da ist noch viel Analoges dabei“, beschreibt der VTG-Chef die Geschäftsprozesse. Selbst der Datenaustausch untereinander – Digitalisierung 3.0 – sei noch Flickwerk. Vor dem Eintritt in die vernetzte Welt – Digitalisierung 4.0 – müsse die Eisenbahnbranche eine Reihe von Aufgaben erledigen. Dazu gehört auch das Vertrauen, das Datenaustausch erst möglich macht. „Schiene muss so einfach buchbar werden wie Straße“, formuliert Fischer das Ziel. Das eigene Unternehmen sei auf dem Weg dahin: mit VTG 4.0 „Make Rail easy“.

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Inzwischen denken auch andere Unternehmen der Eisenbahnbranche neu. Bisher war die Praxis eher die, sich abzuschirmen, um vermutete Wettbewerbsvorteile zu wahren. Für die Zukunft könne das sinnvoll sein, zum gegenwärtigen Zeitpunkt hält Fischer dieses Verhalten aber für falsch. „Die Schiene muss so viel nachholen, dass es nur gemeinsam geht.“ Die Kosten für Eigenentwicklungen sind hoch; angesichts des Risikos, dass vieles strandet, stellt ein solche Firmenpolitik eigentlich keine Option dar.

Fehlschlag TAF TSI

Branchenweite Ansätze sogar auf EU-Ebene hat es schon gegeben – mit den Technischen Spezifikationen für die Telematik im Güterverkehr. „TAF TSI hat uns nicht besonders weit gebracht“, stellt Fischer fest. Die Standards seien bei der Einführung 2006 schon veraltet gewesen. Ein komplexes Thema, viele ungeklärte Fragen – eine flächendeckende Implementierung schlug fehl. Fischer plädiert nun für eine Neuentwicklung bis 2020, die auch die aktuellen Technologien berücksichtigt. Gemeinsame Datennutzung bereitet ihm weniger Sorge: „Ich glaube nicht an viele Geschäftsgeheimnisse in unserer Branche – viele Informationen sind für andere nutzlos.“ Gelöst werden müssten aber Fragen der Datenhaltung und die Sicherung der dauerhaften Integrität des Bestandes – Stichwort „Cyber Security“. In der Verantwortung dafür sieht der VTG-CEO den europäischen Gesetzgeber: „Die EU muss mit einer Digitalisierungsrichtlinie die Leitplanken setzen. Trotz der Fehlentwicklungen, die Projekte wie Korridore, Leit- und Sicherungstechnik genommen haben, ist Fischer zuversichtlich: „Ich habe immer Vertrauen, dass man etwas noch besser machen kann.“

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Hoffnung auf neue Regierung

Dass sie Dinge noch besser macht, hofft Fischer auch von der Regierung, die sich derzeit noch in der Konsolidierungsphase befindet. Hoffnungen in Vorgängerregierungen, sie könnten „Sozialbeglückungen“ zugunsten von Infrastrukturprojekten begrenzen, sind nicht in Erfüllung gegangen – und damit auch nicht die Erwartung, dass sich die Standards von EU-Frachtkorridoren bis in die Verästelungen des Netzes ausbreiten. Ein Wirtschaftsunternehmen wie VTG wird sich davon aber nicht aufhalten lassen. Wenn die Möglichkeiten in Europa ausgereizt sind, gibt es noch jede Menge Potenzial außerhalb Europas.

Weitere Umsatzsteigerung

VTG konnte den Umsatz 2017 um 2,8 Prozent auf 1,01 Mrd. EUR und das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) – bereinigt um Sondereffekte – um 2,4 Prozent auf 343,4 Mio. EUR erhöhen. Die Dividende soll um 20 Prozent auf 0,9 EUR je Aktie steigen.

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