Delaplace vermittelt vakanten Lagerraum in Frankreich

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Foto: Delaplace

Die vielen neu entstehenden kleinen Onlinehändler haben oft Probleme mit der Logistik, weil ihnen Lagerraum und ein erfahrener Partner für das Fulfilment fehlt. Andererseits gibt es zahlreiche Industrie- oder Logistikunternehmen, die über Lager verfügen, die nicht bis an den Rand ihrer Kapazität ausgelastet sind. „Ein eigenes Lager zu mieten, wenn man gerade erst anfängt, ist riskant, denn die Mindestdauer für Mietverträge beträgt drei Jahre“, meint Pierre-Arnaud Catimel vom Start-up Delaplace.pro. „Andererseits würden die Firmen mit vakanten Lagerflächen diese sicher gern vermieten, wissen aber nicht, wie sie Interessenten dafür finden sollen.“

Marktstudien zufolge stehen in Frankreich rund 30 Prozent der Lagerräume von Industrieunternehmen und Gewerbebetrieben leer. Auch viele Logistikfirmen haben – zumindest zeitweise – freie Flächen, die sie nur zu gern kurzfristig und flexibel vermieten würden. Das brachte Marie-Aude Didry, eine Mitarbeiterin des Energiekonzerns Engie Ende 2015 auf die Idee, eine Internetplattform zu schaffen, die den Kontakt zwischen Unternehmen mit Bedarf beziehungsweise mit Angebot an Lagerfläche herstellt. Sie reichte die Idee bei einem internen Innovationswettbewerb bei Engie ein und gewann einen der Hauptpreise. Der Konzern schlug ihr vor, mit dieser Idee als Grundlage ein Start-up zu gründen, und bot seine finanzielle und logistische Unterstützung an. Das ganze Jahr 2016 diente als Entwicklungs- und Testphase, als eigenständiges Unternehmen besteht Delaplace seit Anfang 2017.

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Delaplace: Technik steht, Kunden gesucht

„Jetzt sind wir vor allem auf Kundensuche, denn die Internetseite mit der Suchmaske und die Software für die Vermittlung von Anbietern und Interessenten, funktioniert heute schon reibungslos“, sagt Catimel. Neben Didry und ihrem Partner Catimel arbeitet noch ein Marketingexperte mit und bis Jahresende wollen sie als vierte Kraft noch einen kaufmännischen Mitarbeiter einstellen. Im nächsten Jahr soll sich das Unternehmen auf acht Mitarbeiter verdoppeln. Ihre heutigen Büros – eins in Lille und eins in Paris – stellt ihnen ihr Sponsor Engie unter seinem Dach zur Verfügung.

Vorläufig beschränkt sich das junge Unternehmen auf die nordfranzösische Region Haut-de-France und auf die Pariser Region. Catimel ist sicher, dass die Ausweitung auf ganz Frankreich und später auch auf Nachbarländer nicht lange auf sich warten lässt. Allein in den ersten beiden Regionen können sie heute schon 70.000 m2 freie Lagerflächen anbieten. „Das Prinzip ist einfach“, sagt Catimel. „Wer Lagerfläche sucht, gibt auf unserer Seite in die Suchmaske ein, an welchem Ort er wie viel Platz braucht und was er dort für welchen voraussichtlichen Zeitraum lagern will.“ In der Maske kann der Kunde anklicken, ob er einen ganz leeren Lagerraum sucht oder ob er einen bereits zum Teil belegten akzeptieren würde. Die Mindestfläche beträgt 40 m2. Das Lagergut muss verpackt sein, lose Artikel oder Gefahrengüter sind nicht erlaubt.

Potenzielle Neukunden für Logistikfirmen

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Neben leeren oder halbleeren Lagerräumen kann sich der Kunde als dritte Variante auch für ein Logistikunternehmen entscheiden, das nicht nur freie Palettenplätze anbietet, sondern auch gleich noch Dienstleistungen wie Kontrolle, Kommissionierung, Fakturierung und Verpackung von Bestellungen bis hin zur Übergabe an die Post oder einen anderen Auslieferungspartner sowie die Bearbeitung von Retouren. „So können Logistikunternehmen ohne großen eigenen Aufwand neue Internethändler als Kunden gewinnen“, sagt Catimel. Die eingegebenen Wünsche des Kunden prüft das System von Delaplace, vergleicht sie mit den Charakteristika der gespeicherten Angebote und macht dem Kunden dann automatisch drei Angebote.

„An dieser Stelle übernehmen wir Mitarbeiter. Wir bringen die beiden Partner zusammen, berechnen eine Vermittlungskommission aber nur, wenn zwischen beiden ein Vertrag geschlossen ist und es einige Monate lang Transaktionen gegeben hat“, sagt Catimel. Als Kommission wird ein geringfügiger Prozentsatz des Umsatzes zwischen den beiden vermittelten Partnern erhoben. Dieser sinkt stufenweise vom ersten bis einschließlich dem vierten Jahr der Geschäftsbeziehung. Danach haben sie nichts mehr an Delaplace zu zahlen.

Seriösität ist gewährleistet

„Das Konzept ist für Kunden und für Anbieter gleichermaßen vorteilhaft. Es ist einfach, flexibel und sicher, denn bei beiden Partnern handelt es sich um seriöse Profis.“ Davon überzeugt sich Delaplace durch Konsultation entsprechender Internetseiten oder Rücksprache bei offiziellen Institutionen, bevor Angebote ins Netz gestellt oder Interessenten vermittelt werden.

Als Kunden werden aber nicht nur Onlinehändler oder Kleinunternehmen angesprochen, sondern auch Event-Unternehmen mit Material für Veranstaltungen sowie vor allem auch Baubetriebe oder Unternehmen, die neue Verkehrsinfrastrukturen sowie Büro- und Wohnneubauten technisch ausstatten. „Die benötigen oft für eine begrenzte Zeit Lagerraum für Bauelemente, technisches Zubehör und andere Materialien, die sie nicht ungeschützt auf der Baustelle lassen wollen“, fügt Catimel hinzu.

Stadt Paris als Partner

„Das ist auch ein Aspekt, der die Stadt Paris und die Region Ile-de-France als Träger des Verkehrs- und Wohnungsbauprojekts ‚Groß Paris‘ bewogen hat, uns zusammen mit Dutzenden weiterer Start-ups zu ihren Partnern zu machen und zu fördern.“ Zu den Großunternehmen, die in das Projekt eingebunden sind, gehört auch der Energiekonzern Engie. „Für ihn sind wir ein Partner, dessen Leistungen er bei Angeboten immer mit einbeziehen kann“, sagt Catimel und fügt hinzu: „Das ist ein gewichtiger Grund, warum er uns auch weiterhin sehr stark unterstützt.“  (Ralf Klingsieck)

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