Der langsame Abschied der Luftfracht vom Papier

Lufthansa hat 2017 zum Jahr der Digitalisierung ausgerufen. Man wolle sich nicht wie die Hotel- oder Taxibranche beim Zugang zum eigenen Produkt überholen lassen, sagte Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr auf dem Digital Aviation Forum des Unternehmens am vergangenen Dienstag in Frankfurt/Main. Zwar hat Spohr dabei vor allem den Passagiermarkt im Auge. Aus seiner Zeit als Chef von Lufthansa Cargo weiß Spohr aber zugleich auch, dass vor allem die Fracht einen immensen Nachholbedarf hat, wenn es um den Abschied vom Papier geht. Das gilt gerade für Deutschland, wo der E-Freight-Nutzungsgrad (im Fachjargon Penetration genannt) noch bei unter 30 Prozent liegt.

Immerhin war Spohr anno 2010 Gastgeber von Deutschlands erster E-Freight-Konferenz. Damals kündigte er für das Jahr 2015 den papierlosen Aircargo-Transport als weltweiten Standard an. Die Zeit, in der parallel zur Fracht eine Dokumententasche mit unzähligen Papieren im Flugzeug befördert werde, müsse endlich vorbei sein, forderte Spohr. Allerdings könne der weltweite Verzicht auf Papierdokumente in der Aircargo-Logistikkette nur mit Unterstützung der gesamten Branche gelingen.

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Und genau beim mangelnden Support etwa seitens der Spediteure und der diversen Behörden liegt das Problem, wie auch beim Digitalisierungstag der Lufthansa deutlich wurde. Anders als beim Passagier, den manche gern als „Self Loading Cargo“ bezeichnen, sind in der detailbehafteten Frachtwelt zahlreiche Dienstleister notwendig, damit die Sendung auf die Reise gehen kann beziehungsweise am Zielort den Empfänger erreicht.

In China verlangt die Veterinärbehörde beispielsweise immer noch einen Stempel auf dem Papierdokument, wenn Holzprodukte ins Land gebracht werden. Hierzulande mangelt es oft an der Bereitschaft der Speditionen, sich in puncto E-Freight zu engagieren, sagte ein Lufthansa-Cargo-Manager auf dem Digitalisierungstag.

Unterstützung für Start-ups

Auch IAG-Cargo-Chef Drew Crawley wundert sich, dass die Branche E-Freight zwar schon jahrelang auf dem Schirm hat, die Umsetzung aber nur schleppend vorankommt: „2017 liegt der erstaunliche Durchschnitt für eine einzige Sendung von A nach B immer noch bei 40 Papieren.“ Der britisch-spanische Carrier ist dabei, seine Altsysteme zu digitalisieren. Mit dem 2016 eingeführten Programm „Hangar 51“ unterstützt IAG Cargo Start-ups und erhofft sich kreative Ideen, um das eigene Geschäft zu digitalisieren.

Auch andere internationale Carrier treiben das Thema voran und beteiligen sich an der E-Freight-Initiative des Airline-Weltverbandes Iata. American Airlines stellt eigenen Angaben zufolge für internationale Sendungen schon mehrheitlich elektronische Luftfrachtbriefe aus.

„Latam Cargo nützt die Digitalisierung als Instrument, um die Transparenz, Effizienz und Qualität der Prozesse zu erhöhen und gleichzeitig Lücken, die im Luftfrachtverkehr bestehen, zu verringern oder sogar komplett zu schließen“, erklärt Europa-Direktor Guido Henke. Die Frachttochter der größten südamerikanischen Airline ist dabei, den gesamten Prozesszyklus zu digitalisieren – inklusive E-Quote für Angebote, E-Booking, E-AWB, E-Tracking oder E-Claims, um Missstände beim Transport zu melden.

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