Der Streetscooter Work XL kommt

DHL Streetscooter Work XL Ford
Post-Vorstand Jürgen Gerdes am Steuer eines Streetscooter Work XL. (Foto: DPDHL)

Angetrieben durch den Onlinehandel und den dadurch verursachten Paketboom setzen die Paketdienste zunehmend auf Elektro-Fahrzeuge in der Citylogistik. Während die Deutsche Post DHL auf die Eigenentwicklung Streetscooter vertraut und gemeinsam mit Ford jetzt ein drittes Modell mit einer größeren Ladekapazität (Streetscooter Work XL) vorgestellt hat, bauen UPS auf die Umrüstung seiner ausgedienten Dieselfahrzeuge oder  Hermes auf eine Kooperation mit Mercedes. Andere wie DPD testen den Einsatz von E-Fahrzeugen noch und beklagen sich über mangelnde Angebote der Autoindustrie. Eines scheint klar: An der Elektromobilität führt in der Citylogistik für Paketzusteller künftig kein Weg vorbei. Denn in vielen Städten drohen wegen der Luftverschmutzung Einschränkungen für Diesel-Fahrzeuge bis hin zu Fahrverboten.

Im Schulterschluss mit Ford

Gemeinsam mit Ford hat Deutsche Post DHL jetzt die Produktion des Streetscooter Work XL aufgenommen, der mit 20 m³ deutlich mehr Ladekapazität aufweist als die beiden Vorgängermodelle, die von der Post-Tochter Streetscooter in Eigenregie gebaut werden. Post-Vorstand Jürgen Gerdes begründete dies während der Vorstellung des Vorserienmodells am vergangenen Dienstag damit, dass man größere Ladekapazitäten benötige, um die Paketzustellung in Großstädten wie München oder Berlin ohne Pausen für das Nachladen sicherstellen zu können. Basis des Fahrzeugs ist das Fahrgestell des Ford Transit.

Ford stellt aber auch die Fahrerkabine und die elektronische Architektur bereit, wie Steven Armstrong, Europachef des Automobilkonzerns sagte. Im Streetscooter-Werk in Aachen wird dann der Elektromotor eingebaut, die Ladebox installiert und das Fahrzeug fertigmontiert. Rund 3.000 der kleineren E-Lieferwagen fahren bereits durch die Innenstädte. Ende 2017 sollen es bereits 6.000 bis 7.000 sein. Daneben sind noch rund 10.500 Pedelecs im Einsatz. Zur Höhe der Investitionen und der Entwicklungskosten macht der Konzern keine Angaben.

Ehrgeizige Produktionsziele

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Noch in diesem Jahr werden rund 150 Fahrzeuge des Streetscooter Work XL produziert und in der Paketzustellung eingesetzt. Bis Ende 2018 sollen es bereits 2.500 Fahrzeuge sein, die ausschließlich für DHL bestimmt sind. Perspektivisch sei aber auch der Verkauf an Drittkunden vorgesehen, sagte Gerdes. Wer den Vertrieb übernehmen wird und welche Rolle Ford künftig in der Kooperation spielen werde, sei noch offen. Doch wolle man die Partnerschaft ausbauen.

Das Gemeinschaftsprojekt werde Europas größter Produzent von emissionsfreien, mittelgroßen E-Transportern sein und komme zum richtigen Zeitpunkt, erklärte Armstrong. Der Automobilhersteller wolle eine Führungsrolle bei der Verbesserung der Luftqualität in den Städten und bei intelligenten Konzepten im Nutzfahrzeugbereich übernehmen, so der Ford-Manager. Insgesamt steckt der US-Konzern weltweit 4,5 Mrd. US-Dollar in die Entwicklung elektrifizierter Fahrzeuglösungen. Die Teile für den neuen Streetscooter kommen aus Werken in der Türkei – allerdings offenbar nur vorläufig, wie am Rande der Veranstaltung angedeutet wurde.

Dritte sind stark interessiert

Die Vorgängermodelle des XL konnten bereits an einige Flottenkunden verkauft werden, wie zum Beispiel den Fischhändler Deutsche See, der 80 Einheiten bestellt hat. Auch Städte wie Bonn oder Aachen setzen die Fahrzeuge in Kommunalbetrieben ein. „Die Nachfrage nach dem Streetscooter ist gewaltig“, sagte Gerdes. Er kündigte an, dass der Konzern im September über den Standort eines zweiten Streetscooter-Werks entscheiden werde. Eine Ansiedlung am Kölner Ford-Werk in Köln-Niehl schließt er aber aus, doch am Standort Aachen gibt es offenbar noch freie Flächen. Derzeit können dort rund 5.000 Fahrzeuge aller Modelle pro Schicht und Jahr hergestellt werden. Durch die Umstellung auf den Mehrschichtbetrieb soll die Produktion ausgeweitet werden, so Gerdes. Mittelfristig könnten so später in zwei Werken jährlich mehr als 30.000 Fahrzeuge im Dreischichtbetrieb vom Band rollen. Das ist notwendig, denn die Post selbst will ihre gesamte Brief- und Paketzustellflotte von knapp 50.000 Fahrzeugen in den nächsten Jahrzehnten auf Elektroantrieb umrüsten. Diese sollen übrigens ausschließlich mit Strom aus regenerativen Energien betrieben werden.

UPS baut Altfahrzeuge um

UPS verfolgt indessen eine andere Strategie: „Wir rüsten ältere Dieselfahrzeuge um. Die meisten davon sind 7,5-t-Transporter“, sagte ein UPS-Sprecher. Die Umrüstung erfolge durch ein Unternehmen in Süddeutschland. Dass ältere Dieselfahrzeuge ein „zweites Leben“ als E-Transporter hätten, sei ein weiterer ressourcenschonender Aspekt, meinte er. Insgesamt betreibt UPS bereits 59 E-Fahrzeuge in seiner Flotte in Deutschland, darunter 13 in Hamburg. Europaweit sind es 152. UPS baut die E-Flotte schrittweise weiter aus. „Für Touren, die eine höhere Anforderung an die Reichweite der Zustellfahrzeuge stellen, ist der Elektro-Antrieb aber noch nicht geeignet“, so der Sprecher weiter. Eine Vorreiterrolle hat der Transportkonzern indessen in der Fahrradzustellung übernommen. Dabei werden Sendungen in Containern in die City gebracht und dann per Cargo Cruiser, Lastenfahrrad, Sackkarre oder zu Fuß zugestellt. Vergleichbare Projekte gibt es in Hamburg, München (City2Share) und Wien aber auch in Herne, Offenbach am Main und in Oldenburg.

Hermes kooperiert mit MB Vans

Auch Hermes verfolgt eine eigene Strategie: In der City von Hamburg werden bislang sechs E-Transporter auf Fiat-Ducato-Basis des E-Mobility-Spezialisten Emovum betrieben. Anfang 2018 will der Kep-Dienstleister aber in Kooperation mit Mercedes-Benz Vans die elektrische Zustellung stark ausbauen. Bundesweit sollen bis Ende 2020 insgesamt 1.500 E-Fahrzeuge (Sprinter und Vito) für Hermes in 24 Städten im Einsatz sein. Zunächst gehen sie in Hamburg und Stuttgart auf die Straße.

DPD wartet auf Hersteller

Auch DPD hat sich Stuttgart als Ort für sein E-Fahrzeug-Pilotprojekt ausgesucht. Kein Zufall: Denn hier drohen ganz konkret Fahrverbote für Diesel in der City. Dort ist DPD mit „Elena“ unterwegs. Der Name steht für „Elektrischen Nachrüstsatz“. Der Sprinter von Mercedes-Benz, der in der DPD-Flotte dominiert, kann damit im Hybrid-Modus fahren. Der Akku ermöglicht eine elektrische Laufleistung von bis zu 50 km und kann über Nacht an der Steckdose geladen werden. Entwickelt wurde der Nachrüstsatz von einem regionalen Konsortium von Unternehmen und der Hochschule Esslingen. Ein älterer Versuch mit fünf vollelektrischen Vito-Transportern in Stuttgart sei beendet worden, sagte ein DPD-Sprecher. Sie seien zu klein für Standardtouren gewesen. „Wir sind noch nicht soweit, E-Transporter flächendeckend einzusetzen“, räumte er ein. „Uns fehlen die passenden Angebote der Autohersteller“, meinte der Sprecher. (ben)

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