Der Transportmarkt ist von Knappheit geprägt – Lösungen vom BRC18

BRC BRC18 BRC2018 Digitalisierung Blue Rocket Congress Logistik

Der Transportmarkt ist von Knappheit geprägt – es fehlen Fahrer, Parkplätze und Lagerraum. Was Logistikdienstleister und deren Auftraggeber ärgert, erfreut findige Unternehmer. Denn wer solche Schmerzpunkte erkennt, kann darauf ein Geschäft aufbauen. Das hat der Blue Rocket Congress gezeigt, den die DVZ vorvergangene Woche zum zweiten Mal veranstaltet hat. Passender Austragungsort für das Event unter dem Motto „Aus Revolution wird Evolution!“ war der Digital Hub Logistics in der Hamburger Speicherstadt.

Wenn Start-ups erwachsen werden

Die zweite Erkenntnis der Veranstaltung mit rund 110 Teilnehmern lautete: An guten Ideen mangelt es der Branche nicht. Mit Road Heroes, Unser Parkplatz und Sharehouse präsentierten beispielsweise drei Start-ups Lösungen, die exakt die drei genannten Probleme adressieren. 17 junge Unternehmen zeigten bei der diesjährigen Digitalisierungsveranstaltung in Summe ihre Geschäftsideen. Sie reichen von der dreidimensionalen Frachtvermessung, über digitale Luftfrachtbuchungen und Versandlösungen bis hin zum Einsatz von Drohnen im Lager und die Nutzung der Blockchain.

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Die Branche befindet sich dabei insgesamt an einer Wegkreuzung. Es sei weiterhin notwendig, daran zu arbeiten, die Prozesse zu verbessern, unterstrich Steffen Wagner, Leiter der Logistiksparte bei KPMG. Eben wegen der knappen Kapazitäten. Auf der anderen Seite hätten viele erkannt, dass es nicht mehr nur darum gehen könne, die Kosten zu senken. „Wir erleben einen Paradigmenwechsel“, betonte Prof. Christian Kille vom Institut für angewandte Logistik der Hochschule Würzburg. Zahlreiche Logistiker würden an Lösungen arbeiten, welche die Qualität ihrer Dienstleistung erhöhen oder das Leistungsspektrum erweitern.

Dabei setzen sie immer stärker auf den Schulterschluss mit Start-ups, wie exklusiv für die DVZ erhobene Zahlen von KPMG zeigen. So stehen hinter 62,5 Prozent der Investitionen in Newcomer in Deutschland allein strategische Investoren. Der hohe Finanzierungsanteil klassischer Logistiker in Deutschland lässt sich den Experten zufolge im Wesentlichen darauf zurückführen, dass die hiesigen Akteure stark auf Inkubatoren und Acceleratoren setzen. Dadurch könnten Sie Geschäftsideen im eigenen Unternehmen oder solche, die nahe am eigenen Geschäft sind, besonders gut fördern. 56,3 Prozent der Start-up-Finanzierungen im Logistikumfeld in den vergangenen zwölf Monaten in Deutschland entfielen denn auch auf diese Finanzierungsvehikel.

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Die richtigen Partner zusammenbringen

Damit das Geld gut angelegt ist, müsse allerdings auch der Austausch zwischen den Beteiligten gut sein. Marc Schmitt, CEO von Evertracker, sieht dabei durchaus noch Optimierungspotenzial. Die richtigen Ansprechpartner in den Konzernen müssten noch besser mit jenen in den Start-ups zusammengebracht werden, wünscht er sich und hofft dabei beispielsweise auf den Digital Hub Logistics.

Stellt sich die Frage, was aus der Zusammenarbeit von Corporates und Start-ups werden kann. Ganz neue Dienstleistungen oder gar Geschäftsmodelle in der Logistik zu entwickeln, ist beispielsweise gar nicht so einfach, machte Ralf Niemeier von der Firma Visitrans deutlich. Begründung: Anders als im B2C-Geschäft, wo man eine Produktidee als Minimum Viable Produkt (MVP) auch mit einigen Fehlern leicht am Markt austesten könne, gelte im B2B-Geschäft in der Regel der 100-Prozent-Ansatz. „Mit einem Produkt, das nur zu 25 Prozent funktioniert, scheitern sie in B2B“, betonte er. Visitrans möchte mit der Plattform Visimatch daher auch nicht das Rad neu erfinden, sondern hat sich auf die Optimierung des Containermanagements konzentriert.

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Alltagsprobleme der Logistik mittels digitaler Angebote zu lösen, ist daher für Start-ups und Etablierte zumindest kein falscher Weg. Zugleich gelte es aber, das disruptive Potenzial von Technologien wie dem 3-D-Druck oder der Blockchain nicht zu verkennen, unterstrich Luca Graf, Leiter des Digital Hub bei Panalpina. Und Erik Wirsing, Vizepräsident für Innovationen bei Schenker, wies darauf hin, dass Nutzfahrzeughersteller irgendwann vielleicht nicht mehr in erster Linie aus dem Verkauf oder der Vermietung von Fahrzeugen Erlöse erzielen, sondern aus den Bewegungsdaten, die diese erzeugen.

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