Der Weg ist frei für Drohnen und Roboter

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(DVZ-Illustration: Andreas Voltmer)

von Stefan Dörfelt verantwortet das Produktmanagement bei der Online-Spedition Überland (www.uberland.com), wo er gemeinsam mit Kollegen ein Blog zu aktuellen Logistikthemen aufgezogen hat.

Bereits heute verstopfen Lieferfahrzeuge ganze Straßenzüge, da sie notgedrungen in zweiter Reihe parken – und sich nicht selten selbst blockieren. Befeuert wird die Entwicklung durch Kunden, die immer schnellere Lieferungen einfordern: [clickToTweet tweet="@McKinsey @McKinsey_de Bis 2025 erfolgen 40% aller Lieferungen sofort oder am selben Tag – Heute 1%" quote="Mc Kinsey geht davon aus, dass bis 2025 bereits 40 Prozent aller Lieferungen sofort oder am selben Tag erfolgen werden. Heute sind es 1 Prozent." theme="style3"]

Verantwortlich für das Lieferchaos ist vor allem der Onlinehandel. Dessen Erfolg setzt auch den stationären Handel unter Druck: Der Kunde erwartet, dass die Ware bis nach Hause transportiert wird. Das ist gut für die Logistikbranche, ganz sicher aber schlecht für den Verkehrsfluss.

Die derzeit einzig erkennbare Antwort ist eine stärkere Digitalisierung der Logistik. Drohnen und Roboter spielen dabei eine wesentliche Rolle. Flugdrohnen sind interessant, weil sie den bisher ungenutzten Luftraum für Transporte öffnen könnten – und weil sie sich digital steuern lassen.

Für Logistikunternehmen kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Sobald die Systeme ausgereift sind, werden die Kosten auf der teuren „letzten Meile“ sinken. Mc Kinsey geht davon aus, dass schon 2025 rund 80 Prozente aller Pakete automatisiert ausgeliefert werden. Rein wirtschaftlich betrachtet gehört den Robotern zweifellos die Zukunft. Was aber ist mit gesellschaftlicher Akzeptanz und rechtlichen Rahmenbedingungen?

DHL wartet auf innerstädtischen Test

Neben den Flugdrohnen von Amazon sorgt vor allem DHL mit dem „Paketkopter“ für Furore. In mehrjährigen Tests lieferte die Drohne Medikamente über den Rhein und versorgte die Nordseeinsel Juist bei Wind und Wetter. Laut DHL sind alle Versuche bestens gelaufen; man sei bereit für einen innerstädtischen Test.

Die gewerbliche Nutzung des Luftraums in Deutschland ist jedoch genehmigungspflichtig. Sobald Drohnen nicht mehr auf Sicht gesteuert werden, treten rechtliche Probleme auf: Was passiert, wenn eine Drohne abstürzt? Wer trägt die Kosten eines Unfalls?

Die estnische Firma Starship machte jüngst mit Lieferrobotern Schlagzeilen. Der sechsrädrige Paketroboter erinnert an den niedlichen „Wall-E“ aus dem gleichnamigen Disney-Film. Der Roboter soll friedlich und liebenswert wirken – und ist so programmiert, dass es aussieht, als hätte er Angst. Sobald ein Hindernis auftaucht, bleibt er stehen und gewährt Vorfahrt.

Der mit GPS ausgestattete Blechbote weiß stets, wo er sein Ziel findet. An Bordsteinen scheitert er zumeist noch. Auch in puncto Effizienz ist er vorerst keine Konkurrenz. Während ein Mensch bis zu 15 Pakete pro Stunde ausliefert, schafft der Roboter nur eins. Er lernt allerdings täglich dazu: Ziel ist es, dass ein Mensch eine Flotte von bis zu 100 Robotern steuert. Diese könnten Pakete in der Größe von zwei bis drei Einkaufstüten ausliefern.

Reichweite kein Problem

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Geringe Reichweite ist nur auf den ersten Blick ein Nachteil. Das Robovan getaufte Joint Venture zwischen Starship und Mercedes-Benz lässt erahnen, wohin die Reise gehen könnte. Die Roboter finden Platz in einem speziell ausgestatteten Van. Der Lieferant könnte dann mit diesem Robovan entfernt liegende Dörfer ansteuern. Im ersten Dorf angekommen: Tür auf, Drohne(n) raus – und auf dem Rückweg wieder rein ins Auto.

Ein anderes Konzept verfolgt die Ball-Drohne „Bin:Go“ des Fraunhofer-Instituts. Sie fliegt nur, wenn sie muss, ansonsten rollt sie. Das spart Energie und bietet mehr Sicherheit. Bei der Ball-Drohne sind die Rotoren ins Gehäuse integriert. Selbst bei einem Aufprall sind sie gut geschützt – ebenso wie die im Inneren der Kugel transportierte Ware. Diese wird durch eine eingebaute Klappe in eine sichere Transportbox geladen.

Bin:Go ist mit nur 1,5 kg ein Fliegengewicht. Die Drohne kann bereits bis zu 700 g schwere Lasten transportieren. Angedacht ist vor allem der Einsatz in Lagerhallen. Sollen Pakete von einem Regal geholt werden, fliegt die Drohne hinauf. Abwärts rollt sie – Schwerkraft sei Dank – auf Schienen herunter.

Rechtlich stehen die Lieferroboter vor den gleichen Problemen wie ihre unbemannten LKW- und Flug-Kollegen. Bisher werden sie von Menschen begleitet, die jederzeit einschreiten können. Ein weiteres Problem ist der Datenschutz – ohne Kameras funktionieren die Geräte aber nun mal nicht.

2014 konnte sich jeder vierte Verbraucher vorstellen, Pakete von Robotern geliefert zu bekommen, ergab eine Befragung der Bitkom. In der jüngsten Erhebung stieg diese Zahl auf 43 Prozent. Hält dieser Trend an, wird der Gesetzgeber den Weg für Lieferroboter früher oder später freimachen.

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