DHL Report: 3D-Druck wirkt sich stark auf Ersatzteillogistik aus

3D Druck
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Der 3-D-Druck wird die Massenproduktion in Zukunft nicht obsolet machen, sich aber wahrscheinlich stark auf die Ersatzteillogistik auswirken. Davon gehen die DHL-Experten des Bereichs Kundenlösungen und Innovation aus. Der Konzern wolle mit Kunden und Partnern daran arbeiten, die 3-D-Drucktechnik in die Logistik und künftigen Lieferketten zu integrieren.

Der Trendreport mit dem Titel „3D-Druck und die Zukunft der Lieferketten“ zeigt Möglichkeiten für Unternehmen auf, sich mit Logistikdienstleistern zusammenzutun, die 3-D-Druck anbieten. Dazu gehören Services wie Ersatzteile auf Abruf, ein Modell, das die Lagerkosten von Unternehmen reduzieren würde, sogenannte End-of-Runway Services für die schnelle Produktion von zeitkritischen Teilen sowie Product Postponement Services, um die Anpassungsoptionen zu erhöhen und gleichzeitig die Lieferzeit an den Kunden zu verkürzen.

Die Nachfrage nach individualisierten Produkten fördert dem Trendbericht zufolge die direkte Herstellung von Teilen und die Product Postponement Services. Dies könnte dazu führen, dass die Herstellung und Montage in verschiedene Phasen mit regional und lokal aufgestellten Druckern aufgeteilt wird. Dafür werden laut DHL völlig neue Lieferkettenstrategien benötigt.
Ein Schwerpunkt bei End of Runway seien branchenspezifische Serviceangebote und integrierte Reparatur- und Rücksendeleistungen. Der 3-D-Druck könnte hier eine schnelle Produktion und schnellen Versand von Teilen ermöglichen. „Das wäre für die Energie- und Maschinenbaubranchen von unschätzbarem Wert“, heißt es. Ebenfalls könnte das die Garantie-Reparaturprozesse im Konsumgütersektor verbessern. Logistikunternehmen könnten auch in der Lieferkette bei den Ersatzteilen auf Abruf in einer neuen Weise eingebunden werden, indem Teile auf dem Lieferweg zum Kunden gedruckt würden.

„Wir glauben, dass der 3-D-Druck mittelfristig die größten Auswirkungen auf die Ersatzteillogistik und bei der Herstellung von kundenspezifischen Teilen haben wird“, sagt Markus Kückelhaus, Leiter Trendforschung bei DHL Customer Solutions & Innovation. Unternehmen in den verschiedenen Schlüsselindustrien zeigten ein erhöhtes Interesse am Einsatz von 3-D-Druckern. Mehr Möglichkeiten der kundenspezifischen Anpassung, weniger Abfall und mehr Produktion und Lieferung auf lokaler Ebene seien für sie ein Anreiz, 3D-Drucker zu nutzen.

Der Trendreport geht allerdings davon aus, dass der 3D-Druck die Massenproduktion nicht ersetzen, sondern um zusätzliche Produktionsmethoden ergänzen wird. Matthias Heutger, Senior Vice President DHL Customer Solutions & Innovation, sieht den 3-D-Druck als eine Transformationstechnologie. „Dabei handelt es sich nicht um eine Wundertechnik, die die Massenproduktion in Fabriken obsolet macht. Ihr interessantes Potenzial liegt eher in der Fähigkeit, die Produktion von höchst komplexen und individuellen Produkten und Ersatzteilen zu vereinfachen. Das könnte Logistik und Herstellung näher zusammenbringen als jemals zuvor.“

3-D-Druck wird auch als additive Fertigung bezeichnet. Es handelt sich um einen Prozess zur Herstellung von Produkten, bei dem Kunststoffe oder Metalle erhitzt werden und über die Düse eines 3-D-Druckers auf eine Platte aufgebracht werden, um so einen dreidimensionalen Gegenstand aufzubauen. Möglicherweise werden dadurch Prozesse wie Schweißen oder Formgießerei ersetzt und die Kosten erheblich reduziert. Das kann zu verbesserter Produktqualität, verschiedenen von einem Drucker hergestellten Produkten, neuen Produktarten und zu neuen Lieferkettenstrategien und -modellen führen, heißt es in dem Trendreport.

Die Technik wird weltweit bereits von der Luftfahrtindustrie, dem Maschinenbau, der Automobil- und der Gesundheitsindustrie genutzt. Mercedes-Benz Trucks zum Beispiel hat einen Service für im 3-D-Druck hergestellte Ersatzteile gestartet. In der Gesundheitsindustrie produziert der 3-D-Drucker in Verbindung mit Scannern maßgefertigte externe und interne Teile – von der Prothese bis zur Zahnkrone. Die neue Technik wird auch für die autonome Produktion in entlegenen Gebieten eingesetzt – dieser Service zur Herstellung wichtiger Ersatzteile ist sehr gefragt bei Bergbauunternehmen, Raumfahrtorganisationen und dem Militär.

Den 3-D-Druck gibt es seit den 80er Jahren. Die Umstände, die die weitere Verbreitung derzeit beschränken, sind laut Trendreport unter anderem fehlendes Management-Know-how, wirtschaftliche oder technische Probleme. Viele Drucker können nur ein Material verarbeiten und die Kosten für industrielle 3-D-Drucker seien immer noch hoch. Ungeklärt sind zudem noch Themen wie Garantie, Haftung und gewerbliche Schutz- und Urheberrechte.

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Über Tim Meinken 173 Artikel

Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.
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