DHL Start-up Cillox startet als digitale Spedition

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(Foto: DPDHL)

!! Cillox heißt jetzt Saloodo / DHL reagiert auf einstweilige Verfügung !!

Ein schneller Anhaltspunkt, was ein Landtransport kosten wird, sowie ein konkretes Sofortangebot sind zwei wesentliche Kernelemente des neuen digitalen Marktplatzes Cillox (Jetzt: Saloodo). Nach einem mehrmonatigen Testbetrieb ist das Start-up, das zum Deutsche-Post-/DHL-Konzern gehört, seit wenigen Wochen am Markt aktiv.

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Cillox ist dabei mehr als nur eine elektronische Plattform, Cillox (Jetzt: Saloodo) ist eine digitale Spedition, definiert Amadou Diallo, CEO des Start-ups und bei DHL auch nach seinem Wechsel von der Landverkehrs- in die See- und Luftfrachtsparte für dieses Projekt zuständig. Denn: Cillox bringt zwar wie traditionellen Frachtenbörsen Versender und Transportunternehmen zusammen, schließt dann aber auch die entsprechenden Verträge.

In der Praxis funktioniert Cillox (Jetzt: Saloodo) so

Ein registrierter Versender, das kann ein Verlader, aber auch ein Speditionsunternehmen sein, sucht für einen Transport per LKW einen Dienstleister. Er stellt diese Anfrage auf der Plattform ein. Das Standardzeitfenster für Transportangebote beträgt 90 Minuten, ist aber individuell einstellbar. Im gleichen Moment erhält der Laderaumsuchende eine Preisindikation basierend auf aktueller Marktlage, Sendungsdetails und Kapazitätsverfügbarkeit. Sie beruht auf jahrelang gesammelten Daten sowie einer ständig wachsenden Echtzeitdatenbank. „Gleichzeitig erhalten auch die Unternehmen, die sich für diesen Auftrag interessieren, eine realistische Spanne, welcher Preis für diesen Transport vermutlich zu erzielen ist“, erklärt Diallo.

Cillox, Smartphone
Sämtliche Schritte bei der Transportabwicklung sind transparent – bis hin zur Kommunikation mit dem Fahrer per Smartphone. (Foto: Cillox)

Weitere Besonderheit: DHL Freight unterbreitet bei jeder Transportanfrage ein Sofortangebot für den jeweiligen Auftrag. „Wir machen ein ganz schnelles Angebot für Kunden, die sofort buchen wollen.“ Gleichzeitig erhöht dies den Druck für andere Dienstleister, so zügig wie möglich zu bieten. Den angebotenen DHL-Preis sehen sie aber nicht. Diese direkte Wettbewerbssituation von DHL Freight zu anderen Transportunternehmen ist gewollt, „denn wir richten Cillox auf die Transportkunden, nicht auf die Dienstleister aus“.

Der Versender kann sich dann für eines der eingegangenen Angebote entscheiden. Er schließt mit Cillox den entsprechenden Speditionsauftrag, Cillox (Jetzt: Saloodo) mit dem Dienstleister den Transportauftrag. Der Auftrag selbst wird direkt zwischen Versender und Transportunternehmer abgewickelt. Daher sind sämtliche Schritte für den Auftraggeber transparent.

Selbst wenn der vorgesehene Unternehmer den Auftrag aus welchem Grund doch nicht erledigen kann, garantiert Cillox für eine Ausführung – „allerdings nur, wenn es keine unanständig niedrige Preisvereinbarung gibt“, wie Diallo einschränkt. Denn wer einen Unternehmer auswählt, der vielleicht zur Hälfte der Preisindikation fahren will, müsse auch das Risiko für eine tatsächliche Leistungserfüllung tragen.

Wie will Cillox (Jetzt: Saloodo) selbst Geld verdienen?

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Die Registrierung ist grundsätzlich kostenfrei – für Versender genauso wie für Transportunternehmen. Letztere werden auf ihre fachliche und finanzielle Zuverlässigkeit geprüft, die entsprechenden Nachweise elektronisch abgelegt. Das zum Konzern gehörende Landverkehrsunternehmen DHL Freight selbst ist auf beiden Seiten bei Cillox präsent, als Versender und als Frachtführer. Aber: „Wer bisher für uns gefahren ist, kann sich, muss sich aber nicht zwingend bei Cillox registrieren lassen“, stellt Diallo klar. Kosten entstehen durch sogenannte „Administration Fees“, die Cillox berechnet – entweder pro Auftrag bei kleineren Kunden oder über eine individuelle Vereinbarung bei größeren. „Letztlich zahlt der Versender für die Nutzung von Cillox nur dann, wenn er auch ein Transportangebot bucht“, stellt der CEO klar.

Zielgruppen sind vor allem die kleinen und mittelgroßen Verlader, die „bei den großen Spediteuren eher weniger auf dem Radar sind“. Diesen sollen über die Plattform ein einfacher Zugang zu umfangreichen Transportdienstleistungen und eine einfache Abwicklung ermöglicht werden. „Und wir versuchen, den Disponenten von Speditionen das Leben etwas einfacher zu machen.“

Zunächst bietet Cillox innerdeutsche Verkehre sowie Verkehre von Deutschland nach ganz Europa an. „Wir konzentrieren uns erst einmal darauf, dass die Qualität in Deutschland stimmt“, unterstreicht Diallo. Ab September will die Plattform zuerst weitere europäische Märkte erschließen.

Pilotkunden in der Testphase waren unter anderem DHL Freight sowie rund 600 Transportunternehmen. Seitdem das Portal freigeschaltet ist, hat sich die Teilnehmerzahl weit mehr als verdoppelt – davon etwa gleich viele reine Verlader sowie Spediteure und Transportunternehmen. Der Erfolg der Plattform hängt von der Masse der registrierten Unternehmen und der abwickelten Aufträge ab, weiß Diallo. „Je mehr Masse wir möglichst schnell generieren, desto mehr Nutzer werden wir haben – und desto mehr Aufträge.“ Bis Ende 2017 will er daher „ein paar Zehntausend Transportunternehmen registriert und einige Hunderttausend Verladungen abgewickelt haben“.

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