Die 7 Irrtümer der Digitalisierung

Vernetzung findet auf allen Ebenen über Unternehmensgrenzen hinweg statt. Plattformen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. (Foto: iStock)

Industrie 4.0 und Digitalisierung sind nicht nur bei großen Unternehmen strategische Schlagwörter, die mit komplexen Projekten und großen Investitionen verbunden sind. Der Mittelstand steht ebenso vor der Herausforderung, Prozesse mit Hilfe von Software abzubilden und Geschäftsmodelle fit für die Zukunft zu machen. Doch das Themenfeld Digitalisierung ist riesengroß, und manch Unternehmer findet nicht den richtigen Weg. Das kann vielfältige Gründe haben.

[clickToTweet tweet="„Wo beginnt #Digitalisierung ,welche Prozesse eignen sich, wie kann sie die Wertschöpfung verbessern?" " quote="„Wo soll die Digitalisierung beginnen, welche Prozesse eignen sich dafür, wie kann sie die Wertschöpfung verbessern?" " theme="style3"]

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sind einige grundlegende Fragen. Hinzu kommt die Sorge, viel Geld zu investieren, ohne eine Garantie zu haben, dass etwas Sinnvolles dabei herauskommt. Selbst wer den ersten Schritt getan hat und IT-Projekte für die Digitalisierung angeschoben hat, kommt nicht immer weit. Unterschiedliche Auffassungen über Ziele und Prioritäten können schnell zum Scheitern komplexer Projekte führen.

Unternehmen, die ihre Prozesse sinnvoll IT-seitig unterstützen wollen, müssen entsprechende Projekte akribisch planen und eine Reihe von Fallstricken beachten. Die DVZ hat drei Experten befragt, welches die größten Hürden sind, die es zu nehmen gilt, und wie Digitalisierungsprojekte zum Erfolg geführt werden: Olaf Zöftig, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Akquinet, Stefan Iskan, Iskan Advice und Professor an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein, sowie Matthias Parlings, Kompetenzzentrum für den Mittelstand und Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik.

[clickToTweet tw[clickToTweet tweet="1: Die Digitalisierung von Geschäftsprozessen erfordert Großprojekte." quote="1: Die Digitalisierung von Geschäftsprozessen erfordert Großprojekte." theme="style4"]alisierung kann auch im Kleinen stattfinden“, sagt Matthias Parlings. Oftmals seien kleine Schritte der Schlüssel zum Erfolg. „Die Digitalisierung beginnt mit dem Erfassen von Unternehmensdaten und ihrem sinnvollen Einsatz. Auch kleine kostengünstige und energiesparende Displays, Sensoren oder einfache Mensch-Maschine-Schnittstellen können Prozesse bereits optimieren und digitalisieren.“ Der Mittelstand müsse seine Abwehrhaltung gegenüber Industrie 4.0 ablegen, damit der mittelstandsgeprägte Wirtschaftsstandort Deutschland seine vorhandenen Potenziale nutzen kann.

[clickToTweet tweet=“2: Ei[clickToTweet tweet="2: Eine IT-Strategie ist immer kurzfristig anzulegen." quote="2: Eine IT-Strategie ist immer kurzfristig anzulegen." theme="style4"]IT-Strategie muss auf fünf bis sechs Jahre angelegt sein, damit sie sich rechnet“, betont Olaf Zöftig. Bei den immer kürzer werdenden technischen Innovationszyklen stellen sich dann allerdings die Fragen, wie die IT in einigen Jahren aussieht und welche Systeme und Plattformen es künftig geben wird „Es braucht fähige Entscheider, die dies heute mit Blick auf die Branche, das eigene Unternehmen und die Technologien einschätzen können.“ Mitunter sei es besser, noch ein Jahr zu warten, um die Lage sicherer bewerten zu können, und nicht jetzt auf die falsche IT-Lösung zu setzen.

[clickToTweet tweet=“3: Die Mitarbeite[clickToTweet tweet="3: Die Mitarbeiter stellen sich automatisch auf geänderte Prozesse ein." quote="3: Die Mitarbeiter stellen sich automatisch auf geänderte Prozesse ein." theme="style4"] an Prozesse und IT denken“, rät Prof. Stefan Iskan. „Entscheidend ist der Faktor Mensch und die Bereitschaft zur Veränderung. Change Management muss bereits vor Projektbeginn sauber geplant und aufgesetzt sein.“ Die Organisation müsse für die Notwendigkeit zur Veränderung schon vor der eigentlichen Projektarbeit sensibilisiert sein. Die Verantwortlichen sollen dafür lieber mehr Zeit im Voraus ansetzen, um während der Projektarbeit und in der nachgelagerten Roll-out-Phase nicht korrigieren zu müssen. So ließen sich mitunter Widerstände herausnehmen, der Zeitplan besser einhalten und das Budget schonen.

[clickToTweet tweet=“4: Das eigene System ist auch[clickToTweet tweet="4: Das eigene System ist auch für andere das beste." quote="4: Das eigene System ist auch für andere das beste." theme="style4"]eigene Unternehmen hinaus mit Lieferanten und Kunden nahtlos zu vernetzen“, nennt Olaf Zöftig einen zentralen Punkt von Digitalisierungsprojekten. Große Logistikunternehmen seien bestrebt, ihren zahlreichen Subkontraktoren ein leistungsfähiges, modernes und anwenderfreundliches IT-System anzubieten, das diese mit ihren Daten füllen. „Die Sicht des kleineren Subkontraktors ist aber eine andere“, weiß Zöftig. „Er möchte nicht für jeden seiner Großkunden ein anderes IT-System bedienen müssen. Also wird auch er versuchen, seinen Kunden ein eigenes System anzubieten.“ Bei diesem Findungsprozess besteht schnell die Gefahr, eine falsche Entscheidung zu treffen.

[clickToTweet tweet=“5: Eine neue Software wird automatisch de[clickToTweet tweet="5: Eine neue Software wird automatisch den Prozess verbessern." quote="5: Eine neue Software wird automatisch den Prozess verbessern." theme="style4"] das Know-how hinsichtlich neuer Technik, um die Unternehmensprozesse zu unterstützen. Das beobachtet Matthias Parlings. Die Durchgängigkeit der im Wertschöpfungsprozess erzeugten Daten erfordere die Vernetzung verschiedener IT-Systeme innerhalb eines Unternehmens. Dadurch können die betrieblichen Funktionsbereiche wie Beschaffung, Produktion und Vertrieb ihre Daten untereinander austauschen. „Mittelständlern fällt es gerade aufgrund knapper Ressourcen nicht leicht, die technologische Reife einer Lösung zu bewerten und den wirtschaftlichen Nutzen zu bestimmen. In einigen Unternehmen fehlt sogar noch die Anbindung an eine stabile Internetverbindung.“ Sind die IT-Systeme historisch gewachsen und wurden bedarfsgerecht angeschafft, gestaltet sich eine Verknüpfung oft schwer.

[clickToTweet tweet=“6: Alles rund um IT lässt sich problemlos auslagern.[clickToTweet tweet="6: Alles rund um IT lässt sich problemlos auslagern." quote="6: Alles rund um IT lässt sich problemlos auslagern." theme="style4"]en. Diesen Trend stellt Prof. Stefan Iskan fest. „Der Markt in Deutschland scheint wie leer gefegt zu sein. Ein gesunder Weg könnte sein, auf im Markt etablierte Standard- und Branchenlösungen zu setzen und diese im eigenen Unternehmen bedarfsgerecht zuzuschneiden.“ IT werde in Zeiten von Industrie 4.0/Logistik 4.0 zum Kernbereich von Logistikern. Iskan empfiehlt einen Mix an internen Kräften und externen Freelancern, auf die in speziellen Fragestellungen und bedarfsorientiert zurückgegriffen werden kann. Wenn Unternehmen allein auf externe Partner setzten, laufe bei jeder Prozessänderung die externe Programmieruhr, und das könne teuer werden.

[clickToTweet tweet=“7: Digitalisierung ändert nur Prozesse, das Geschäftsmodell ble[clickToTweet tweet="7: Digitalisierung ändert nur Prozesse, das Geschäftsmodell bleibt gleich." quote="7: Digitalisierung ändert nur Prozesse, das Geschäftsmodell bleibt gleich." theme="style4"]neue Wege zu wirtschaften, neue Wege der Produktion und des Service“, stellt Matthias Parlings fest. „Es gilt also, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und sich den neuen Bedingungen anzupassen.“ Mittelständlern fehle oftmals eine umfassende Strategie – ein geplantes mittel- bis langfristiges Vorgehen. So werden sich Unternehmen künftig zu Wertschöpfungsnetzwerken zusammenschließen oder über virtuelle Plattformen auf Daten zugreifen, die bedarfsgerecht und in Echtzeit angeboten werden. Dies ermöglicht zusätzliche Dienstleistungen. Mittelständler fürchteten Parlings zufolge den Einsatz von Clouds und digitalisierten Diensten. „Der Wandel wird kommen, deshalb muss jetzt ein Umdenken stattfinden. Der Mittelstand muss sich strategisch ausrichten.“

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