Die Angst der Logistiker vor Kollege Roboter

Roboter Kollege Shuttlesystem Lagerroboter Logistik
Logistikzentrum Weltbild für TGW Logistics Group GmbH am 15.04.2013 in Augsburg, Bayern, Deutschland, Europa. Foto: CC: Wikimedia/TGWmechanics

Zum Jahreswechsel überschrieb ein großes deutsches Onlinemedium seine Wirtschaftsprognose für 2018 mit der Headline „Wir werden fast alle arbeitslos!“. Jetzt hat der IT-Branchenverband Bitkom mit einer Studie nachgelegt: In den kommenden fünf Jahren sollen 3,4 Mio. Arbeitsplätze der Digitalisierung zum Opfer fallen. Eine Folge des Fortschreitens der Vierten Industriellen Revolution, kurz Industrie 4.0. Da ist es kein Wunder, dass viele Arbeitnehmer es mit der Angst zu tun bekommen – auch und gerade in der Intralogistik. Immerhin sind gerade hier Fahrerlose Transportsysteme und vollautomatische Lager tatsächlich auf dem Vormarsch.

Die Realität des Jahres 2018 ist indes eine andere: 44,3 Mio. Erwerbstätige in Deutschland verkündete die Bundesagentur für Arbeit jüngst – nie waren es mehr als heute. Ein Jobwunder! Seit dem Höchststand 2005 hat sich die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik halbiert. Es fehlt nicht mehr an Arbeit, stattdessen werden die arbeitenden Männer und Frauen knapp. Auch in der Logistik. Fahrer, ob für Gabelstapler oder LKW, werden händeringend gesucht und sind kaum noch zu finden. Überraschend, da doch der Trend zur Automatisierung derzeit besonders in den Logistikanlagen unübersehbar ist.

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Humanisierung der Arbeit

Doch hinter dem vermeintlichen Widerspruch versteckt sich in Wahrheit eine Kausalität. Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt vollzieht sich nicht trotz, sondern gerade auch wegen des zunehmenden Einzugs von Technik in den Arbeitsalltag. Denn tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und der voranschreitenden Automatisierung genau andersherum, als es uns die Fortschrittspessimisten weismachen wollen. Wohl nichts hat den Menschen so viel Wohlstand und neue Chancen geschenkt wie der Einzug von Technik in die Arbeitswelt. Mechanisierung und Automatisierung haben zur Humanisierung der Arbeit geführt. Lebenserwartung, Gesundheit und Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten konnten dadurch in einem Maße steigen wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Sinnvolle Substitution der Arbeit

Aufgabe der Maschinenbauindustrie ist es, durch ihre Produkte und Innovationen menschliche Arbeit zu optimieren, produktiver zu machen und – zugegeben – dort, wo es sinnvoll ist, auch zu substituieren. Die Intralogistik war und ist hier beispielhaft: Mit der Erfindung der Sackkarre konnte ein Arbeiter in einer Schicht mehr Güter transportieren, als vorher vier Arbeiter auf ihren Schultern tragen konnten. Die Erfindung des Handgabelhubwagens ermöglichte ein Vielfaches an Transportleistung gegenüber der Sackkarre. Weniger Arbeiter schafften mehr und das mit deutlich geringerer körperlicher Belastung.

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Noch größer war der Effizienzsprung mit der Erfindung des motorisierten Gabelstaplers. Mit dem Einzug Fahrerloser Transportsysteme in die Lagerhallen setzt sich dieser Trend nun fort. Jede dieser Innovationen und jede Verbesserung der Maschine führte dazu, dass mit weniger menschlicher Arbeit mehr Output erreicht wurde. Die Folge: beispiellose Prosperität und mehr Jobs. Das ist nur vordergründig paradox – in Wahrheit ist es sogar zwingend: Je höher die Produktivität, desto höher der Wohlstand und desto geringer die Arbeitslosigkeit. Wer daran zweifelt, möge gedanklich die Gegenprobe machen: Es erschließt sich auf den ersten Blick, dass der Verzicht auf den Einsatz aller mechanischen Flurförderzeuge in den Lagern und Fabriken dieser Welt nicht etwa zu einer steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften führen würde, sondern im Gegenteil zum sofortigen Zusammenbruch unserer Wirtschaft.

Die Einführung vollautomatisierter, fahrerloser Stapler als nächste Innovationsstufe im Lager ist deshalb nicht nur folgerichtig, sondern ein notwendiger Schritt, um Beschäftigung und Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten zu sichern. Inzwischen wird der Mitarbeitermangel für viele Unternehmen zu einem existenziellen Problem und damit zu einer wirklichen Gefahr für viele Arbeitnehmer.

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Hand in Hand mit der Maschine

Das alles zu einer Zeit, in der erst die Vorboten des demografischen Wandels zu spüren sind. Deshalb kommt Deutschland, wollen wir Wirtschaftskraft und Wohlstand bei sich kontinuierlich verkleinernden Anzahl an Arbeitnehmern erhalten, nicht um die Automatisierung von Abläufen in der Wirtschaft herum. Der Mensch wird künftig noch mehr als heute „Hand in Hand“ mit Maschinen arbeiten müssen. Genau darin allerdings liegt auch die Chance für eine bessere, humanere Arbeitswelt. (Klaus-Dieter Rosenbach)

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Über Tim Meinken 288 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

1 Kommentar

  1. 4.0 ist eine Revolution, die nicht nur die Logistik verändern wird. Sondern hier müssen die Staaten sich mit revolutionieren und zwar von Grund auf, ganz so wie es der Red Bull Gründer schon beim Volksentscheid in der Schweiz zum Thema Einheitslohn gesagt hatte. Wir müssen alles neu aufsetzten. Das wird eine neue Gesellschaft werden müssen, weil die alten jetzt vorhanden Systeme Vorstellungen und Werte in der 4.0 Welt nicht mehr funktionieren werden. Auch das Wort „Arbeitsplatz“ ist dann veraltet. Es wäre eher sinnvolle Beschäftigungszeit für Bürger eines Staates. Das ist auch mit einer der Gründe, warum es in Ländern mit kommunistisch geprägter Kultur, viel schneller voran geht, weil in dieser Welt Egos und persönliche Bereicherungen unter dem Gemeinwohl untergeordnet sind.

    Vollautomatische Prozesse und Maschinen „sind hier nur ein kleiner Anfang“. Hier ist vor allem auch der Staat gefragt, das optimum für seine Bürger zu erreichen, wenn er das nicht tut, werden die Firmen die Welt beherschen und kontrolieren und
    die Regeln für die Gesellschaften generieren, weil eigentlich braucht man dafür auch keinen Staat mehr. Die Macht haben dann die Stromversorger und die Serverbetreiber. Weil wenn die dann mal keine Lust haben, können Sie einfach alles Lahm legen, von jetzt auf gleich für unbegrenzte Zeit.

    Die Arbeitslosenquote wird in diesem Zeitalter dann niemand mehr kennen. Braucht man auch gar nicht mehr. Es bleiben nur noch die zwischenmenschliche Bedürfnisse übrig, die Menschen dann selbst erledigen. Man braucht auch keine Firmen mehr da, wenn die Prozesse laufen gibt es keine Konkurrenz oder Wettbewerb mehr ist völlig unproduktiv wechseln braucht man dann auch nicht würde nur stören lediglich modernisieren.

    Deutschland zögert zu lange, wenn man sowas macht, dann jetzt und gleich und dann alle zusammmen mit geeinten Kräften,
    da ist dann kein Platz für Marktanteile und eigene Interessen von Firmen und Menschen. Wenn wir das wollen sind wir alle in einer Firma die entweder Bundesrepublik Deutschland heisst oder Vereinigte Staaten von Europa. Und dann schaffen wir das auch, wir haben das Wissen, wie haben die Kapazitäten und die Interligenz, das selbst zu schaffen bevor es die anderen machen, aber es geht nur gemeinsam unter einem Dach unter einheitlichen Bedingungen ohne Ausnahmen. Individualismus
    ist dann hinderlich und unproduktiv. Wenn man diesen Weg geht, kann man nicht mehr zurück also gehen wir Ihn jetzt gemeinsam und gestalten unseren eigenen Weg oder wir machen nix, dann müssen wir dann den Weg gehen, den „Google“, „Amazon“ oder wer auch immer dann die Nase vorn hat gehen wird. Darauf zu hoffen, das man mit Fördergeldern Unternehmer findet, die diesen Vorsprung noch einholen können, ist ein totaler Irrglaube, zumal die sofort aufgekauft werden würden und einverleibt werden, sobald der Erfolg ersichtlich wäre um die Kontrolle zu behalten.

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