Die Revolution der Newcomer

Rainmaking Loft in Berlin: Für Newcomer und Gründer ist die Transport- und Logistikbranche ein vielversprechendes Wirtschaftssegment. (Foto: Rainmaking Loft)
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Zwischen meist alten, aber edlen Autos in der Classic Remise in Berlin haben die Absolventen des Start-up-Bootcamps Transportation & Energy ihre neuen Geschäftsideen Mentoren, Industriepartnern und vor allem Investoren präsentiert. Zehn Gründerteams hatten sich im Juli bei den sogenannten Selection Days durchgesetzt und anschließend das Programm durchlaufen.

Wie viele Start-ups die Transport- und Logistikbranche für sich entdeckt haben, verdeutlicht indes eine andere Zahl, die Programmchefin Tanja Kufner nannte. 276 Bewerber haben sich in diesem Jahr für das Bootcamp beworben, das zum dritten Mal stattfand. Die zehn Newcomer, die ihre Geschäftsmodelle nun präsentieren durften, seinen ein Beleg „für die Revolution, die wir in der Transportbranche beobachten“, so Kufner.

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Die Experten von Pricewaterhousecoopers (PWC) haben Start-ups in ihrer aktuellen Analyse „Shifting Patterns“ denn auch als einen der wesentlichen Faktoren für den Wandel in der Branche ausgemacht. Plattformtechnologien haben demnach neue Geschäftsmodelle etabliert. Dabei werden beispielsweise Informationen wie Frachtraten allgemein sichtbar gemacht und damit auch geteilt.

Online-Speditionen gibt es einige

Entsprechende Start-ups haben sich in der Vergangenheit auch beim Start-up-Bootcamp durchgesetzt. So präsentierten im vergangenen Jahr beim Demo Day die Online-Spedition Shipwise oder auch das ähnlich einer Frachtenbörse arbeitende Unternehmen Truckin ihre Ideen.

Beim diesjährigen Präsentationstag wurde indes deutlich, dass bei den Logistik-Start-ups bereits eine Weiterentwicklung festzustellen ist. Ein Beispielunternehmen für ein klassisches Start-up ist Daanuu. Der belgische Newcomer bietet über eine Cloudplattform die Möglichkeit, die Routen von Mitarbeitern in der Zustellung zu optimieren. Den Kunden können darüber verlässliche Zeitfenster für die Anlieferung genannt werden. Dieses Start-up bewegt sich damit im klassischen Bereich der letzten Meile, wobei die Gründer, wie sie selbst sagen, sehr schnell gemerkt haben, dass sie ihr Geschäftsmodell deulich breiter aufstellen müssen als ursprünglich geplant. „Eigentlich hieß unsere Idee Bike Mike und zielte ausschließlich auf Fahrradkuriere ab“, so Gründer und CEO Sascha Thömmes gegenüber der DVZ.

Um Drohnen geht es bei Dronegrid. Das Team um CEO Vishal Punamiya, der viele Jahre lang bei Panalpina und DHL gearbeitet hat, will die Flugobjekte automatisiert fliegen lassen. Diese können so zur Überwachung in der Landwirtschaft, aber auch bei großen Infrastrukturprojekten und in der Logistik eingesetzt werden.

Indoor-Positioning ist im Kommen

Als „die nächste große Sache“ bezeichnet Görkem Erinc, Mitgründer bei Indoora, das Thema „Indoor-Positioning“. Mit ihrer Lösung ermöglichen es die Newcomer aus der Türkei Unternehmen, innerhalb von sehr großen Gebäuden wie Messehallen, Lagerhäusern oder auch Flughäfen zu navigieren. Nicht umsonst hat sich Indoora schon bei einer Ausschreibung für eine entsprechende Anwendung am neuen Megaflughafen in Istanbul beteiligt.

Diese Beispiele zeigen einen weiteren Trend bei den Start-ups in der Logistik auf. B2C verliert an Bedeutung, B2B-Anwendungen werden wichtiger. Das hat auch Janko Milunovic beobachtet. Er ist der oberste Scout beim Start-up-Bootcamp. Ihm ist aufgefallen, dass viele der Gründer bei ihren Geschäftsideen schon weiter seien, als es in den ersten Runden des Bootcamps der Fall war. Zudem stehe das Thema Optimierung innerhalb der Logistik hoch im Kurs.

Klar auf das B2B-Geschäft ausgerichtet ist auch Autobahn. Das Start-up von Ivo Malm und Martin Piirmaa bietet zwar auch eine Online-Plattform. Bei dieser geht es aber nicht um den Endkunden, sondern um die wichtigste Branche in Deutschland überhaupt: die Automobilindustrie. Die beiden Gründer bieten einen Überblick über den gesamten Zyklus der Autobestellung bis hin zu dessen Auslieferung. „Wir digitalisieren die Automobilindustrie“, kündigen sie selbstbewusst an

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