Die Vernetzung aller Geschäftsbereiche ist ein Erfolgsfaktor

Augmented Reality, Simulation
(Foto: Deutsche Messe)

Eine Software zur Ressourcenplanung eines Unternehmens ist die Basis für die Digitalisierung von Prozessen. In der Regel wird dafür ein ERP-System verwendet (Enterprise Resource Plan­ning). Es kann viele Betriebsdaten zentral verwalten und ermöglicht den Zugriff durch unterschiedliche Abteilungen. „Wenn ERP im Unternehmen Realität ist, können die nächsten Schritte in Richtung Industrie 4.0 und Digitalisierung relativ einfach gegangen werden“, sagt Gunter Strickert­, langjähriger ERP-Trainer und Softwareexperte. Das gelte auch für kleine und mittelständische Firmen. Strickert referierte diese Woche auf der Cebit in Hannover.

Zu diesen Schritten gehört die weitgehende Digitalisierung aller Unternehmensdaten sowie eine durchgängige Kommunikation vom Ort der Datenentstehung – beispielsweise Scanner oder Sensoren – bis in die Cloud. In Produktion und Logistik kann eine Teileverfolgung auf Basis der Radiofrequenzidentifikation die Prozesse steuern und Echtzeitsimulation ermöglichen.

Wichtig für Produktionsunternehmen sei es zu wissen, wo sich Teile oder Komponenten befinden, betonte Strickert. Um diese Identifizierung zu jeder Zeit zu gewährleisten, müssen die Logistikdienstleister die entsprechenden Daten erheben und zur Verfügung stellen. „Letztendlich geht es darum, alle Prozesse und alle Beteiligten miteinander zu vernetzen.“ Das wiederum ermöglicht dann ein umfangreiches Monitoring, Qualitätssicherung und Produktivitätsüberprüfung mittels Kennzahlen – immer und überall.

Mangel an Mitarbeitern für Vernetzungs-Projekte

Auf der Computermesse in Hannover dreht sich alles um digitale Wirtschaft und Vernetzung. Die Bereiche Software, Hardware, Produktion, Materialfluss, Transport, Logistik und Services verschmelzen immer mehr. Die Klammer dabei ist die Informations- und Kommunikationstechnik. Allerdings mangelt es bei den Logistikdienstleistern an qualifizierten Mitarbeitern, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Zu dieser Einschätzung kommt eine Umfrage der HSH Nordbank unter 22 Top-Entscheidern deutscher Logistikunternehmen­.

Ferner sieht das Bankhaus in Bezug auf die Finanzierung von Industrie- und Logistik-4.0-Projekten Aufklärungsbedarf hinsichtlich öffentlicher Förderprogramme und Bankenkredite – ein Aspekt ganz im Eigeninteresse der HSH Nordbank. Ein Großteil der Befragten schätze die notwendige Investition für die digitale Transformation von Prozessen auf mindestens 2,5 Prozent der jährlichen Gesamtkosten.

Zugleich steigt der Wettbewerbsdruck. Denn es drängen immer mehr Start-ups auf den Markt, die aufgrund ihrer von vornherein digital ausgerichteten Geschäftsmodelle „bisherige Logistikdienstleistungen schneller, kostengünstiger und kundenorientierter abwickeln können“, so die Beobachtung der HSH. Die Konkurrenz durch neue Marktplayer werde sich in den kommenden Jahren für die etablierten Branchenteilnehmer verschärfen. „Unternehmen sind deshalb gut beraten, möglichst frühzeitig in digitale Prozesse zu investieren, um langfristig im internationalen Wettbewerb bestehen zu können“, sagt Kai-Uwe Höhs, Kundenberater Logistik. Logistiker, die zu spät auf die Digitalisierung setzten, würden bis 2025 vom Markt verschwinden. Die anderen könnten von einem überdurchschnittlichen Wachstum profitieren.

Wegbereiter für die digitale Transformation und die Vernetzung von Prozessen über Unternehmensgrenzen hinaus ist das Internet der Dinge. Wesentliche Aspekte dabei sind, dass sich Prozesse selbst steuern und Kunden neue Services und Produkte angeboten werden können. Das Marktanalyseunternehmen IDC schätzt, dass die Zahl vernetzter Gegenstände von derzeit 12,1 Mrd. bis 2020 auf weltweit 30,3 Mrd. steigen wird.

Viele Firmen sind in der Planungsphase

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Bei der Vernetzung von Produkten, Maschinen und anderen Objekten liegen Großunternehmen vor dem Mittelstand, hat eine Umfrage von IDC ergeben. Sie verfügen oftmals über die notwendigen Ressourcen – sei es finanziell oder personell –, um innovative Themen im Unternehmen voranzutreiben. „Sie wollen zudem vermeiden, dass sie von Digitalisierungsvorreitern in ihrer Branche überrascht und überholt werden“, heißt es in dem IDC-Bericht.

Der Großteil der Unternehmen in Deutschland befinde sich noch in der Planungs- und Evaluierungsphase. Somit gilt für die Mehrheit der Organisationen in den kommenden Monaten, die Vorhaben zu konkretisieren, eine Roadmap aufzustellen und Ideen in Projekte umzusetzen. Dies sollten Unternehmen ohne Verzug tun, empfehlen die IDC-Marktanalysten, wenn sie nicht im Wettbewerb überholt oder von der technischen Entwicklung abgehängt werden wollen.

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