Digitalisierung ist ein Megathema

Mit der Digitalisierung wird die deutsche Hafenwirtschaft wettbewerbsfähig bleiben. Diese Überzeugung vertrat Uwe Beckmeyer, Maritimer Koordinator beim Bundeswirtschaftsministerium, als er das Branchenforum zur maritimen Konferenz eröffnete. „Das ist für unsere Wirtschaft ein Megathema“, sagte Beckmeyer am vergangenen Freitag in Berlin. Zum Auftakt des Treffens mit rund 300 Teilnehmern startete Beckmeyer eine interaktive Landkarte zur maritimen Forschung in Deutschland. Sie zeigt, an welchen Orten geforscht wird.

Deutlich wurde während der Diskussionen beim Branchenforum, dass die Digitalisierung ein Querschnittsthema ist, mit dem sich mehrere Bundesressorts beschäftigen. Das Bundesverkehrsministerium (BMVI), das für den Ausbau der digitalen Infrastruktur zuständig ist, hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschland zum ersten Land zu machen, in dem der neue Mobilfunkstandard 5G flächendeckend eingesetzt werden kann. Damit lässt sich die Datenübertragung in Echtzeit realisieren.

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Probleme gibt es nach wie vor mit großen Datenmengen, der Vernetzung mit Schiffen auf hoher See sowie Datensicherheit und -schutz. Wichtig für die maritimen Unternehmen sei, was die Digitalisierung ihnen bringe, sagte Henning Banthien, Leiter der Geschäftsstelle der Plattform Industrie 4.0. Der Hamburger Hafen geht mit gutem Beispiel voran. Seit dem 30.11.2016 müssen sich LKW-Fahrer, die den Hafen beliefern, elektronisch voranmelden. Das klappt Jens Meyer von der Hamburg Port Authority zufolge zu 100 Prozent. Von Mitte 2017 an sollen sich die LKW elektronisch Termine besorgen.

Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, betonte, dass der Staat die maritime Wirtschaft unterstütze, wo er nur könne. So verzichte er auf Steuern, um die Branche nach vorn zu bringen. Er nimmt aber auch die Wirtschaft in die Pflicht zu investieren. Allerdings sieht er auch, dass es sich manchmal nicht lohne. Ulrich Wrage, Vorstand der Dakosy Datenkommunikationssysteme, nennt ein Beispiel. Die Lotsenbrüderschaft habe sich kürzlich beschwert, weil sie in größerer Entfernung von der Küste nicht mehr über Mobilfunk kommunizieren könne, sondern auf UKW schalten müsse. Die Kommunikation sei dann nicht mehr geschützt.

Ferlemann ist der Ansicht, dass man mit der Entwicklung der Digitalisierung vorsichtig umgehen müsse und nicht dieselben Fehler machen dürfe wie die Bahn. Nachdem sie angekündigt habe, in zehn Jahren nur noch autonom fahren zu wollen und keine Lokführer mehr zu brauchen, interessiere sich jetzt kaum noch jemand für den Beruf. „Wir dürfen den Menschen keine Angst machen“, sagte Ferlemann.

Um das Personal sorgt sich auch Torben Seebold von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Die Auswirkungen auf die Menschen kommen viel zu kurz“, hob er hervor. Die Digitalisierung sei schon jetzt ein Jobkiller. Die Beschäftigung deutscher Seeleute gehe immer weiter zurück, und immer mehr deutsche Reeder flaggten ihre Schiffe um. „Acht von zehn Absolventen der maritimen Studiengänge gehen nach dem Studium andere Wege“, warnte Seebold.

Achim Wehrmann, Unterabteilungsleiter Schifffahrt im BMVI, entgegnete, dass in Zukunft hoch qualifizierte Seeleute gebraucht würden. Angesichts der seit Jahren andauernden Schifffahrtskrise sieht Nils Aden, CEO der E.R. Schiffahrt, einen Ausweg im Management von Schiffen mit ausländischem Eigentümer. Damit sichere seine Reederei Arbeitsplätze in Deutschland.

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