DPD erfindet sich neu

(DVZ-Illustration: Andreas Voltmer)

von Boris Winkelmann ist CEO von DPD Deutschland.

Der B2C-Paketmarkt boomt und hat das gemächlich wachsende B2B-Segment längst überholt. Wer also seine Marktposition behalten möchte, darf sich nicht allein auf B2B konzentrieren. DPD hat sich daher in den vergangenen Jahren neu erfunden und ist inzwischen voll und ganz im anspruchsvollen Geschäft mit den Endkunden angekommen.

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Im Jahr 2015 verzeichnete das B2C-Segment im deutschen Paketmarkt ein Plus von 10,1 Prozent. Hintergrund des Wachstums ist vor allem der Boom im Online-Shopping. Dieser Trend wird sich fortsetzen. So erwarten etwa die Marktforscher von Forrester bis 2018 ein durchschnittliches Wachstum von jährlich 11,7 Prozent. Hinzu kommt: Durch Verkaufswege wie den Direktvertrieb und Omnichannel-Konzepte gibt es immer weniger reine B2B-Kunden. Die Grenzen zwischen den Märkten verschwimmen mehr und mehr.

Bei DPD, in früheren Jahren nur als Marktführer im B2B-Paketversand bekannt, betrachten wir das B2C-Segment daher längst als gleichberechtigtes Standbein. Mehr als jedes dritte Paket geht heute an einen privaten Empfänger, wir wachsen dank unseres erweiterten Geschäftsmodells so dynamisch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Doch wie gelingt der Wandel vom reinen B2B-Spezialisten zum ambitionierten B2C-Player?

Für uns war klar: Wer als Herausforderer in den B2C-Markt einsteigen will, muss ein eigenes Profil entwickeln. Ein Wachstum über den günstigsten Preis kam angesichts knapper Margen nie infrage. Stattdessen setzen wir bei unserer Transformation zum B2C-Experten auf einen Premium-Ansatz: Konsequent wie kein anderer wollten wir Prozesse, Produkte und Services an den Bedürfnissen der Online-Shopper ausrichten.

Unser Zauberwort heißt dabei Digitalisierung. Eine durchgehende Digitalisierung unserer Prozesse ermöglichte Angebote, die es bis dato noch nicht gab. Im Bereich B2C-Paketzustellung ist dies vor allem eine größtmögliche Flexibilität in Bezug auf den Endkunden. Denn Online-Einkäufe sind inzwischen bequemer Alltag – auch die Lieferung der online bestellten Waren muss sich bruchlos in die Lebensgewohnheiten der Käufer einfügen. Zusteller nehmen immer mehr die Schlüsselrolle beim Einkaufserlebnis ein, schließlich ist für den Endkunden ein erfolgreiches Liefererlebnis der greifbarste Part beim Online-Shopping.

Großer Schub durch Digitalisierung

Menschen sind heute mobiler, flexibler und spontaner in ihrer Zeitgestaltung und wünschen eine ebensolche Handhabung ihrer Lieferung. Sie sind Smartphone- und Tablet-Apps gewöhnt und wollen bei Funktionalität und Usability keine Abstriche machen. Konkret: Die Empfänger erwarten eine Zustellprognose mit möglichst exaktem Zeitpunkt, an dem der Paketbote an ihrer Tür klingelt. Ihnen reicht ein mehrstündiges Zeitfenster nicht mehr aus – bis auf 30 Minuten genau werden die Zustellungen inzwischen per Push-Nachricht auf dem Smartphone angekündigt.

Per Live-Tracking lässt sich heute in Echtzeit auf einer Kartendarstellung verfolgen, an welchem Punkt sich das eigene Paket befindet und wie viele Stationen noch zwischen dem aktuellen Stopp des Zustellers und der eigenen Adresse liegen. Noch bis kurz vor der geplanten Zustellung können Empfänger ihr Paket umleiten, beispielsweise vom Wohnort zum Arbeitsplatz. So können sie die Zustellung nahtlos in ihren eigenen Lebensalltag integrieren.

Bei aller Begeisterung für die digitalen Möglichkeiten: Jede Transformation eines Unternehmens muss scheitern, wenn die eigenen Mitarbeiter den neu eingeschlagenen Weg nicht mit voller Kraft mitgehen. Vom Niederlassungsleiter bis zum Zusteller muss jeder wissen, warum der B2C-Markt für das Unternehmen wichtig ist und was dabei zählt. Solche Veränderungsprozesse erfordern enorm viel Kommunikation. Daher gehe ich mit dem gesamten Top-Management regelmäßig auf interne Roadshows. Vor Ort an unseren 76 Standorten lassen sich die Ziele und Wege am besten erklären und persönliche Fragen direkt beantworten. Denn digitale Flexibilisierung ist nichts ohne engagierte Mitarbeiter, die unseren innovationsbetonten Ansatz tagtäglich in die Tat umsetzen.

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