Duisburg vernetzt sich weiter

(Foto: Chengdu Association for Cultural Exchanges)

Railports für Intermodal- oder Hinterland-Hubs für Containerverkehre mit den Seehäfen kommen an vielen Orten der Welt zunehmend in Mode. Als Spezialist mit Kompetenz für multimodale Konzepte ist die Duisburger Hafen AG (duisport) bei zahlreichen Projekten engagiert. In der Türkei schreite beispielsweise der Bau des bimodalen Terminals bei Gebze voran, sagt duisport-Vorstandsvorsitzender Erich Staake der DVZ. „Die türkische Bahn hat den Anschluss auf das Gelände in der Nähe von Istanbul gelegt.“ Das im November 2015 vereinbarte gemeinschaftliche Projekt mit dem türkischen Logistikunternehmen Arkas Holding S.A. konzentriert sich auf die Entwicklung und den Betrieb einer über 200 000 m2 großen multimodalen Logistikfläche. Die Investitionssummen liegen im hohen zweistelligen Millionenbereich.

Der Duisburger Hafen verfügt heute bereits über 15 Zugverbindungen pro Woche zu verschiedenen Destinationen in der Türkei. Durch die Nutzung des Marmaray-Tunnels in Istanbul für den Güterverkehr wird Gebze zu einem Gateway-Terminal für Istanbul und die gesamte Region. „Die Türkei ist einer der zentralen Wachstumsmärkte für industrielle und logistische Wertschöpfung“, erläutert Staake. „Mit der Arkas Gruppe haben wir einen starken international agierenden Partner an unserer Seite, der unser Netzwerk ideal ergänzt.“ Arkas und duisport wollen noch weitere multimodale Logistikflächen an den Hauptverkehrsachsen in der Türkei entwickeln.

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Auch in Weißrussland stehen die Signale auf Grün. In der Nähe von Minsk wird ein Industriepark gebaut. Duisport soll das Logistikzentrum daneben entwickeln. Hier geht es nicht um die Konversion vorhandener Areale, sondern freie Fläche, die für logistische Belange vorbereitet werden soll. „Unsere Aufgabe ist es, Infrastrukturinvestitionen richtig einzusetzen. Man traut uns da offensichtlich eine Menge zu, ich vermute, Weißrussland möchte auch stärker mit Europa ins Geschäft kommen“, schätzt Staake. Selbst eine eigene Dependance des Duisburger Hafens schließt Staake für die Dauer des Projekts nicht aus. Mittelfristig könnte Minsk zum Einfallstor für Asienverkehre per Bahn werden, die China mit Duisburg verbinden.

Das Engagement in Minsk verdanken die Hafenentwickler vom Rhein übrigens den seit 2011 bestehenden China-Kontakten. Im November dieses Jahres hat eine Hafendelegation aus Duisburg mit China Merchants Logistics Holdings (CML) eine strategische und projektbezogene Zusammenarbeit vereinbart. CML ist die Logistikdivision der China Merchants Group (CMG), die viele Auslandsprojekte anschiebt, wie etwa auch in Minsk.

2011 fuhr der erste Zug von Chongqing nach Duisburg. Heute sind es 20 Züge pro Woche, aus Destinationen wie Shenyang, Peking, Wuhan, Yiwu und Chengdu. 100.000 Teu beträgt das Aufkommen jährlich. Diese Verkehre entlang der neuen Seidenstraße will duisport weiter ausbauen. „Treiber für weitere Züge ist der E-Commerce“, sagt Staake. „Es macht schon einen Unterschied, ob die Laufzeit per Bahn beispielsweise bis Chongqing 12 Tage dauert oder 40 bis 45 Tage per Seefracht.“

Neben der besseren Anbindung an die Märkte in Westeuropa möchte China durch die Seidenstraßen-Initiative auch seine Provinzen in Zentralchina und im Westen des Landes wirtschaftlich entwickeln. Diesem Zweck dient ein zweites Abkommen mit der Chengdu International Railway Port Investment Co. (CDIRPI). Staake ist sich sicher, dass dies zu einem erheblichen Zuwachs im Güterverkehr nach Europa direkt über Duisburg führen wird.

Ein weiterer Markt, um den sich duisport intensiver kümmert, ist Indien. Der Betreiber der größten Free Trade Zones möchte Rail- und Dryports bauen. Integrierte Konzepte sollen in Delhi und Mumbai realisiert werden, so Staake. Auch den Iran schaue man sich an. Der Duisburger Hafenchef schränkt aber ein, dass man sich trotz vielversprechender Projekte auch nicht überheben darf.

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