E-Fahrzeuge gut schützen

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Foto: Istock [M]

Die Bundesregierung unterstützt die Elektromobilität mit dem Ziel, die Umwelt weniger zu belasten. „Wenn es darum geht, unsere Mobilität umweltfreundlich zu gestalten und die Klimaschutzziele zu erreichen, dann ist die Elektromobilität eine Schlüsseltechnologie“, sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Seit dem Jahr 2009 hat der Bund Fördermittel in Höhe von rund 5 Mrd. EUR bereitgestellt. Am 1. Januar 2018 gab es in Deutschland 53.861 Elektroautos, und deren Zahl steigt weiter. Mit Fördermitteln und Programmen schafft die Bundesregierung zusätzliche Reize für Transport- und Logistikunternehmen, um sich Elektrofahrzeuge anzuschaffen.

Darauf hat auch die Versicherungswirtschaft reagiert und bietet entsprechende Tarife an, die sich jedoch in einigen Fällen nicht großartig von jenen für herkömmliche Fahrzeuge unterscheiden. „Elektroautos sind ganz normale Fahrzeuge“, sagt ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Ob Benziner, Diesel- oder Elektroantrieb, sei aus Sicht der Versicherer egal. Bei der Einstufung in Typklassen behandelt der GDV Elektroautos wie andere Fahrzeuge. Sie sind damit etwa auf gleichem Niveau.

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Bislang haben es die Versicherer bei E-Autos meist mit kleineren Unfällen zu tun. „Ist allerdings die Batterie bei einem Unfall betroffen, wird es teuer: Das Fahrzeug hat dann üblicherweise einen Totalschaden“, fügt er hinzu. Der GDV appelliert daher an die Autohersteller, teure Bauteile nicht an Stellen zu positionieren, die bei Unfällen häufig beschädigt werden.

Risiken prüfen

Andere wichtige Komponenten an E-Fahrzeugen wie Akkus und Ladekabel können mitversichert werden. Auch Überspannungsschäden sind in einigen Policen eingeschlossen. Hier komme es laut GDV aber auf den individuellen Vertrag an. Eine Empfehlung, welche Risiken versichert werden sollen, gibt der Verband nicht. Doch es gibt verschiedene Gefahren: So müssen sich Flottenbetreiber entscheiden, ob sie Risiken wie Feuer, Abschleppen oder die Entsorgung der Batterie mit in den Versicherungsschutz aufnehmen wollen. Hinzu kommt die Entscheidung für eine Teil- oder Vollkaskoversicherung, was normalerweise von den Risiken abhängt, die der Halter versichern möchte.

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Wie teuer letztlich der Versicherungsschutz wird, hängt zu einem großen Teil vom eigenen Schadenverlauf ab. Dieser sei beispielsweise für Axa ausschlaggebend. „Uns ist egal, ob das Fahrzeug einen Verbrennungs- oder E-Motor hat“, erläutert Henrik Seager, Leiter des Bereichs Kraftfahrtflotte bei Axa. Das Versicherungsunternehmen unterteilt die zu versichernden Fahrzeuge nach Wagniskennziffern. Hier sind die Zahl der versicherten Fahrzeuge sowie der Schadenverlauf verzeichnet, wonach die Versicherung tarifiert wird. „Der Kunde kann dann noch entscheiden, ob er Teil- oder Vollkasko haben möchte und mit welcher Selbstbeteiligung. Pflicht sind sie jedoch nicht“, fügt er hinzu. Mitversichert sind dann auch Teile wie Akkus oder das Ladekabel.

Versicherer unterstützen E-Mobilität

Teile, die nicht mit dem Fahrzeug verbunden sind, wie die Ladevorrichtung in Form einer Wandladestation (Wallbox), die im oder am Haus des Kunden installiert ist, fallen nicht unter die Fahrzeugversicherung. „Beim Abschleppen kann die Technik von E-Fahrzeugen Schaden nehmen, daher müssen hier vor allem die Abschleppdienste vorsichtig sein“, ergänzt Knut Schubert, Produktmanager bei Axa. Das sei aber nichts, was beim Versicherungsunternehmen zu Mehrkosten führen würde. Prinzipiell macht Axa auch bei den Kosten keinen Unterschied. „Da wir aber die E-Mobilität fördern wollen, gewähren wir seit vergangenem Jahr für E-Fahrzeuge einen Abschlag von 10 Prozent“, sagt er.

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R+V und Kravag-Logistic haben einen erweiterten Versicherungsschutz für Elektro- und Hybrid-Lieferfahrzeuge im Portfolio. „Die neuen Leistungen bieten Unternehmern mit E-Transportern einen verbesserten Versicherungsschutz“, sagt Rechtsanwalt Axel Salzmann, Leiter Kompetenzzentrum für das Straßenverkehrsgewerbe und Logistik bei der Versicherungsgruppe.

Beide Versicherungen wollen damit die Verkehrswende zu einer CO2-neutralen Logistik unterstützen. „Ob gekauft oder geleast: In der Kaskoversicherung ist der Akku immer mitversichert“, fügt Salzmann hinzu. Denn die Batterien sind oft das teuerste Fahrzeugteil und machen schnell bis zu 50 Prozent des Neuwertes aus. Der Versicherer erstattet dazu im ersten Jahr bei Totalschaden, Zerstörung oder Verlust den Neupreis des Akkumulators.

Mit im Versicherungsschutz enthalten sind außerdem das Ladekabel, das mobile Ladegerät, einschließlich dazugehörige Adapter bis 1.000 EUR, die fest mit dem Gebäude verbundene Wallbox bis maximal 1.000 EUR und die Entsorgungskosten der Akkumulatoren bis zu 2.000 EUR. Hinzu kommen weitere mitversicherte Teile wie Lichtmaschine, Anlasser oder Akkus bis zu 3.000 EUR. Ereignisse wie Brand, Kurzschlussschäden an der Verkabelung und daraus resultierende Überspannungsschäden an den zusätzlichen Teilen müssen jedoch im Umfang enthalten sein.

Lastenräder versicherbar

Auch elektrisch angetriebene Lastenräder kommen zunehmend bei Lieferdiensten und Kep-Dienstleistern zum Einsatz. E-Cargobikes sind vor allem für den Einsatz auf der letzten Meile in Innenstädten gut geeignet. Sie sind schnell, wendig, günstig und umweltfreundlich. Ein Versicherungsschutz ist bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h erst einmal nicht notwendig. Sind die Bikes schneller als 25 km/h, muss es ein Versicherungskennzeichen haben, wie es bei Mopeds Pflicht ist. „Wir haben diese E-Bikes in unseren Mopedtarif aufgenommen, sie sind damit haftpflicht- und teilkaskoversicherbar“, erläutert Axa-Mann Schubert. Eine Vollkaskoversicherung bietet Axa in dem Bereich nicht an, denn im Moment gebe es noch keinen wirklichen Bedarf. „Wir werden beobachten, wie sich der Markt entwickelt“, sagt er. Eventuell werde das Produkt für E-Cargobikes angepasst.

Teure Unfälle

Kravag hingegen bietet bereits Versicherungslösungen für E-Lastenräder an. „Ausgerechnet das E-Lasten-Bikes, das am meisten von Kep-Diensten eingesetzt wird, ist nicht versicherungspflichtig“, erläutert Salzmann. Dabei kann dieses bis zu 300 kg Ladung aufnehmen.

Wird ein solches E-Bike in einen Unfall verwickelt, kann das schnell teuer werden. Um Risiken wie Schäden am Fahrer, Dritten oder Sendungen abzudecken, sind Betriebshaftpflicht, Verkehrshaftung, Kaskoversicherung für das Rad und die Fahrerunfallversicherung notwendig. Daher können Kunden, die bereits über eine Logistik-Police inklusive Verkehrshaftung und Betriebshaftpflicht verfügen, das E-Bike mitversichern. „Sie müssen es einfach nur bei uns anmelden“, sagt Salzmann.

Für reine Kurierdienste und Start-ups, die beispielsweise vier E-Lastenräder einsetzen, beläuft sich die Versicherungsprämie pro Jahr für Betriebs-, Verkehrshaftpflicht und Fahrradkasko auf rund 4.000 EUR. Für zulassungs- und versicherungspflichtige E-Lastenbikes bietet die R+V ebenfalls Versicherungsschutz an. Möglich ist, das E-Bike etwa beim Fahrraddiebstahlschutz in eine bestehende Unternehmerpolice aufzunehmen. Ebenso ist eine Absicherung über die KFZ-Versicherung für die Bereiche Haftpflicht und Teilkasko möglich. Zusätzlich bietet der Versicherer über die Sparte Technische Versicherung eine weitere Absicherung an. Damit lassen sich auch E-Fahrzeuge vor Risiken schützen. (Nicole de Jong)

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