E-LKW von MAN: Leise in Richtung Zukunft

MAN, E-LKW, elektro-lkw, e-mobilität
Foto: MAN
Erst summt er, dann hört man das Abrollgeräusch der Reifen, dann macht sich der Fahrtwind akustisch bemerkbar – mehr nicht. Beschleunigt der jetzt vorgestellte rein elektrisch angetriebenen 6×2-TGM ist das schon etwas Besonderes – und macht neugierig, den 350 kW starken schweren Verteiler-Truck zu fahren. Zwar war das (noch) nicht im Straßenverkehr möglich, doch auch die Runde über das MAN-Testgelände in München war ein Erlebnis. Nicht zuletzt, weil der unbeladene Vorserien-LKW im Fahrdynamik-Modus unterwegs war: Beim etwas stärkeren Tritt auf das Gaspedal beschleunigte der TGM ungewohnt zackig – kein Wunder, kann doch der Elektro-Antriebsstrang vom ersten Augenblick an ein Drehmoment von bis zu 3500 Nm auf die Straße bringen.

Der 26-Tonner auf TGM-Basis kann mit maximal 12 Batterien ausgestattet werden. Diese werden unter dem Fahrerhaus und seitlich am Rahmen verbaut. Damit haben die Solofahrzeuge eine Reichweite von bis zu 200 km. Weniger weit kommt das zweite Fahrzeugkonzept, eine Kombination aus TGS-Sattelzugmaschine und Zweiachsauflieger. Je nach Einsatzprofil kann das Konzeptfahrzeug mit maximaler Batteriekonfiguration bis zu 130 km zurücklegen. Auch dieser Truck verfügt über eine Leistung von 350 kW und ein maximales Drehmoment von 3500 Nm.

Energiegewinnung Onboard

Nebenaggregate wie Servolenkung, Luftkompresser sowie die Klimaanlage werden elektrisch betrieben und über das Energiemanagement bedarfsabhängig und damit energiesparend gesteuert. Über Bremsenergie-Rückgewinnung (sogenannte Rekuperation) wird die Bewegungsenergie des Fahrzeugs in den Schubphasen in elektrische Energie umgewandelt und in die Batteriespeicher eingespeist. Eine Anzeige im Cockpit informiert den Fahrer über den aktuellen Ladestand der Batterien. Die Energie für den LKW liefern vier Lithium-Ionen-Batterien, die aus dem Volkswagen-Konzern zugeliefert werden. Bei der Sattelzugmaschine sind sie unter dem Fahrerhaus über der Vorderachse angeordnet, wo bei herkömmlichen Fahrzeugen der Diesel-Antriebsstrang platziert ist.

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Aufgeladen werden die Batterien im Regelfall über Nacht. Gleichzeitig ist das System aber auch für das sogenannte „Opportunity-Charging“, das heißt ein Zwischenladen während des Fahrzeugeinsatzes ausgelegt. Dieses Schnelladen während Zwischenstopps, zum Beispiel in den Ruhepausen des Fahrers oder während der Be- und Entladung des Fahrzeugs, erhöht die Flexibilität bei der Einsatz- und Tourenplanung.

Die während in München vorgestellten Konzept-LKW bilden den technischen Grundentwurf für die Fahrzeuge, die ab Ende 2017 in die Praxiserprobung bei neun österreichischen Unternehmen, die dem Council für nachhaltige Logistik angehören, gehen. Mit von der Partie sind dabei unter anderem die Logistikunternehmen Quehenberger, Schachinger und Gebrüder Weiss sowie die Handelskonzerne Rewe, Metro und DM. Aktuell setzen bereits Porsche und VW E-LKW in Sachsen ein.

Neun Partner am E-LKW-Start

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Bei den Partnern werden vorwiegend 6×2-Fahrgestelle mit Kühlkoffern, Wechselbehältern und Getränkeaufbauten eingesetzt, doch wird auch eine Sattelzugkombination auf TGM-Basis getestet. Die Erkenntnisse aus den Praxiserprobungen mit den Versuchsfahrzeugen wird MAN in die Entwicklung des künftigen Serienproduktportfolios elektrisch angetriebener LKW einfließen lassen. (ben)

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