E-LKW von MAN startet noch 2017 zum Praxistest

Österreich bietet Vorteile

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Dass die E-Trucks nun zuerst auf österreichischen Straßen unterwegs sein werden, ist dabei alles andere als ein Zufall. Ein wesentlicher Grund ist das MAN-Werk in Steyr, wo die Stromer dann vom Band laufen und für das es einen Gesamtinvestitionsplan von 100 Mio. EUR gibt. Vorteilhaft ist zu dem der Schulterschluss unter potentiellen LKW-Kunden: Im Council für nachhaltige Logistik (CNL) arbeiten logistikaffine Wettbewerber zusammen – nicht gegeneinander.  Zudem gibt es eine wissenschaftliche Begleitung durch die Universität für Bodenkultur Wien. Im Mittelpunkt steht die umweltfreundliche Logistik.

Zu den neun CNL-Partnern, die als erstes die Erprobungsfahrzeuge erhalten, gehören etwa auch die Logistiker Gebrüder Weiss, Quehenberger und Schachinger. Aber auch Handelsketten, wie Metro, Hofer oder Rewe sind von Beginn an dabei. So freut sich etwa Frank Hensel, Vorstandsvorsitzender der Rewe International, auf den Praxistest und sieht auch keine Probleme mit der Reichweite. Sein Unternehmen will die Fahrzeuge in Wien und Umgebung zur Stadtversorgung einsetzen. „Dort haben wir in etwa die Hälfte der Touren bei denen wir mit diesem Limit problemlos hinkommen“, sagte Hensel am Montag in Steyr.

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Regierung hilft beim Start

MAN findet in Österreich Gehör bei der Politik. Dafür steht der Besuch von Bundeskanzler Kern und Verkehrsminister Leichtfried in Steyr. Bei dem aktuellen Vorhaben sind auch öffentliche Fördergelder im Spiel. Um welche Summe es dabei konkret geht und wie diese genau verteilt werden, war am Montag nicht zu erfahren. Es hieß lediglich, dass etwas mehr als ein Drittel von den insgesamt 10 Mio. EUR veranschlagten Kosten als Fördersumme im Gespräch sei.

Vor Ort in Steyr ist beiden Spitzenpolitikern deutlich anzumerken, dass sie viel Hoffnung in Projekte wie diese stecken. „Die Elektrifizierung des Güterverkehrs ist unabdingbar für den umweltfreundlichen Verkehr der Zukunft“, bemerkt Verkehrsminister Leichtfried. Er hebt insbesondere die Relevanz der Antriebssysteme von Fahrzeugen hervor. Kanzler Kern nennt Studienergebnisse des staatlichen Klimafonds: Demnach könne E-Mobilität zusätzliche Wertschöpfung von bis zu 3 Mrd. EUR und über 30 000 Jobs in Österreich schaffen. Entscheidend sei für Kern die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft: „Dieses Projekt ist genau das, wovon wir ganz viele zusätzliche brauchen.“

Die österreichische Politik investiert an dieser Stelle wohl auch, um anderswo gesetzte Ziele im Blick zu behalten. So ist etwa im Projekt „Smart Urban Logistics“ bis 2030 die Erreichung einer im wesentlichen CO2­-freien Stadtlogistik in größeren, städtischen Zentren vorgesehen.

Die E-LKW von MAN, mit der Serienfertigung ab 2021, fügen sich gut in diesen längerfristigen Zeitplan Österreichs ein. Hinsichtlich einem anderen Wunsch, kann es Politiker Kern allerdings nicht schnell genug gehen: Mit Blick auf seinen Dienstwagen würde er gerne heute schon auf einen E-Truck umsteigen – die Laufruhe sei bei der Probefahrt „beeindruckend“ gewesen. Das einzige Problem, das der Bundeskanzler bei seinem Wunsch selbst feststellt: Der E-LKW bräuchte  auch einen passenden Parkplatz bei ihm zu Hause, im siebten Wiener Gemeindebezirk. [ben]

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