E-Shuttles via App in Hamburg

Für ioki hat die VHH von der Stadt Hamburg Zuwendungen in Höhe von 900.000 Euro erhalten. (Foto: Ioki)
Für ioki hat die VHH von der Stadt Hamburg Zuwendungen in Höhe von 900.000 Euro erhalten. (Foto: Ioki)

Per App sind die Bewohner im Hamburger Westen seit Kurzem an das neue On-Demand-Angebot ioki als Teil des Nahverkehrs angebunden. Dadurch sollen Fahrten mit dem eigenen Auto überflüssig werden und mehr Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Selbst in einer Großstadt sind die Wege zur nächsten S-Bahn-Station oder Bushaltestelle manchmal recht weit. So ist es beispielsweise in den Hamburger Stadtteilen Lurup und Osdorf.

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Ziel ist der Umstieg der Noch-Nicht-Öffi-Fahrer

Diejenigen, die dort bisher nicht den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen, will das neue Shuttle-Angebot des Geschäftszweigs der Deutschen Bahn (DB) für intelligente On-Demand-Mobilität, ioki, und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) dazu motivieren, vermehrt umzusteigen.

Seit Mitte Juli gelten daher die Fahrkarten des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) imHamburger Westen auch für die emissionsfreien Elektroautos. Die Flotte der weißlackierten Variante der London Cabs ist ohne festen Fahrplan und seit Anfang August sogar rund um die Uhr im Einsatz. Die Fahrzeuge des britischenHerstellers LEVC verfügen über eine Rampe und einen Kindersitz und können auch manuell betriebene Rollstühle sowie Kinderwagen mitnehmen. Wer eins der derzeit 18 Shuttles bestellen möchte, kann die Fahrt ausschließlich über die ioki-Hamburg-App buchen, und das sogar bis zu sieben Tage im Voraus. Zusätzliche Kosten über die Fahrpreise des Tarifs entstehen nicht. Wenn keine Fahrkartevorhanden ist, erfolgt neben der Buchung auch de Bezahlung direkt über die App.

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Da mit dem Angebot jedoch nicht nur der Nahverkehr gestärkt werden soll, sondern weniger Verkehr produziert werden soll, werden die Fahrgäste mit ähnlichen Routen mithilfe eines Algorithmus automatisch zu Fahrgemeinschaften von bis zu sechs Personen gebündelt und gemeinsam befördert. Das ist entweder von einer Adresse zu einer Haltestelle oder andersherum möglich. Der Fahrgast wird also wahlweise von seiner genauen Startadresse zu einer Haltestelle gefahren oder von einer Haltestelle zur exakten Zieladresse. „Es kann dabei nicht ausgewählt werden, welche Adresse punktgenau übernommen wird, jedoch finden wir immer den schnellsten Weg für den Fahrgast“, so ioki-CEO Michael Barillère-Scholz. „Als Ergänzung zu den bereits bestehenden Haltestellen haben wir zusätzliche, teils virtuelle Haltepunkte installiert. So ermöglichen wir es, dass keine Haltestelle mehr als 200 Meter von der Ausgangs- und Zieladresse entfernt ist.“ Die App zeige dabei dem Nutzer live den Laufweg zu oder von einer von insgesamt 119 möglichen Haltestellen und -punkten an.

500 bis 800 Fahrgäste täglich

Der Shuttledienst kommt bei den Menschen in Lurup und Osdorf offenbar gut an. Seit dem Start des neuen Angebots Mitte Juli wurden nach Angaben der DB bis Anfang Oktober bereits über 30.000 Personen mit den ioki Hamburg Shuttles befördert. Pro Tag nutzen mittlerweile 500 bis 800 Fahrgäste das Angebot. „Wir sind mit dem Start von ioki Hamburg sehr zufrieden“, sagt Barillère-Scholz. „Bereits 15 Prozent aller Luruper und Osdorfer haben sich unsere App heruntergeladen – Tendenz steigend.“ Etwa die Hälfte der Fahrgäste lasse sich dabei mit dem ioki Hamburg Shuttle zu größeren ÖPNV-Haltestellen bringen. „Stoßzeiten sind bisher die typischen Pendlerzeiten: Morgens zwischen 7 und 8 Uhr sowie abends zwischen 17 und 19 Uhr lassen sich besonders viele Menschen mit ioki Hamburg zur nächsten ÖPNV-Haltestelle bringen“, so Barillère-Scholz. Hinzu kommt noch eine weitere Zielgruppe: „Abends und nachts fahre ich viele Frauen“, berichtet Fahrer Marco Schwalbe, der an einem Freitagvormittag Anfang Oktober mit dem Shuttle  namens Olivia unterwegs ist. Erster Fahrgast ist der 23-Jährige Alexandros Aslanides, der ioki fast täglich nutzt. An diesem Tag lässt er sich zur S-Bahnstation fahren, um nicht zur wenige Fußminuten entfernten Bushaltestelle laufen zu müssen. Wenig später nimmt Niklas Meyer, 16, gegenüber Platz. Er ist ebenfalls täglich mit dem Shuttle unterwegs, zu seinem Ausbildungsplatz ebenso wie privat. Das funktioniere gut, nur manchmal könne er nicht im Voraus buchen. „Natürlich wollen wir so vielen Fahrtwünschen wie möglich gerecht werden. Wir wurden aber von der positiven Resonanz etwas überrannt, sodass gerade zu Beginn nicht alle Fahrtwünsche bedient werden konnten“, erklärt Barillère-Scholz. Deshalb habe man die Fahrzeugflotte bereits aufgestockt und versuche durch weitere Fahrzeuge und Fahrer den Bedarf noch besser abzudecken. Die 23-Jährige Jennifer von Appen konnte den E-Shuttle ganz spontan buchen: „Ich hätte sonst 15 Minuten auf dem Bus warten müssen“, freut sie sich. Die Durchschnittswartezeit bei ioki beträgt rund drei Minuten.

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Durchschnittlich 1,66 Fahrgäste pro Shuttle

Bis zu drei Personen, befördert Fahrer Schwalbe an diesem Vormittag gemeinsam. Je nach Tageszeit variiert diese Zahl bei 300 bis 600 Fahrten pro Tag: „Unsere durchschnittliche Poolingquote beträgt 1,66 Personen pro Fahrzeug. Der Durchschnitt für einen Privat-Pkw beträgt 1,46, wir sind also auf einem sehr guten Weg und erwarten in Zukunft eine weitere Steigerung der geteilten Fahrten“, betont der CEO. Das Pooling hat allerdings auch zur Folge, dass sich die Fahrtzeit zum Teil verlängert. Dazu Barillère-Scholz: „Unser Algorithmus bündelt Fahrten von Fahrgästen mit ähnlichen Routen. Die Umwege sollen dabei natürlich so gering wie möglich gehalten werden. Maximal sind es 20 Minuten.“

Das ist offenbar ausreichend für die von ioki grob definierte Zielgruppe: „Das Angebot spricht alle Bevölkerungsschichten an, die kostengünstig, flexibel, umweltfreundlich und bequem von A nach B kommen möchten: Familien, Senioren, Pendler, HVV-Kunden, Digital Natives, Personen ohne PKW, Nutzer des ÖPNV“, so Barillère-Scholz. Noch ist allerdings nicht klar, wer die E-Shuttles tatsächlich nutzt. Derzeit wird allerdings von der Technische Universität Hamburg (TUHH) evaluiert, welcher Altersgruppe die Fahrgäste angehören, wie häufig sie das ioki Hamburg Shuttle nutzen und welches Verkehrsmittel sie alternativ genutzt hätten sowie zu welchem Zweck sie den Service nutzen.

Kritik hinsichtlich der Nutzergruppen gibt es allerdings bereits jetzt. „Dass man zum Buchen ein Smartphone oder Tablet braucht, wird als Nachteil derjenigen gesehen, die solche Geräte nicht besitzen“, sagt die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Anne Krischok. „Insofern verstehe ich, dass sich insbesondere ältere Menschen vom Fortschritt und von diesem innovativen Projekt ausgeschlossen fühlen. Vielleicht eröffnen sich nach der Testphase noch andere Möglichkeiten, ein ioki zu buchen.“ Technisch ist das allerdings kaum möglich. Derzeit werden nach Auskunft von ioki jedoch Senioreneinrichtungen in Lurup angesprochen, um dort Schulungen zur Aufklärung anzubieten. Die Zukunft von ioki nach dem Projektende im Dezember ist offen. Barillère-Scholz: „Zurzeit laufen Gespräche zwischen allen Beteiligten, ob und in welcher Form, mit welchen Finanzierungsmodellen ‚ioki Hamburg‘ fortgeführt werden kann.“ (Claudia Behrend)

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