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Die Digitalisierung ändert die Arbeitsbedingungen und Tätigkeitsprofile vieler Berufe in der Transport- und Logistikwirtschaft. So bietet moderne Technik dem LKW-Fahrer einerseits sinnvolle Hilfestellungen im Berufsalltag, andererseits wird eine ständige Kontrolle mittels Datenanalyse befürchtet. Das hat eine Umfrage des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) ergeben.

Noch kritischer sehen angehende Lokführer die Digitalisierung. 55 Prozent befürchten, dass das Berufsbild durch die Möglichkeit der Automatisierung in Gefahr ist. Dagegen geben sich die Binnenschiffer zuversichtlich. In diesem Segment bewerteten mehr als ein Drittel der befragten Auszubildenden die fortschreitende Digitalisierung positiv, vor allem zur Ortung der Schiffe, Datenübermittlung und Identifikation der Fracht.

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Mitarbeiter und Führungskräfte in Logistikunternehmen müssen sich auf einen grundlegenden Wandel einstellen. Schenker-Vorstand Markus Sontheimer sieht Speditionen in der Pflicht, sich für neue Berufsgruppen zu öffnen. „Wir können uns dem, was in der digitalen und der Start-up-Welt geschieht, nicht entziehen“, betont der für IT-Strukturen und digitale Innovationen zuständige Manager.

Künftig müssten Mathematiker, Programmierer und Physiker rekrutiert werden, um mit den Themen Big Data und Vorhersage sachgerecht umgehen zu können. „Algorithmen werden die Art zu arbeiten maßgeblich verändern“, sagt Sontheimer. „Eine Software errechnet rationale Vorhersagen, die das Bauchgefühl meist übertreffen.“ Er will seinen Managern bei der Konzernspedition solche Fakten und Zahlen aus einem lernenden System geben, damit sie schneller und besser entscheiden können. Er ist sich sicher, dass solche hoch technikaffinen jungen Menschen auch in der Logistik arbeiten wollen. „Die Aufgaben in einer Spedition sind sexy“, meint Sontheimer.

Um gerade kleineren Unternehmen die digitale Transformation und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle zu erleichtern, gibt es in Nordrhein-Westfalen das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0. Denn die Firmen sind in der Pflicht, etwas zu tun, wenn sie nicht von der technischen Entwicklung abgehängt werden wollen. So spüren 46 Prozent der deutschen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern bereits die Auswirkungen der digitalen Vernetzung und Automatisierung innerhalb ihrer Wertschöpfungskette. Das geht aus der Umfrage „Supply Chain Management und Logistik 4.0“ von Hermes Deutschland hervor, die unter 200 Logistikentscheidern deutscher Unternehmen erhoben wurde. (hec/rok/sb)

Kommentar „Neue Rolle für den Menschen

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