Fliegende Mitarbeiter: Wie Lager-Drohnen die Inventur revolutionieren

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Foto: Doks Innovation

Spätestens der Wettbewerb im Silicon Valley um die effizienteste Transportdrohne hat gezeigt, dass unbemannte Fluggeräte die Logistikbranche nachhaltig verändern können. Untersuchungen wie die Zukunftsstudie „Die letzte Meile“ vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) ergeben hingegen, dass mit einem Massentransport durch Drohnen voraussichtlich erst 2030 zu rechnen ist. Weder sind Drohnen derzeit von ihrem Gewicht noch von ihrer Akkuleistung dazu geeignet, weite Entfernungen mit Lasten jenseits der 25 kg Grenze zurückzulegen.

In Pilotprojekten werden Drohnen aber bereits heute eingesetzt, beispielsweise bei Inventuren in der Logistikbranche und der Autoindustrie. Um hier ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können, bedarf es einer hochentwickelten Sensorik, um die Flut an Daten aufnehmen zu können. Die gesammelten Daten sollten dem Management über eine leistungsstarke Software visualisiert werden.

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Keine weitere Infrastruktur nötig

Unternehmen, die sich eine Drohne für Inventuren anschaffen, unterhalten in der Regel eine große Zahl an Palettenregalen. Hier kommt eine spezielle Drohne zum Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, Regale abzufliegen, Labels und weitere relevante Standort- und Objektdaten aufzunehmen und diese Informationen automatisch weiterzuverarbeiten. Für eine höhere Lesegeschwindigkeit hat sich ein zusätzlicher Marker auf den Labels bewährt, der aber nicht zwingend notwendig ist. Eine dauerhafte Verbindung der Drohne mit einer Bodenstation über Wifi ist nicht nötig. Es wird zudem keine weitere Infrastruktur benötigt.

Das Thema Datenschutz spielt eine große Rolle. Professionelle Lösungen sind bereits heute so konzipiert, dass sie personenbezogene Daten weder erfassen noch weiterverarbeiten. Auch müssen der Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit beachtet werden. Während des Einsatzes sollten keine Mitarbeiter im Aktionsradius tätig sein. Hochsensible Sensoren gewährleisten, dass die Drohne nicht mit Hindernissen kollidiert und durch spezielle Schutzmechanismen vor Beschädigungen geschützt wird.

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Der Einsatz von sogenannten Slam-Algorithmen (Simultaneous Localization and Mapping; deutsch: Simultane Lokalisierung und Kartenerstellung) befähigt Drohnen, zunächst die Umgebung zu kartieren und gleichzeitig die eigene Position festzustellen. So kann sich die Drohne GPS- und Wifi-frei durch ein unbekanntes Terrain navigieren.

Deutlich geringerer Aufwand

Das Management kann in mehrfacher Hinsicht von einem Drohneneinsatz profitieren. Unternehmen müssen heute jegliche Veränderungen so schnell wie möglich erfahren, da selbst kleine Stellschrauben erfolgsentscheidend sein können. Mit Hilfe einer speziellen Software erhalten Entscheider daher simultan Daten, wodurch die Reaktionszeit verkürzt werden kann. Im Vergleich zur manuellen Inventur durch den Mitarbeiter sinkt der Aufwand zudem je nach Region auf circa 60 Prozent der Kosten.

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In der Kontraktlogistik haben sich zwei Herangehensweisen durchgesetzt: Entweder zahlt der Auftraggeber für das Inventur- und Bestandsmanagement direkt oder aber die Kosten werden vom Logistikdienstleister bereits einkalkuliert. In beiden Fällen gilt: Allein die Reduktion des Personal- und Zeitaufwands durch Drohnen verbessert die Ertragslage.

Daneben sind die Ergebnisse bei manueller Inventur abhängig von den Personen. Werden keine klaren Standards gesetzt und der Automatisierungsgrad ist nicht vorhanden, entsteht hier oft ein nachträglich hoher Aufwand für die Nachbearbeitung und für Zählungen. Dies kann aufgrund der Fehlerquote einen nicht unwichtigen Kostenfaktor darstellen. Während bei einer manuellen Inventur meist ausschließlich quantitative Informationen aufgenommen werden, erheben mit speziellen Sensoren ausgestattete Drohnen auch qualitative Daten, wie zum Beispiel Raumtemperatur oder Luftfeuchtigkeit.

Drohnen sind vielseitig im Lager einsetzbar

Auch eine Warenbestandsaufnahme ohne Label-Scanvorgang im Bereich von Blocklagern und im Außenbereich wie auf Leergutlagerplätzen oder in Fertigproduktlagern sind möglich. Software hilft dabei, Muster zu erkennen und potenzielle Fehler zu vermeiden. Bestehende Prozesse können mit Hilfe der automatisch aufbereiteten Daten verbessert werden, weswegen Unternehmen keine neuen aufsetzen müssen. Auch dies bietet eine erhebliche Zeitersparnis und reduziert unnötige Komplexität.

Das Potenzial für den Drohneneinsatz wird weiter zunehmen. Nach der Analyse „Clarity from above – Drohnen rüsten Versorger für Energiewende“ des Beratungsunternehmens PwC büßt der Energiesektor jährlich 143 Mrd. EUR aufgrund von Leitungsausfällen und damit verbundenen Kraftwerksabschaltungen ein. Die Branche kann mit Hilfe von Drohnen Versorgungssysteme sichern und folglich effizienter wirtschaften. Auch können Drohnen in verhältnismäßig kurzer Zeit zahlreiche Vermessungsdaten in unzugänglichen Gebieten sammeln. Dadurch erlangen Unternehmen eine bessere Entscheidungsgrundlage für Investitionen und können Fortschritte eigener Infrastrukturprojekte dokumentieren.

Knackpunkt Versicherungsrecht

Eine volle Autonomie in Form eines unabhängigen Flottenmanagements ohne menschliche Einflussnahme wird hingegen wohl erst möglich sein, wenn alle Bestandteile des Prozesses automatisiert und die versicherungsrechtlichen Aspekte staatlich reguliert wurden. Künftig werden Drohnen im Bereich professioneller Anwendungen immer dann zum Einsatz kommen, wenn mobile und standortunabhängige Sensorik zur Datenerfassung eingesetzt werden soll. Wenn Distanzen über bestehende Infrastruktur am Boden überwunden werden müssen, können in Zukunft Drohnen diese Aufgabe übernehmen. (Benjamin Federmann)

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