Flottenerneuerung als Lösung zum Klimawandel

Da passt was rein: Streetscooter-Ford-Transporter mit E-Antrieb
Foto: DHL
Kurz vor der Bundestagswahl ist die Debatte über saubere Luft, alte Diesel, Elektrofahrzeuge und die Mobilität der Zukunft so richtig hochgekocht. Gleichzeitig steigt der Druck von außen. Denn Großbritannien und Frankreich haben angekündigt, von 2040 an keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr auf die Straße zu bringen. Für alle, die der Elektromobilität lieber heute als morgen zum Durchbruch verhelfen würden, ist das Wasser auf die Mühlen. Denn ein wichtiges Argument unter anderem der SPD ist, dass die Verkehrswende ein indus­triepolitisches Thema ist.

Für Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) lautet das Stichwort Flottenerneuerung. Deshalb hat ihr Ministerium abermals 7,7 Mio. EUR für die Deutsche Post DHL Group für weitere 1.130 rein elektrisch betriebene Streetscooter bewilligt. Die gesamte Förderung summiert sich damit auf 17 Mio. EUR.
„Wir haben im Rahmen des Nationalen Forums Diesel unter anderem beschlossen, die Förderung der Umstellung von Fahrzeugen mit hohen innerstädtischen Fahrleistungen wie Bussen, Taxen und Lieferfahrzeugen auf emissionsfreie Antriebe deutlich auszubauen“, sagte die Umweltministerin an diesem Donnerstag in Berlin.

Flottenerneuerung muss auch politisch unterstützt werden

Angesichts drohender Fahrverbote, die Gerichte in Städten wie Stuttgart oder Düsseldorf verhängen könnten, ist die Flottenerneuerung ein wesentlicher Baustein, um die Luft in den Städten sauber zu bekommen. Nachdem Manipulationen bei Dieselfahrzeugen bekannt geworden waren, hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Autoindustrie Anfang August 500 Mio. EUR für einen „Fonds nachhaltige Mobilität“ geschaffen, um besonders stark betroffene Kommunen bei der Bewältigung der Luftverschmutzung zu unterstützen.

Die Hersteller sagten Software-Updates und Umtauschprämien für ältere Dieselfahrzeuge zu. Am vergangenen Montag stockte die Kanzlerin den Fonds um weitere 500 Mio. EUR auf. Das Geld stehe bereits im laufenden Haushalt zur Verfügung, sagte Merkel am Montag in Berlin nach einem Treffen mit Vertretern von Städten und Bundesländern.

Ob CDU oder Grüne – für beide Parteien ist in der gesamten Debatte offenbar die Sicherung des Indus­triestandortes Deutschland ein wichtiges Argument. Die ­Meinungen, ob dieser eher mit herkömmlichen Technologien und dem Verbrennungsmotor oder mit der Elektromobilität und anderen alternativen Kraftstoffen zu erhalten ist, gehen aber auseinander.

Der Dieselabschied muss langsam erfolgen

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Im Bundestag bekräftigte die Kanzlerin abermals, dass der Verbrennungsmotor noch lange gebraucht werde. „Gegen den Diesel vorzugehen, bedeutet gleichermaßen auch, gegen die CO2-Ziele, die wir uns gesetzt haben, vorzugehen. Und das darf nicht passieren“, so die Kanzlerin. Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, verwies auf Hunderttausende Arbeitsplätze, die gefährdet seien, wenn der Abschied vom Verbrennungsmotor zu schnell geschehe.

Das sieht Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen, anders. „Ich will, dass Deutschland Automobilproduktionsstandort bleibt. Das wird nur gehen, wenn das Auto der Zukunft emissionsfrei ist und in Deutschland, von unseren deutschen Ingenieuren, hergestellt wird.“

Die Umweltverbände BUND, Nabu und Greenpeace kritisierten indes, dass die Umweltbilanz der Bundesregierung mau aussieht. International habe Deutschland das Thema Klimaschutz zwar mit Vehemenz vorangetrieben, im eigenen Land gehe es aber nicht voran.

Das belegt auch eine Untersuchung der Thinktanks Agora Verkehrswende und Agora Energiewende. Sie haben errechnet, dass das Klimaschutzziel der Bundesregierung bis 2020 in immer weitere Ferne rückt. Im ersten Halbjahr 2017 seien die energiebedingten CO2-Emissionen gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um knapp 5 Mio. t auf 428 Mio. t gestiegen (plus 1,2 Prozent).

Das Ziel der Bundesregierung sei es, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu mindern; 2016 lag die Emissionsminderung erst bei minus 27,6 Prozent. Deshalb fordern die Denkfabriken ein Sofortprogramm Klimaschutz.

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Über Tim Meinken 173 Artikel

Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.
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