Frachtenbörse Cargo-bee übernimmt Bezahlung und Frachtpapiere

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Leerkilometer reduzieren und der Zettelwirtschaft ein Ende setzen: Das will die Cloud-Plattform Cargo-Bee ermöglichen. Das Hamburger Start-up arbeitet mit Hochdruck daran, das Frachtenmanagement komplett zu digitalisieren – vom Vertragsabschluss bis zur Rechnungsstellung soll alles automatisch abgewickelt werden können. Anbinden will das Unternehmen Spediteure, Logistiker und Verlader, die Frachten auf dem Marktplatz anbieten und Frachtunternehmer, die den Transport erledigen. Derzeit testet Cargo-Bee mit einigen Unternehmen die Funktionalitäten sowie die eigens dafür entwickelte App. Ende 2017 geht die Plattform live.

Und so funktioniert’s: Verlader stellen ihre Fracht mit allen relevanten Daten bei Cargo-Bee ein. Wer den Transport übernehmen kann, gibt ein Angebot ab. Passen die Rahmenbedingungen und der Preis, erhält er den Zuschlag. „Über die vorhandenen Daten generieren wir im Hintergrund alle nötigen Dokumente für Frachtführer und Auftraggeber“, erläutert Georg H. Völker, einer der vier Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Cargo-Bee.

Unterschiede von Cargo-Bee zur Konkurrenz

Anders als herkömmliche Frachtenbörsen bietet das Start-up auch Bezahlung und Finanzierung, digitale Absicherung sowie über eine App Tracking, dynamische Avisierung und Tourenplanung an. „Wir arbeiten mit Push-Nachrichten“, sagt Völker. Das heißt, die Teilnehmer bekommen von der Plattform Vorschläge und müssen nicht suchen. Transporteure erhalten ausschließlich die Frachtangebote, mit denen sie die Leerkilometer ihrer Fahrzeuge reduzieren. Auftraggeber bekommen nur für eine Fracht infrage kommende Transporteure vorgeschlagen.

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Auftraggeber registrieren sich auf der Plattform und hinterlegen übliche Dokumente wie den Handelsregisterauszug. Frachten einstellen können sie über einen webbasierten Zugang. „Es ist aber auch möglich, XML- oder XLS-Dateien hochzuladen“, erläutert der Geschäftsführer. Hat das Unternehmen ein eigenes ERP-System, kann es die relevanten Daten über eine Standardschnittstelle auf den Marktplatz schieben. „Wir greifen in kein Fremdsystem ein“, sagt Völker. Für Auftraggeber ist die Nutzung von Cargo-Bee komplett kostenlos.

Transporteure registrieren ihr Unternehmen inklusive ihrer Flotten mit technischen Details, die für die Frachtvergabe von Bedeutung sind. Leerfahrten und Leeranteile werden ins System eingegeben oder per Datei oder Schnittstelle hochgeladen. Der Marktplatz ermöglicht es, Frachten und Fahrzeuge mit Leerfahrten zusammenzuführen. Es kann auch die Restarbeitszeit berücksichtigt werden. „Je mehr Daten wir haben, desto besser können wir optimieren“, fügt er hinzu. Sobald eine Fracht vergeben ist, ist diese nur noch für den Auftraggeber und den Transporteur sichtbar. Transporteure bezahlen Cargo-Bee 0,5 Prozent auf den Frachterlös.

Smartphones werden bereitgestellt

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Cargo-Bee stellt mit dem Business-Partner Deutsche Telekom Frachtführern Smartphones oder Tablets inklusive einer Daten-Sim-Karte zur Verfügung. „Diese ist so konfiguriert, dass sie nur mit unserer Plattform kommunizieren kann“, erläutert Völker. Im zweiten Sim-Karten-Schacht kann der Transporteur seine Telefonkarte einführen. Völker: „Auch hier greifen wir in kein Fremdsystem ein.“ Das Smartphone bietet Cargo-Bee inklusive einem für Deutschland gültigen 36-monatigen Datentarifvertrag für rund 200 EUR an, für Europa kostet er etwa 300 EUR.

Darauf installiert ist die Cargo-Bee-App, die über eine Kommunikationsfunktion verfügt und über die die Dokumente abrufbar sind. Das System trackt das Fahrzeug. Sobald der Fahrer am Beladeort losfährt, erhalten Disposition und Empfänger automatisch eine Mitteilung über die voraussichtliche Ankunftszeit. Steht der Fahrer im Stau, werden die Beteiligten wiederum über die Verspätung benachrichtigt. „Keiner muss mehr zum Telefonhörer greifen“, sagt Völker.

Cargo-Bee hat für die Anwendung die sogenannte Doppeltoken-Technologie entwickelt, die Informationen zur Sendung, Geodaten und Geräte-ID enthält. Der Fahrer scannt jeweils einen Token beim Versender und Empfänger. Das System gleicht automatisch alle Daten ab und stellt sicher, dass der Auftrag korrekt erledigt wurde. „Das entlastet alle Beteiligten, weil sie zu jeder Zeit elektronisch über alle Infos verfügen“, sagt Völker. Durch die automatische Dokumentation wird auch der Streit über eventuelle Standzeiten entschärft.

Besonderes Highlight: Die Plattform verfügt über eine Finanzierungs- und Zahlungsfunktion. Dazu hat Cargo-Bee einen Zahlungsdienstleister ins Boot geholt, der im Auftrag des Verladers den Frachtunternehmer abzüglich der kalkulierten Gebühren sofort bezahlt. „Damit verfügen insbesondere kleinere Transporteure über eine bessere Liquidität und Bonität“, erläutert der Geschäftsführer. Hamburg hat das Unternehmen als Firmensitz gewählt, da die Elbmetropole ein wichtiger Logistikstandort ist, zwei der Gründungsmitglieder aus Hamburg kommen und aufgrund der Nähe zu dort ansässigen universitären Einrichtungen wie der Kühne Logistics University. (Nicole de Jong)

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Über Tim Meinken 158 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.

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