Frachtgut versichern per Mausklick

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Autoteile im Seecontainer von Deutschland in die USA, Kaffeesäcke von Vietnam nach Australien oder Mobiltelefone per Luftfracht aus China. Bei der Versicherung von Warentransporten sollen Makler, Spediteure und ihre Kunden künftig viel Zeit sparen können. Wie es im Privatkundengeschäft mit KFZ- oder Haftpflichtversicherungen schon seit etlichen Jahren an der Tagesordnung ist, können auch Wareneigner und Spediteure inzwischen Onlineplattformen für den Abschluss von Transportversicherungen nutzen.

In den vergangenen Wochen erst sind einige neue Angebote hinzugekommen. Cargosure24 (www.cargosure24.com) – die neue Plattform des Bremer Assekuradeurs Lampe & Schwartze – verspricht Kunden den Sofortabschluss von Warentransportversicherungen beziehungsweise Speditionsgeneralpolicen für alle Verkehrsträger in „drei einfachen Schritten“ ohne vorherige Registrierung. Nach Eingabe der Relation und Warenart erhält der Nutzer umgehend eine Tarifierung, die auch Speditionsrabatte und Steuern berücksichtigt. Im zweiten Schritt müssen Adressdaten und Zertifikatsinformationen eingegeben werden.

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Kurze Wartezeiten bei der Versicherung von Frachtgut

Nachdem das daraus erstellte Musterzertifikat geprüft wurde, können Kunden durch Eingabe ihrer Iban die Versicherung online abschließen. Zertifikat und Rechnung stehen sofort danach zum Download bereit. Durch den Online-Abschluss sollen „Wartezeiten zu Feierabend oder am Wochenende, insbesondere bei terminkritischen Vorgängen“ minimiert werden.

Zu den ersten Anwendern des Produkts, das auf den Bedingungen der DTV-Güter 2000/2008 basiert mit der Basler Sachversicherungs AG als führendem Versicherer, zählt die BLG Logistics Group, heißt es bei Lampe & Schwartze. Ferner ein Handelsunternehmen aus Süddeutschland.

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Bei der Warentransportversicherung handele es sich um ein „hochfrequentes“ und „standardisierbares“ Produkt, das für elektronische Geschäftsabschlüsse bestens geeignet sei, unterstreicht Hans-Christoph Enge, geschäftsführender Gesellschafter von Lampe & Schwartze. Neben Einsparungen bei den Prozesskosten erhofft sich der Assekuradeur durch das Webgeschäft eine deutlich erhöhte „Reichweite“ im Markt der Warentransportversicherung, der Maklerangaben zufolge ein Volumen von über 700 Mio. EUR in Deutschland hat. Bislang sei man bei der Vermarktung mit klassischen Mitteln „eher regional begrenzt“ gewesen, so Enge.

Wertobergrenze: 500.000 EUR

Komplexes und hochwertiges Frachtgut lässt sich allerdings nur eingeschränkt über Cargosure24 versichern. Die Wertobergrenze für Ladungen liegt bei 500.000 EUR, bei bestimmten Warenarten wie temperaturgeführten Gütern oder Wassersportfahrzeugen noch deutlich niedriger. Großraumtransporte können gar nicht online versichert werden.

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Auch die neue Onlinelösung des Transportversicherers Chubb (Chubb Easy Solutions), die Anfang Mai freigeschaltet wurde, ist mit entsprechenden Einschränkungen versehen. Das Limit liegt hier ebenfalls bei maximal 500.000 EUR. Das System sei so angelegt, dass man alle erforderlichen Daten in zwei Minuten eingeben könne, „dann erfolgt der Abschluss“, so Oliver Dietrich, Line Manager Marine bei Chubb in Düsseldorf. Es gebe bereits eine „gute Zahl von Interessenten“, aber noch keine Referenzkunden. Jedoch habe die Vertriebsoffensive gerade erst begonnen. Um Anwendern den Einstieg zu erleichtern, seien auch Trainingsvideos geplant, so Dietrich.

Der Hauptunterschied zu Cargosure24 liegt darin, dass Chubb Easy Solutions nicht frei für jedermann zugänglich ist. Makler und Kunden müssen erst registriert und freigeschaltet werden, um Zugang zur Internetseite zu bekommen. Chubb habe sich bewusst dafür entschieden, das Produkt „nicht nach dem Gießkannenprinzip zu verbreiten“, sagt Dietrich.

Delvag machte den Anfang

Pionier im Bereich der Online-Transportversicherung war die Delvag – eine Tochtergesellschaft der Lufthansa – die bereits Ende 2015 mit ihrer frei zugänglichen Transport Insurance Online (T.I.O.) an den Markt ging. Die Anwendung ist allerdings auf Luftfrachtgut beschränkt, und die Wertobergrenze liegt bei 250.000 EUR.

Die ersten Sendungen seien Anfang 2016 über T.I.O. versichert worden. „Die Verkäufe entwickeln sich moderat und steigen kontinuierlich“, erklärt Kay Griese, Leiter des Geschäftsbereichs Luftfahrt- und Transportversicherung bei der Delvag. Zudem wünschten sich Kunden auch Versicherungsmöglichkeiten für Seefracht und auf Basis von Generalpolicen, die das Unternehmen bislang noch „klassisch“ bearbeite.

Eine Ausweitung auf andere Verkehrsträger werde jetzt untersucht, so Kay Griese. Zudem sollen die Zahlungsmöglichkeiten für Kunden erweitert werden. „Der Onlinebezahldienst Paypal ist bereits verfügbar, an einer Zahlung per Kreditkarte und Lastschriftverfahren arbeiten wir“, kündigt der Geschäftsbereichsleiter an. (jpn)

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