Framo: der Tesla-Jäger aus Sachsen

Unter dem wiederbelebten Namen „Framo“, einer ehemaligen sächsischen Fahrzeugmarke, bieten die Tüftler aus dem Chemnitzer Raum den Umbau von schweren Diesel-LKW zu Elektrofahrzeugen an. (Foto: Framo)
Unter dem wiederbelebten Namen „Framo“, einer ehemaligen sächsischen Fahrzeugmarke, bieten die Tüftler aus dem Chemnitzer Raum den Umbau von schweren Diesel-LKW zu Elektrofahrzeugen an. (Foto: Framo)

Morgen ist es so weit: Der US-amerikanische E-Mobil-Konzern Tesla wird seine Vision eines elektrisch angetriebenen LKW vorstellen – eine Vision, die einige europäische Unternehmen bereits seit längerer Zeit umgesetzt haben. Neben dem Schweizer Hersteller E-Force oder EFA-S aus Stuttgart tummelt sich auch das sächsische Unternehmen Framo auf dem Markt und bietet die Umrüstung von Diesel-LKW auf elektrische Antriebe an. Allen dreien ist gemeinsam, dass sie – anders als Tesla, Mercedes-Benz oder auch MAN – nicht in die Großserie gehen, sondern Einzelanfertigungen oder Kleinserien anbieten.

Framo – ursprünglich eine Automobilmarke aus dem Chemnitzer Raum – ist heute im Besitz von Andy Illgen, der als geschäftsführender Gesellschafter vor ein paar Jahren in der Nähe von Zwickau den Neustart wagte. Seit März 2017 rüstet das kleine Unternehmen große Diesel-LKW auf Elektroantrieb um – bis hin zum 480 kW starken Sattelschlepper mit einem zulässigen Gewicht von 44 t. Die Umrüstung der Diesel-LKW ist alles andere als eine Serienfertigung. Vor jedem Auftrag steht eine genaue Analyse an: Welche Antriebsleistung und welche Batteriekapazität sind für den geplanten Einsatz notwendig. Gerade im Werksverkehr gibt es große Unterschiede hinsichtlich Fahrstrecke und maximaler Geschwindigkeit. Wer nur 10 km unterwegs ist, und das auch nur mit geringer Geschwindigkeit, könnte zum Beispiel mit dem kleinsten Batteriesatz auskommen.

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Lärmvermeidung ist oft der entscheidende Faktor für Framo-Kauf

Die individuelle Anpassung – die Fahrzeugpalette umfasst fünf Gewichtsklassen ab 7,5 t und Antriebsleistungen zwischen 80 und 480 kW – hat ihren Preis. Im Vergleich zum Serienfahrzeug kosten die Stromer mindestens das Doppelte – manchmal sogar das Dreifache. Doch das Interesse wächst kontinuierlich. Allein in diesem Jahr werden voraussichtlich bereits zehn, vielleicht sogar zwölf Fahrzeuge ausgeliefert. Interessant ist dabei die Motivation der Käufer: Die Diskussion dreht sich weniger um das Thema Abgasemissionen, sondern mehr um die Vermeidung von Lärm.

Gerade im Werksverkehr, wo häufige Start-Stopp-Strecken typisch sind, kann der E-Antrieb seine Vorteile gegenüber dem Langstrecken-Champion Diesel ausspielen. Zudem lässt sich hier die – ebenfalls von Framo angebotene – Ladeinfrastruktur als Einmalinvestition sinnvoll installieren. Je nach Batteriegröße und Standzeiten werden Gleichstromsysteme mit 50, 100 oder 150 kW angeboten. Wechselstromladungen sind mit 44 kW möglich.

Mit zu den wichtigsten Kriterien bei der Anschaffung eines E-LKW gehört die Reichweite. Bei deren Berechnung müssen verschiedene Parameter berücksichtigt werden: Bei einem 18-t-Solofahrzeug, dessen Batteriekapazität bei 231 kW/h liegt, das voll beladen 1,4 kW/h pro Kilometer verbraucht und bei dem Bremsenergie wieder in die Batterie eingespeist wird, liegt die Mindestreichweite mit einer Batterieladung bei 165 km. Ein 40-Tonner mit gleicher Batteriekapazität kommt im voll beladenen Zustand bei einem Kilometerverbrauch von 2,4 kW/h dann nur noch 96 km weit. (ben)

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