Freightfinders: Amazon für die Seefracht

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Eine Art Amazon für Seefrachtsendungen von und nach den deutschen Containerhubs Hamburg und Bremerhaven entsteht gerade unter der Marke ­Freightfinders.com. Das Start-up fungiert dabei als eine Art Onlinemarktplatz, auf dem Speditionen sich mit ihren Leistungen präsentieren und Verlader diese direkt buchen können. „Einen Anbieter, der eine entsprechende Transparenz über verschiedene Anbieter hinweg bietet, gibt es im Markt bisher nicht“, ist sich CEO Max Gürtler sicher. Mit digitalen Speditionen wie Freighthub und Flexport sei Freightfinders nicht zu vergleichen.

Gürtler ist Seefrachtexperte mit jahrelanger operativer Erfahrung in der Branche. So hat er bei UPS Suppy Chain Solutions, für Expeditors und bei MSC gearbeitet. Freightfinders hat er gemeinsam mit dem IT-Experten Roman Korobov und dem Unternehmer Sven Noatzke gegründet. Letzterem gehört das Logistikunternehmen Lion Spezialtransport GmbH.

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„Die Idee für eine solche Plattform hatte ich bereits im Studium“, sagt Gürtler. Seit einem Dreivierteljahr verfolgen seine beiden Mitstreiter und er das Projekt nun wirklich. „Uns war immer klar, dass ein solches Angebot irgendwann auf den Markt kommen würde. Es war wichtig, dass die Innovation aus der Logistikbranche kommt und nicht von einem IT-Anbieter initiiert wird“, so Gürtler. „Deshalb haben wir es jetzt in Angriff genommen.“

Dienstleister vergleichen

Die Plattform gibt Seefrachtspeditionen und bei Interesse auch direkt den Linienreedereien im Fall des Carriers Haulage die Möglichkeit, sich mit ihrem Angebot zu präsentieren. „So wie es verschiedene Händler bei Amazon können“, präzisiert Gürtler. Der Kunde, sprich ein Verlader, hat dabei den Vorteil eines One-Stop-Shops, auf dem er verschiedene Dienstleister vergleichen und auch direkt buchen kann. Freightfinders partizipiert über eine Transaktionsgebühr an den Geschäften, die über die Plattform laufen. Wie hoch die konkret sein wird, wollen die Gründer noch nicht verraten.

Dafür können die Verlader in einem Dashboard all ihre Sendungen im Auge behalten und verschiedene Alert-Funktionen nutzen. „Dabei wird aber nur angezeigt, was der Kunde auch wirklich benötigt. Es soll keinen Informations-Overflow geben“, so Gürtler mit Verweis auf Erfahrungen, die er selbst in der Praxis gesammelt hat. „Wir bilden uns ein zu wissen, was der Kunde wirklich benötigt“, unterstreicht er.

Möglich sind im Moment LCL- und FCL-Sendungen inklusive Vor- und Nachlauf sowie Verzollung. Ferner ist Freightfinders in Verhandlungen mit einem großen Transportversicherer, um künftig standardmäßig eine Versicherungsdeckung für über das Portal abgewickelte Sendungen anzubieten.

Freightfinders für Nischenakteure attraktiv

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Attraktiv ist das Angebot aus seiner Sicht für die Speditionen, sprich Dienstleister, da sie sich damit einen effizienten Vertriebsweg erschließen könnten. „Gerade Spezialisten für bestimmte Fahrtgebiete oder Warenarten können sich so zeigen“, sagt Gürtler.

Auf der Kundenseite, sprich bei den Verladern, zielt er – wie eigentlich alle Start-ups – zunächst auf solche ab, die nur selten und in kleinen Stückzahlen Waren verschicken. „Interessant ist das Angebot beispielsweise für Importeure, die auf einer Messe in China direkt wissen müssen, wie viel es kostet, eine bestimmte Menge einer Ware zeitnah zu verschiffen. Das ist für deren Kalkulation vor allem bei Gütern mit niedrigem Wert sehr wichtig.“ Auch dort spricht wieder der erfahrene Praktiker.

Zu Beginn werden nach Gürtlers Schätzung die Kunden vor allem Komplettangebote – also Door-to-door-Transporte – von einem Anbieter buchen. Später, sprich mit steigender Anzahl und Angebotsvielfalt der Anbieter, soll es auch möglich sein, sich einen Transport wie in einem Baukasten zusammenzubauen. „Der Hafen-zu-Hafen-Transport könnte dann auch direkt über einen Carrier gebucht werden, Vor- und Nachläufe über einen Spediteur oder bekannten Trucker und so weiter“, erläutert Gürtler.

Bis dahin ist es indes noch ein gutes Stück. Aktuell sind lediglich drei Anbieter auf der Plattform: Lion Spezialtransport, XPO Logistics und Nawinia. Mitmachen kann ­indes grundsätzlich jeder Spediteur, der die Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen (ADSP) anwendet. Außerdem werden die Unternehmen über Handelsregisterauszüge und einen Bewerbungs­prozess auf Seriösität geprüft. Und auch wer auf Freightfinders gelistet ist, muss sich stets aufs Neue beweisen. Dafür sorgt ein Bewertungssystem, wie man es auch von Amazon kennt.

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