Google, Amazon und Co. greifen nach der Logistik

Google Amazon Alibaba Logistik

Das Silicon Valley hat die Logistik für sich entdeckt. Google, Alibaba, JD.com, Amazon und Ebay haben sich allein im vergangenen Jahr an 17 Start-ups im Transport- und Logistikgeschäft beteiligt (siehe Tabelle unten). Dies zeigt eine aktuelle Analyse des Investitionsverhaltens der fünf führenden Technologieunternehmen beziehungsweise Onlinehändler. In ihrem Fokus standen Marktplätze zur Logistiksteuerung in Echtzeit (sogenannte On-Demand-Delivery-Plattformen). Weitere Investitionsziele waren Start-ups aus den Bereichen Robotik, Autonomes Fahren, künstliche Intelligenz, Marktplätze sowie Softwarelösungen.

Die hohe Aktivität der Onlinehändler überrascht nicht. Sie erweitern und optimieren ihre eigenen Logistikinfrastrukturen und -systeme durch die Kompetenzen und Lösungen der neuen Marktteilnehmer. Dabei begünstigt neben der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit insbesondere die agile (Plattform-)Struktur der Technologieunternehmen eine im Vergleich zu etablierten Transport- und Logistikunternehmen leichtere Integration der Start-ups.

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Indes suchen auch etablierte Marktteilnehmer nach Beteiligungsmöglichkeiten. Dadurch möchten sie den Spezifika des eigenen Geschäftes besser gerecht werden und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen. Sie sind aber zurückhaltender als die großen Onlinehändler. So haben die zehn größten etablierten Marktteilnehmer im vergangenen Jahr nur neun Investitionen in Start-ups getätigt.

Der Kunde ist König

Mit den verschiedenen Investitionsrichtungen bereiten die Onlinehändler ihre Geschäftsaktivitäten auf neue Kundenanforderungen und technische Möglichkeiten vor. Die On-Demand-Delivery-Plattformen ermöglichen eine bedarfsorientiertere Transportsteuerung für die individuellere und kleinteiligere Kundenstruktur der Onlinehändler mit ihren spezifischen Anforderungen. Dank alternativer Transportmittel, insbesondere Drohnen als neue Transporttechnologie, sollen die Herausforderungen der letzten Meile besser und effizienter als bisher gelöst werden. Durch autonome, selbst fahrende LKW lässt sich die Flotten- und Fahrtensteuerung optimieren und der Transport automatisieren. Zugleich starten erste Experimente zum Einsatz von Robotern in der Warenhaussteuerung. Als Verbindungsglied zwischen den verschiedenen strategischen Ansatzpunkten sind dagegen Softwarelösungen zu verstehen. In solchen effizienten, IT-gestützten Systemen und Prozessen wird die Digitalisierung im operativen Geschäft umsetzbar gemacht.

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Die analysierten Technologieunternehmen unterscheiden sich indes nicht nur in Bezug auf die Anzahl der getätigten Direktinvestitionen in Transport- und Logistik-Start-ups von etablierten Marktteilnehmern. Auch ihr Investitionsverhalten und -timing lässt auf eine deutlich höhere Risikobereitschaft schließen.

Während etablierte Marktteilnehmer vorrangig ab Series D als der fünften Finanzierungsrunde bei Start-ups Kapital zur Verfügung stellten, wagen die Onlinehändler einen Einstieg bereits in ersten Finanzierungsrunden und sichern sich so frühzeitig Zugriff auf neue und innovative Ideen.

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Exemplarisch für die neuen Marktteilnehmer steht Google. Lange hat das Unternehmen frühzeitig in eine Vielzahl neuer Produkte, Industrien und Geschäftsmodelle investiert, um daraus neue Produkte und Dienstleistungen zu identifizieren. In letzter Zeit hat sich die Herangehensweise geändert. Der Konzern hat Lehrgeld gezahlt, die Trial-and-Error-Strategie aufgegeben und nunmehr selektivere und reifere Investments mit höheren Erfolgschancen in den Fokus gerückt.

Google vernetzt Beteiligungen

Die Super-Suchmaschine fokussiert sich nun auf künstliche Intelligenz, Augmented Reality und autonomes Fahren, um durch neue Dienstleistungen und die Vernetzung der verschiedenen Beteiligungen und Sektoren weiteres Geschäftspotenzial zu identifizieren. Der Transport- und Logistikmarkt ist dabei weiterhin ein essenzielles Investitionsfeld. Die Technologien und Erkenntnisse im Bereich autonomes Fahren kommen über Kooperationen mit Uber und Tesla den zukünftigen Transportfahrzeugen der Branche zugute. Zipline bietet eine Alternative für die Belieferung der letzten Meile über Drohnen als Schnittstelle zu einer On-Demand-Belieferung von Kunden.

Mit den Investitionen in Flexport als Logistikplattform gewinnt Google wertvolle Daten zur Nachfrage und Steuerung von weltweiten Transportströmen. Keep Truckin unterstützt LKW- und Busfahrer bei der Steuerung und Dokumentation ihrer Fahrten – und bietet damit im Bereich künstliche Intelligenz das Potenzial für zukünftige effiziente Transportsteuerungssysteme. Gleichzeitig gewähren Clutter als On-Demand-Lager mit zugehörigen Dokumentationsdienstleistungen und Online-Suchfunktionen sowie Boxbee als städtisches Lagerungssystem mit leichtem Zugang für Privatkunden wertvolle Erkenntnisse über das Kundenverhalten und notwendige Transport- und Mehrwertservices.

Damit steht bei diesen Investitionen weniger die reine Transport- und Logistikdienstleistung im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, wertvolle Informationen zum Such-, Konsum- und Transportverhalten der Kunden zu gewinnen. Diese dienen wiederum als Ansatzpunkt für weitere Dienstleistungen und die Datenvermittlung an neue Marktteilnehmer. Ob diese Kommerzialisierung kurz- und langfristig erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten.

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