Grenzenloser Onlinehandel via Parchim

Jonathan Pang hat erstaunliche Geschäftsideen. Manche sind neu, an einigen hält er seit Jahren fest, andere sind geplatzt. (Foto: Parchim International)
Jonathan Pang hat erstaunliche Geschäftsideen. Manche sind neu, an einigen hält er seit Jahren fest, andere sind geplatzt. (Foto: Parchim International)

Kurz vor dem G20-Gipfel hat Jonathan Pang, Chairman der chinesischen Linkglobal International Logistik Group in Peking und Investor des Flughafens Parchim, in der Hamburger Elb­chaussee in einer weißen Villa seine neueste Geschäftsidee präsentiert. Spätestens im nächsten Jahr will er in Parchim mit grenzübergreifendem Onlinehandel, sogenanntem Cross-Border-E-Commerce, starten und alles für Onlinehändler wie Alibaba (Die Onlineplattform für China und Asien), Amazon oder Ebay bieten.

Der Geschäftsmann aus China hat viele Ideen. Das wissen alle, die den Dokumentarfilm „Parchim International“ gesehen haben. Seit er den norddeutschen Flughafen 2007 gekauft hat, folgt ein abenteuerlicher Plan dem nächsten – vom Aircargo-Hub über Luxusshops und -hotels mit Casino bis zur Fischzucht. In Hamburg erinnert Pang an seinen Auftritt vor der Kamera: „Im Film habe ich gesagt: Ich bin ein Parchimer. Jetzt sage ich: Ich bin ein Hamburger.“ Denn sein Airport in der mecklenburg-vorpommernschen Provinz zählt seit März zur Metropolregion Hamburg. „Parchim ist Hamburg“, betont der Chinese, der Großes vorhat. Wieder einmal.

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Chinesen sollen Küchen kaufen

„Wir bauen eine Plattform für Europa auf, für die Lieferanten, die dort ihre Fracht lagern und nach China ausliefern können“, erklärt er. Chinesen könnten künftig komplette Küchen aus Deutschland kaufen, die hier dreimal billiger seien als im Reich der Mitte. Denn deutsche Produkte seien in China sehr gefragt. Der Parchim International Airport, auf dem seit zehn Jahren immer noch kein Flugbetrieb herrscht, soll ein wichtiges multimodales Logistikzentrum der Neuen Seidenstraße werden und ein Zentrum für grenzübergreifendem Onlinehandel zwischen China, Europa und Afrika.

Einer McKinsey-Analyse zufolge wächst der Markt für Cross-Border-E-Commerce um 25 Prozent pro Jahr. Das Geschäft konzentriere sich auf Kosmetika, Elektronikartikel und Mode sowie Haushaltswaren, Büroartikel und Lebensmittel. 2020 werden mit grenzüberschreitendem Onlinehandel 1 Bio. USD weltweit umgesetzt, so die Prognose. Davon will Jonathan Pang profitieren.

„Wir organisieren Cross-Border-E-Commerce-Frachtflüge von China nach Deutschland und zurück von Deutschland nach China“, erklärt er im Gespräch mit der DVZ. Klingt, als ob der Flugbetrieb schon laufe. Doch auf Nachfrage erklärt er: „Wir arbeiten mit der China Airlines Group und Yangtse River Airlines (HNA Group), die zweimal pro Woche von Amsterdam nach Xian fliegen, und wir hoffen, sie für den Parchim Airport zu gewinnen.“ Seine Ideen präsentiert er so, als seien sie bereits Realität, und vor allem: als seine eigenen. Aber Erfolg mit grenzübergreifendem Onlinehandel haben andere.

Cross-Border-E-Commerce in Hangzhou

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Hangzhou, 190 km von Shanghai entfernt, verzeichnete im ersten Quartal dieses Jahres einen Umsatz von 1,82 Mrd. USD im grenzübergreifenden Onlinehandel. Im Jahresvergleich bedeute dies einen Anstieg von 21,78 Prozent. Die Zahlen hat das Kommunale Komitee Hangzhou der Kommunistischen Partei Chinas vor wenigen Tagen in Deutschland veröffentlicht. Zhao Yide, Parteisekretär des Stadtrats von Hangzhou, will „den Aufbau einer umfassenden experimentellen Zone für grenzübergreifenden E-Commerce fortsetzen“ und die alte Stadt der Seide „zu einer strategischen Drehscheibe der ‚Online-Seidenstraße‘ entwickeln“. 106 E-Commerce-Unternehmen hätten sich bislang angesiedelt. Auch Pang ist aktiv geworden.

„Wir haben mit Hangzhou eine Absichtserklärung unterzeichnet, um die Electronic World Trade Platform (eWTP) aufzubauen – in Parchim und in Frankfurt“, erklärt er. Im Rhein-Main-Gebiet verfügt er derzeit aber nur über einen Ausstellungsraum in Mörfelden-Walldorf, nachdem er vom Bieterwettbewerb für den Flughafen Frankfurt-Hahn ausgeschlossen wurde.

Blaupause von Alibaba

Das Konzept einer elektronischen Welthandels-Plattform hat Jack Ma, Gründer und Vorstandsvorsitzender des größten chinesischen Online-Händlers Alibaba, beim G20-Gipfel 2016 in Hangzhou vorgestellt. „Unternehmen können Hubs für E-Commerce schaffen und Regierungen virtuelle Freihandelszonen für Kleinunternehmen“, steht in Alibabas eWTP-Faktenblatt. Über diese E-Hubs könnten Kleinunternehmen an Kunden in einem anderen Land verkaufen, „mit niedrigen oder keinen Importzöllen, schneller Zollabwicklung und besserem Zugang zu Logistik.“ Im G20-Fahrwasser in Hamburg wird Mas Initiative zu Pangs Blaupause für Parchim.

„Nur wir haben die Lösung, nicht Alibaba oder Amazon“, beschwört der Manager sein mehrheitlich chinesisches Publikum in der Elbchaussee. Gegenüber der DVZ stellt Pang klar, dass er sich nicht als Konkurrenz zu den großen Onlinehändlern verstehe. Als Logistikdienstleister gleiche sein Unternehmen auch eher einer Regierungsorganisation, um die Cross-Border-E-Commerce-Zone aufzubauen. Allerdings sei das Projekt am Parchim Airport zu groß für ihn und sein Unternehmen. „Wir brauchen starke Partner“, sagt er.

Unterdessen hat Jack Ma schon andere Partner gefunden für seine elektronische Welthandels-Plattform. Im März unterzeichneten Vertreter der Alibaba-Gruppe, der staatlichen Malaysia Digital Economy Corporation,  der Flughafengesellschaft Malaysia Airports Holdings Berhad sowie von zwei malaysischen Banken eine Absichtserklärung. Am malaysischen Hauptstadtflughafen Kuala Lumpur soll ein regionales E-Commerce- und Logistik-Hub entwickelt werden. Bis Jahresende will Alibaba mit der Tochter Cainiao (eine globale Paket-Verfolgungs-Plattform), dem Online-Händler Lazada (an dem Alibaba Minderheitsanteile besitzt) und der malaysischen Post die Initialphase ausrollen. Der Betriebsstart ist für Ende 2019 geplant. Und in Deutschland beabsichtigt die chinesische Post, den Flughafen Hannover als E-Commerce-Hub zu nutzen.

Jonathan Pangs Pläne erscheinen dagegen weniger ausgereift. Experten verweisen darauf, dass es für erfolgreichen Onlinehandel mehr brauche als einen Marktplatz und Logistik. Doch Pang lässt sich nicht beirren: „Machen Sie in Parchim mit, wir sind die Gewinner“.

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Über Tim Meinken 197 Artikel

Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.
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