Hamburg feilt an der Citylogistik

Paketroboter, Starship, Lieferdrohne
Hermes testet in Hamburg die Zustellung per Roboter. Sofern sich das Projekt bewährt, soll es auch durch Smile gefördert werden. (Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)

Die Innenstadtlogistik der Zukunft soll sauber, leise und effizient sein. Das ist vor allem aufgrund des wachsenden E-Commerce und den dadurch größeren Paketmengen nötig, denn jede Bestellung muss möglichst schnell durch den überfüllten Stadtverkehr zum Endkunden gelangen. Ein Thema, mit dem sich künftig alle größeren Städte befassen – und entsprechende Lösungen erarbeiten müssen. In Norddeutschland soll das alles etwas schneller vorangehen. Deshalb hat die Logistik-Initiative Hamburg (LIHH) gemeinsam mit der Behörde für Wirtschaft und Verkehr das Projekt Smile (Smart Last Mile Logistics) auf den Weg gebracht. Mit verschiedenen Maßnahmen soll die Hansestadt so zu einer Modellregion für intelligente Zustellung werden.

Dabei soll Smile als Anlaufstelle fungieren, in der Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam neue Ideen entwickeln. „Smile ist eine Sammelstelle für innovative Unternehmen und Ideen“, erklärte Wirtschaftssenator Frank Horch. Dabei geht es den Initiatoren vor allem darum, junge Start-ups mit ins Boot zu holen und zu fördern. „Junge Menschen und neue Unternehmen können dazu beitragen, dass in Hamburg Innovationen mit modernster Technik auf höchstem Niveau betrieben werden“, erklärte Peer Witten, LIHH-Vorsitzender.
Viele kleine Einzelprojekte

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Aber auch alteingesessene, etablierte Unternehmen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, sind dazu eingeladen, sich in einer der Arbeitsgruppen des Projektes einzubringen. Diese befassen sich im Wesentlichen mit vier Bausteinen, die sich auf die Entwicklung von Alternativen für Zustellung, Transportmittel,

Antriebe und Zustellorte konzentrieren.

Ansätze und Pilotprojekte aus diesen Bereichen gibt es bereits zu Genüge. Dazu zählen etwa die Mikrodepots von UPS, die in Form von Containern in der Innenstadt aufgestellt werden und so den Zustellweg zum Endkunden verkürzen. Um diese kurzen Wege auf der letzten Meile möglichst nachhaltig zu gestalten, könnten laut den Smile-Initiatoren alternativ zu Kep-Fahrzeugen auch Lastenfahrräder oder sogar Drohnen und Paketroboter zum Einsatz kommen. Letztere sind bereits in drei Stadtteilen in einem Pilotprojekt von Hermes auf Hamburgs Straßen unterwegs. „Diese Projekte sind bereits bekannt. Wir denken aber noch weiter, zum Beispiel wäre in Hamburg theoretisch auch eine Zustellung über Kanäle möglich oder auch kombinierte Angebote in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln“, ergänzt Witten. Diese Ansätze sind noch Zukunftsmusik und kämen auch nur für einen eingeschränkten Waren- und Kundenkreis infrage. Witten zufolge sei es aber entscheidend, in alle möglichen Richtungen zu denken und Mut zu zeigen.

Es geht aber auch um die Erprobung alternativer Kraftstoffe wie dem Antrieb mit Wasserstoff, Brennstoffzelle oder Elektromotor. Doch all diese Maßnahmen sind nur dann sinnvoll, wenn das Paket am Ende auch tatsächlich erfolgreich zugestellt werden kann, sprich, der Kunde die bestellte Ware auf schnellstem Wege erhält. Und genau das wird zu einem immer größeren Problem, weil die Kunden in den seltensten Fällen persönlich zu Hause angetroffen werden. Auch dafür gibt es schon Lösungen wie die Paketbriefkästen von DHL oder das Schließsystem für Haustüren von Parcellock. Seit Neuestem bietet hier auch das Hamburger Start-up Cido eine Lösung an, die den Zugang zu Mehrfamilienhäusern für Zusteller per Barcode an Klingelschild und Päckchen ermöglicht.

Umfangreiche Auswertung der Tests

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Die guten Ansätze und Ideen gibt es schon – und auch schon die dafür nötigen Pilotprojekte. Nun soll im Rahmen von Smile ausgewertet werden, welche Maßnahmen bezogen auf Hamburg sinnvoll sind, welche praktisch und rechtlich auch umsetzbar sind und welche nicht ausreichend Potenzial bieten. „Es gibt hier kein Patentrezept. Es geht um eine Kombination aus vielen Teilprojekten und Einzelmaßnahmen“, erklärt Witten. Deshalb sei das ganze Vorhaben noch eine Vision, bestätigt Horch: „Wir werden sehr vieles testen und können dabei nicht immer erfolgreich sein. In diesem Projekt geht es darum, mutig zu sein, und dabei ist ausdrücklich auch Scheitern erlaubt.“

Einen definierten Zeitplan, Projekte mit Priorität oder ein konkretes Budget gibt es nicht. Zunächst sollen die Einzelprojekte in Begleitung mit Forschungspartnern evaluiert werden. „In zwei, drei Jahren wollen wir dann einen Bericht vorlegen, welche Maßnahmen im Rahmen von Smile weiter verfolgt werden sollen und welche nicht“, erklärt LIHH-Geschäftsführer Werner Gliem. Erst dann können die eigentlichen Maßnahmen greifen, um Hamburgs Stadtverkehr nachhaltiger zu machen.

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Über Tim Meinken 197 Artikel

Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.
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