Jeder-will-seine-Daten-behalten-Denken behindert die Logistik

Daten Bigdata Logistik Logistiker

Ansätze mit Hilfe der digitalen Vernetzung die Gütermobilität in der maritimen Logistik zu erhöhen gibt es reichlich, allerdings ist die notwendige Transparenz, die einen Datenaustausch voraussetzt, für viele Unternehmen ein Hemmschuh.  Dies zeigte sich auf dem Netzwerkforum Schifffahrt Hafen Logistik „Vernetzte Gütermobilität – Politische Strategien und Herausforderungen für die maritime Logistik“ in Duisburg.

„Wir dürfen bei der digitalen Transformation der eigenen Prozesse und der Vernetzung nicht nachlassen“, warnte Christoph Kösters, Hauptgeschäftsführer des Verbands Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (NRW), vor den mehr als 100 Teilnehmern der Veranstaltung in den Räumen der Niederrheinische Industrie- und Handelskammer (IHK). Auch wenn die britische Beratungsfirma Transport Intelligence zu dem Ergebnis gekommen sei, dass der Markteintritt neuer digitaler Speditionen und Frachtmarktplätze bislang die Strukturen der Branche kaum beeinflusst habe und die führenden globalen Dienstleister ihre Position sogar ausgebaut hätten. Denn das verdeutliche schon der zunehmende Druck der Kunden und die Notwendigkeit durch Digitalisierung knappe Ressourcen etwa beim Personal aufzufangen. Alarmierend ist für Kösters zudem, dass nach einer Umfrage des Verbandes über 70 Prozent der Befragten zumeist mittelständischen Unternehmen mit den digitalen Entwicklungen innerhalb der Logistik nur bedingt Schritt halten. 13 Prozent sogar nur schwer oder gar nicht.

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Hausaufgaben für die Unternehmen

„Die meisten Unternehmen der Branche müssen in Sachen Digitalisierung noch ihre Hausaufgaben machen“, bestätigte Jochen E. Köppen, geschäftsführender Gesellschafter des Tank-Container-Logistikers Köppen aus Duisburg. Das Thema Vernetzung müssten alle miteinander vorantreiben. Das gilt auch für Verlader: „Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen“, räumte Holger Seifart ein, Vorsitzender des Deutschen Seeverladerkomittees im BDI. Skeptisch zeigen sich die Unternehmen vor allem beim Thema Datenaustausch und Transparenz, wie auf der Veranstaltung deutlich wurde. „Jeder will seine Daten behalten“, meinte Köppen, obwohl es bereits anonymisierte und gesicherte Verfahren gibt. Daniel Hosseus vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) betonte indessen, dass Datenaustausch in einer Marktwirtschaft auch ein Geschäft sein müsse. „Man tauscht die Daten, man verkauft die Daten, aber man gibt sie nicht einfach her“, meinte er.

Verpflichtung zur Transparenz

Eine konkrete Lösung zeigt indessen Rotterdam auf: Der Hafen will alle Beteiligten der Lieferkette vertraglich verpflichten, die Daten untereinander auszutauschen, wie Steven W.A. Lak vom Port of Rotterdam sagte. Damit sollen die Prozesse besser und vor allem effizienter gesteuert werden. Denn gerade in Rotterdam und auch in Antwerpen gibt es erhebliche Probleme mit langen Wartezeiten und Staus bei der Abfertigung von Binnenschiffen. Beide Häfen setzen zur Lösung der Probleme neben Bündelungskonzepten auch auf die Digitalisierung der Lieferkette, um die Lage bereits im Vorfeld der Häfen zu entzerren. Allerdings werden auch ganz pragmatische Lösungen gefunden: „Wir fertigen inzwischen LKW auch in der Nacht ab“, berichtete Philippe Beaujean vom Hafenbetrieb Antwerpen.

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Politik kann nur Rahmen setzen

Vor allem größere Unternehmen investieren bereits sehr stark in die Digitalisierung ihrer Prozesse, wie zum Beispiel die Rhenus-Tochter Contargo, die Container-Terminals mit Schwerpunkt entlang der Rheinschiene betreibt. Michael Viefers, Mitglied des Vorstands der Rhenus SE & Co. KG kündigte an, dass das Unternehmen an Tests mit autonomen Binnenschiffen im Kanalgebiet mitmachen werde. „Alle wollen die Digitalisierung, aber teilweise stimmen die Rahmenbedingungen nicht“, meinte Viefers und gab damit den „Schwarzen Peter“ an die Politik weiter.

„Wir hören immer wieder Klagen, doch wenn es ernst wird, werden viele kleinlaut“, konterte Achim Wehrmann, Leiter der Unterabteilung Schifffahrt im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Er verwies auf die Koalitionsvereinbarung, nach der die Vernetzung des Gesamtsystems aus Häfen und Wasserstraßen gestärkt und digitale Technologien und der automatisierte Betrieb vorangetrieben werden sollen. Er stellte klar, dass sich die Bundesregierung bei der Vernetzung der Häfen heraus halte. Das wird als Sache der Unternehmen angesehen, die untereinander im Wettbewerb stehen. Unterstützung gebe es für technische Entwicklungen. (Axel Granzow)

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Über Tim Meinken 288 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

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