Jitpay rechnet alle Logistikkosten über ein Factoring-Verfahren ab

Logistik, Geld

Das Start-up Jitpay will in den nächsten Wochen an den Markt gehen. Das von Daniel Steinke geführte Unternehmen bietet künftig als neutraler Dienstleister die Abrechnung aller Logistikkosten zwischen Versender und Spediteur an. Kernstück des neu entwickelten Factoring-Verfahrens ist ein selbst programmierter Algorithmus, der gewährleistet, dass in 99,8 Prozent aller Fälle eine einredefreie Forderung für den Logistikdienstleister erstellt wird.

Steinke, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter des Mutterunternehmens HDS International Group, verspricht eine Zahlung innerhalb von vier Tagen nach Leistungserbringung. Eine Testphase mit zwei Pilotkunden, einer großen Stückgutspedition und einem Seefrachtreeder, wird Ende März abgeschlossen. Dort zeigte sich eine Ersparnis von einem Fünftel bei den Verwaltungskosten, vor allem durch einen reduzierten Aufwand bei der Debitorenbuchhaltung. „Wir übernehmen nicht die Abrechnung für den Spediteur, sondern schaffen diese Prozesse ab“, sagte Steinke. Zielgruppe des neuen Produkts sind Spediteure und Logistikdienstleister mit mindestens 500.000 EUR Jahresumsatz pro Auftragsbeziehung.

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Zahlungsablauf

  • Logistikdienstleister wird beauftragt, Jitpay erhält Kopie des Logistikauftrags
  • Logistikdienstleistung wird erbracht – parallel werden die Track-&-Trace-Daten sowie die Abrechnungsinformationen an Jitpay übermittelt
  • Jitpay berechnet anhand der Daten von Versender und Dienstleister das Leistungsentgelt
  • Mögliche Differenzen werden vor der Gutschrift direkt geklärt
  • Logistikdienstleister erhält im Namen des Versenders von Jitpay eine einredefreie Gutschrift
  • Innerhalb von maximal zwei Werktagen erfolgt durch Factoring-Unternehmen der Ausgleich der Forderung
  • Versender zahlt innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels von maximal 90 Tagen an Jitpay bzw. Factoring-Unternehmen
  • Im Fall von Zahlungsschwierigkeiten greift eine Forderungsabsicherung

Jitpay sieht Spediteure als Kunden

Bisher ist HDS insbesondere als Berater von Verladern in Erscheinung getreten. Mit der Neugründung Jitpay will Steinke auch Speditionen als Kunden gewinnen. „Das von uns bei HDS favorisierte Gutschriftverfahren bringt insbesondere Verladern Vorteile“, stellt Steinke fest. Denn die Verantwortung, die Gutschrift zu prüfen, liege ganz bei den Dienstleistern. Sein Ziel sei es deshalb gewesen, ein System zu entwickeln, welches auch Spediteure entlaste. Deshalb sind für ihn schlanke Prozess ganz wichtig: „Wir entwickeln das Paypal der Logistik: einfach, einfach, einfach.“ Dabei gehe das neue Produkt durchaus zulasten des bisherigen Geschäfts von HDS. Schließlich verpflichtet sich Jitpay zu Neutralität – das heißt, beteiligte Verlader können von der Muttergesellschaft nicht als Consultingkunden akquiriert werden.

Für die Zentralabrechnung inklusive Refinanzierung stellt Jitpay 1 Prozent des Umsatzes in Rechnung. Darin enthalten sind die Zinsen für bis zu 30 Tage sowie Factoring-Gebühren, Warenkreditversicherung und weitere Verwaltungskosten wie das Führen der Debitorenkonten. Die Kosten steigen, soll das Zahlungsziel des Auftraggebers verlängert werden. Steinke ist von den Vorteilen seines Angebots überzeugt: „Sowohl Spediteur als auch Versender sparen Prozesskosten und verfügen über eine höhere Liquidität.“

Algorithmen prüfen Rechtmäßigkeit von Zahlungen

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Die schlankeren Prozesskosten erreicht Jitpay dadurch, das in rund 98 Prozent der Fälle die Daten von Spediteur und Versender übereinstimmen. Auch beim Rest könnte in neun von zehn Fällen der lernfähige Algorithmus klären, ob eine Zahlung gerechtfertigt sei. Nur in 0,2 Prozent aller Fälle müsse von Mitarbeitern geklärt werden, wie sich der Sachverhalt tatsächlich darstelle. Der Prüfungsaufwand zur einredefreien Forderung werde somit auf ein Minimum reduziert.

Mit der Zentralabrechnung bietet Jitpay eine Bezahlfunktion an. Somit erhält der Logistikdienstleister unmittelbar nach der Gutschrift für seine Leistung Geld, während der Versender mit dem vereinbarten Zahlungsziel zahlen kann.

Das Verfahren kann von Spediteuren als Vertriebsargument eingesetzt werden. „Sie können ihren Kunden ein Zusatzprodukt anbieten“, betont Steinke. In Jahresgesprächen könne somit nicht nur über Preise mit dem Auftraggeber diskutiert werden, sondern über Mehrleistung. So sei es möglich, dem Versender Zahlungsziele von bis zu 90 Tagen zu gewährleisten. Dies honorieren Auftraggeber, zeigt er sich überzeugt.

Commerzbank als Partner

Für das Angebot hat Steinke die Commerzbank als Partner gewonnen. Denn letztlich handelt es sich beim Produkt um ein abgewandeltes Factoring-Verfahren. Die Forderungen der Spedition an den Auftraggeber der logistischen Dienstleistung werden an die Commerzbank abgetreten, die das Geld für die nötige Zwischenfinanzierung vorstreckt. Entsprechend muss nicht nur der Spediteur, sondern auch der Versender einen Vertrag mit JITpay abschließen. Die Kosten trägt jedoch ausschließlich die Spedition.

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