Leitfaden „In 10 Schritten digital“

In Sachen Digitalisierung ist in der Logistik noch viel Luft nach oben. Hier ein Anblick mit Seltenheitswert: Eine Drohne in einem Lager. Die Flugroboter sind für die automatisierte Inventur angedacht. (Foto: Fotolia)
In Sachen Digitalisierung ist in der Logistik noch viel Luft nach oben. Hier ein Anblick mit Seltenheitswert: Eine Drohne in einem Lager. Die Flugroboter sind für die automatisierte Inventur angedacht. (Foto: Fotolia)

Zum Auftakt der Hamburger Logistiktage trafen am Mittwoch zwei Welten aufeinander: Erst hangelte sich Julia Miosga vom Digitalverband Bitkom an dem Leitfaden: In 10 Schritten digital entlang. Dann arbeitete sich Matthijs Zwart von der Spedition Koeltrans an den Kapazitätsengpässen in der Logistik ab.

Zunächst zur digitalen Theorie: Der Leitfaden des Bitkom soll vor allem Mittelständlern aller Branchen helfen, sich der digitalen Transformation zu nähern. Entsprechend unspezifisch sind die einzelnen Schritte (siehe unten); jeder dürfte sie schon öfter gehört haben. Das gilt auch für die meisten Praxis- und Projektbeispiele, mit denen Miosga, die Leiterin des Bereichs Handel und Logistik beim Bitkom, ihren Vortrag unterfütterte. Sie handelten zum Beispiel von intelligenter Vernetzung aller Akteure im Hafen (Hamburg), 3D-Druck, Blockchain, Inventurdrohnen, Datenbrillen und Künstlicher Intelligenz.

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Der Digitalverband hat sich im vergangenen Jahr in der Praxis umgehört. Ein Ergebnis für die Logistikbranche: Sie habe nur ein geringes Interesse an Anwendungen der Zukunft. „Beim Einsatz von Softwaresystemen sind die Logistiker weit vorn“, sagte Miosga in Hamburg. Bei Themen wie moderner Kommissioniertechnik oder Big Data sehe das Ganze aber schon anders aus, fügte sie hinzu.

In 10 Schritten digital

  1. Machen Sie Digitalisierung zur Chefsache
  2. Stellen Sie ein Digitalteam auf
  3. Entwickeln Sie eine Digitalstrategie
  4. Kooperieren Sie mit Start-ups
  5. Investieren Sie in die digitale Kompetenz Ihrer Mitarbeiter
  6. Stellen Sie Ihre Kunden in den Mittelpunkt
  7. Nutzen Sie Ihre Daten
  8. Digitalisieren Sie Ihr Geschäftsmodell
  9. Setzen Sie die neuesten Technologien ein
  10. Erweitern Sie die Wettbewerbsbetrachtung um Tech-Unternehmen

(Quelle: Bitkom)

Das Highlight: eine weiße Seite

Die stärkste und wohl wichtigste Botschaft symbolisierte eine leere Vortragsfolie. Diese hatte die Bitkom-Expertin absichtlich eingefügt. Denn wer zukunftsweisende Ideen entwickeln wolle, müsse tatsächlich am besten auf einem weißen Blatt Papier anfangen, sagte Miosga. Die leere Seite sei dabei auch ein Symbol für Stille. Denn Neues zu entwickeln erfordere Kreativität und diese wiederum Ruhe zum Nachdenken, also Momente, in denen man nicht so sehr mit Arbeit belastet ist. „Sorgen Sie für sich und Ihre Mitarbeiter für genügend stille Stunden und Pausen“, sagte Miosga zu den zahlreichen Managern im Publikum.

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Direkt im Anschluss hatte Matthijs Zwart seinen Auftritt. Er startete auf Niederländisch – passend zum internationalen Tag der Muttersprache. Der 44-Jährige ist unter anderem Leiter der Geschäftsentwicklung bei der niederländischen Kühlspedition Koeltrans. Da wäre das Thema Digitalisierung nach der Bitkom-Vorlage durchaus zu erwarten gewesen. Doch Zwart sagte dazu irgendwo in der Mitte seines Vortrags lediglich: „Digitalisierung ist eine Gefahr“, wobei nicht klar war, ob er damit die Benutzung von Mobiltelefonen am Steuer meinte, wovor er direkt im Anschluss warnte und sich dabei zugleich für den Einsatz der Notbremsassistenten aussprach.

10 Prozent weniger Kapazität durch Staus

Seine 30 Minuten Vortragszeit nutzte der Niederländer vor allem, um über das Thema Kapazität in der gesamten Logistikbranche zu sprechen. Ganz oben auf der Sorgenliste: der Fahrermangel. „Das Problem werden wir nicht lösen – weder dieses noch nächstes Jahr und auch nicht in den nächsten zehn Jahren“, ist Zwart überzeugt. Zweiter Punkt: Das Verkehrsaufkommen wachse viel schneller als das Autobahnnetz. „Im Durchschnitt verlieren wir jeden Tag 10 Prozent unserer Kapazität durch Staus und Verzögerungen.“

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Heiße Monate stehen bevor

Die aktuell hohen Transportpreise seien zwar einerseits erfreulich, andererseits müssten sich viele Sorgen machen, überhaupt noch Kapazitäten am Markt zu erhalten. „In der Regel stehen in der ruhigen Zeit im Januar und Februar immer ein paar LKW auf den Höfen der Speditionsfirmen. Dieses Mal waren am Jahresanfang alle unterwegs; es gab keine zusätzliche Kapazität“, sagte Zwart mit Blick auf die heißen Monate März, April und Mai.

Hinzu kämen überlastete Kapazitäten von Luft- und Seefrachtterminals. Schiffe in Rotterdam zum Beispiel, die ankommende Container ins Inland befördern, müssten heute zwei oder drei Tage warten bis sie überhaupt beladen werden.

Probleme gebe es auch mit dem schnell wachsenden E-Commerce. Zum einen kämen die Paketdienste gar nicht mehr hinterher mit dem Bau von Sortierzentren. Zum anderen sieht Zwart in diesem Zusammenhang Engpässe bei Kofferaufbauten und Wechselbrücken. (cs)

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