Libner und Dachser testen BIL-Huckepack-Konzept in Paris

Libner, BIL, Dachster, KEP, kleines Fahrzeug im Gepäck
Foto: Libner

Im 14. Arrondissement von Paris läuft derzeit ein mehrmonatiger Test für die Citylogistik-Lösung Base intelligente de logistique (BIL – zu Deutsch: intelligente Versorgungsbasis). Im Mittelpunkt des etwa zwei Jahre alten Konzepts steht ein LKW mit einem huckepack mitgeführten Elektrolieferwagen. Der aktuelle Test ist ein Projekt von Dachser France und dem Karosseriebauer Libner. Sie werden dabei durch die Stadt unterstützt, die sehr an nachhaltigen Lösungen für die Belieferung im Innenstadtbereich interessiert ist. BIL ist dabei sehr attraktiv, weil es sich um eine mobile Lösung handelt – und das ist in Paris angesichts des Mangels an Immobilien im Innenstadtbereich, die sich als Hub eignen würden, sehr wichtig.

Das Konzept hat die Firma Libner im südwestfranzösischen Saint-Maixent entwickelt. Die zentrale Idee war, ein wendiges Elektrolieferfahrzeug auf einem Lift am Heck eines 19 t-LKW zum Einsatzort zu fahren. Der LKW wird dort auf einem Parkplatz abgestellt, den die Stadt dafür reserviert hat. Der Fahrer klappt die zum Lift führenden seitlichen Rampen aus und schon kann der darauf stehende Lieferwagen heruntergefahren werden. Sobald er mit der ersten Palette beladen ist, kann die Belieferung der Filialen in den umliegenden Geschäftsstraßen beginnen.

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Der LKW verwandelt sich zum Hub

Im Idealfall verlaufen die Touren nach einem den Blättern der Margerite ähnlichen Schema rund um den Parkplatz des LKW, der die ganze Zeit dort verbleibt. Nach jeder Tour, bei der der Lieferwagen eine Palette mit bis 600 kg Sendungsgewicht mitführt, kehrt er zum LKW zurück und wird dort mit der nächsten Palette beladen.

„Durch dieses Elektrofahrzeug hat sich meine Arbeit völlig verändert“, sagt ein Fahrer begeistert. „Das ist natürlich bequemer als zu Fuß zu gehen und dabei einen Gabelhubwagen mit einer Palette hinter sich herzuziehen. Doch vor allem kann man so in derselben Zeit viel mehr Sendungen verteilen.“ Auf der Straße sei er bis zu 50 km/h schnell. „Mit dem kleinen Fahrzeug kann man auf den Bürgersteig und bis an die Ladentür heranfahren“, fügt der Fahrer hinzu. Immer wieder wird er von Geschäftsinhabern und von Fußgängern angesprochen. „Dabei merkt man, wie sehr sich die Leute für umweltfreundlichere Belieferungslösungen in Städten interessieren.“

Der LKW ist so konzipiert, dass sich in zwei Lagen bis zu 15 Paletten befördern lassen, die – beziehungsweise deren Ladung – der Lieferwagen dann verteilt. Für das Bewegen der Paletten auf der Ladefläche des LKW wird ein Gabelhubwagen mitgeführt. Der wird samt Palette mit dem Lift abgesenkt und dient zum Beladen des Lieferwagens. Soll eine ganze Palette bei einem Kunden angeliefert werden, kann der Lieferwagen dafür an seinem Heck den Gabelhubwagen mitführen.

Für Pascal Renavand, Chef der Dachser-Niederlassung im Pariser Vorort Pantin, von wo Kunden in der Hauptstadt und in der umliegenden Region beliefert werden, verbinden sich mit dem BIL viele Möglichkeiten für Citylogistik in einer neuen Dimension. „Heute führen wir täglich 650 bis 750 Lieferungen mit einem Gesamtgewicht von 100 bis 120 t aus“, sagt er. Das Gewicht einer Lieferung betrage im Landesdurchschnitt 290 kg, in der Pariser Region 250 kg und in Paris selbst im Mittel nur nur noch 150 kg. Die Umstellung auf das BIL-Konzept sei also sehr wichtig – „für die verbesserte Effizienz und die Arbeitsbedingungen der Fahrer“, ist Renavand überzeugt.

BIL-Einsatz im Zentrum wäre ideal

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Der Test sei aufschlussreich für den Lieferablauf. Da im 14. Arrondissement die Kunden aber relativ weit auseinander lägen, könne BIL hier noch nicht all seine Möglichkeiten unter Beweis stellen. „Noch wirkungsvoller wäre der Einsatz in Zentrum, wo es viele Fußgängerzonen mit einem Laden am anderen gibt“, sagt Renavand und fügt hinzu: „Darum versuchen wir, die Stadt von einem Einsatz in den 1. bis 4.Arrondissements zu überzeugen.“

Aber schon jetzt habe der Test neue Erkenntnisse gebracht. So sei es wünschenswert, wenn der Gabelhubwagen einen kleinen Elektromotor hätte und so leichter zu bewegen wäre, meint der Fahrer. Seit der erste Prototyp des BIL vor etwa zwei Jahren bei Libner zusammengeschweißt und mit der Batterie und dem Motor eines Gabelstaplers ausgestattet wurde, konnten in Zusammenarbeit mit interessierten Anwendern schon zahlreiche Verbesserungen oder Änderungen vorgenommen werden.

So hat man die Länge auf 2,5 m, die Breite auf 1,30 m und die Höhe auf 1,90 m reduziert, damit er überall durchkommt und auch in Tiefgaragen fahren kann. Bei der ersten Generation des BIL waren die Ladeflächen sowohl des LKW als auch des auf gleiche Höhe angehobenen Lieferwagens mit Rollen versehen, auf denen die Paletten bewegt wurden. Das war gut gedacht, erwies sich aber als schwer zu manövrieren durch eine Person. Darum ging man später zum Einsatz eines kleinen und wendigen Gabelhubwagens über.

Bedarf bei Logistikern und Handelsketten

Die Batterieladung reicht für 120 km und damit für den Einsatz während einer ganzen Schicht, hat der Test außerdem gezeigt. Für alle Fälle befindet sich dennoch eine große Batterie im LKW, von der aus die des Lieferwagens nachgeladen werden kann. Beide werden dann bei der Rückkehr zum Standort wieder voll aufgeladen.

Noch in diesem Jahr wird Libner unweit vom Stammsitz einen neuen Standort in Betrieb nehmen, wo die BIL-Lieferwagen gebaut und handelsübliche LKW verkürzt und dafür mit dem von Libner entwickelten Lift nachgerüstet werden. Hier soll im zweiten Halbjahr zunächst eine 0-Serie von acht Einheiten gebaut werden, bevor die Serienfertigung aufgenommen wird.

Zahlreiche Kunden, vor allem Logistikdienstleister und Handelsketten, haben schon ihren Bedarf angemeldet. Namen und Zahlen will Libner allerdings noch nicht nennen. Auch zur Fertigungskapazität macht der Hersteller keine Angaben. „Das Konzept hat großes Interesse in der Branche gefunden“, begründet Vertriebsmanager Franck Potron die Zurückhaltung. Denn mittlerweile hätten sich auch Konkurrenten inspirieren lassen. (Ralf Klingsieck)

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