Living Beta auch für Logistik-Software wichtig

IT Living Beta Software Cloud
Zunehmend halten Gewohnheiten aus dem privaten Umfeld Einzug in die Unternehmens-IT. „Software muss so einfach bedienbar sein wie privates Banking per Smartphone“, sagt Markus Meißner, Chef der IT-Firma AEB. Die Anwender erwarten Unterstützung via Chat oder den Austausch in einer Community.

Unternehmen werden ihre IT dezentralisieren, um beispielsweise den Marktstart von Produkten und Services zu beschleunigen. Die sogenannte Konsumerisierung der IT begünstigt die Verbreitung von Hard- und Software innerhalb des Unternehmens, die einfach zu implementieren und integrieren sind. So wundert es nicht, dass Fachabteilungen mit entsprechendem IT-Know-how, -Kapazitäten und -Mitarbeitern ausgestattet werden – auch und vor allem in der Logistik und im Supply Chain Management.

Reine Standardsoftware hat ausgedient

Die Akzeptanz für smarte Software und Apps, die sich einfach aus der Cloud einsetzen lassen, wächst. Reine Standardsoftware hat ausgedient, doch Individualsoftware zieht hohe Entwicklungskosten nach sich und macht nachträgliche Änderungen und Wartung aufwendig. „Der weltweite Trend heißt Software in Losgröße 1 auf Basis von Standardkomponenten“, sagt Meißner. IT-Anbieter werden Standardlösungen verwenden, die sich individuell anpassen lassen. „Sie basieren auf Best-Practice-Vorlagen, die so angelegt sind, dass Anwender Änderungen auch selbst vornehmen können.“

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Im Kommen sei zudem agiles Projektmanagement, um schnell gute Lösungen zu erreichen. Sinnvoll sei es, Projekte kürzer zu takten und Nutzer früher einzubeziehen, um Fehlentwicklungen schneller erkennen sowie korrigieren zu können und somit rascher anwendungsreif zu sein. Systeme könnten bereits in einer ersten Phase mit allen Funktionen in Betrieb gehen und Regeln sowie Prüfmechanismen später installiert werden. Meißner: „Der Nutzen aus einem Vorhaben könnte meist viel früher erzielt werden, ohne die letzten 20 Prozent zu perfektionieren.“ Hier lerne man von der Generation Y, die Apps auch dann nutzt, wenn sie nicht zu 100 Prozent funktionieren – denn das nächste Update wird das Problem schon lösen.

Der Trend heißt „Living Beta“

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„Man arbeitet bewusst mit einer Beta-Version, weil klar ist, dass es keine finale Version geben wird“, sagt Meißner. Das verhindere „Software-Leichen“. Daran arbeitet AEB. Es entsteht eine neue Generation von IT-Lösungen, die Unternehmens-prozesse individuell und flexibel unterstützen. Dabei nutzt die Software zum Großteil Standardkomponenten, die sich in eine individuell anpassbare Prozessschicht integrieren lassen. Erste Projekte setzt der IT-Anbieter bereits um.

„Die Cloud wird sich in der Industrie durchsetzen“, ist Meißner überzeugt. Anwendungen lassen sich in Zukunft wie eine App herunterladen. Sie müssen einfach und intuitiv zu bedienen sein. Dafür gibt es bei AEB künftig eine neue Software-Plattform als Cloud-Lösung, über die sich Geschäftsprozesse flexibel gestalten lassen. „Das wird nahezu keinen Programmieraufwand mehr erfordern“, versichert der Geschäftsführer. Auf Grundlage einer standardisierten Plattform wird es mehr individuelle Lösungen geben.

IT-Projekte zum Fixpreis sind bald Geschichte. „Preismodelle werden transparent“, fügt Meißner hinzu. Vorstellbar sei, dass Kunden einen Grundpreis und je nach Nutzen Transaktionsgebühren entrichten.

Für die Zukunft gerüstet

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat sich das Unternehmen auf die Fahnen geschrieben hat, 10 Prozent seines Umsatzes von rund 40 Mio. EUR in Forschung und Entwicklung sowie 5 Prozent in Aus- und Weiterbildung zu investieren. „Wir wollen all unsere Erkenntnisse in unserer neu errichteten Zentrale an uns selbst ausprobieren.“

Außerdem will der Stuttgarter Softwareanbieter neue Geschäftsmodelle über ein firmeneigenes Start-up sowie mit externen Partnern aus der Wissenschaft entwickeln – als neue Denkfabrik im schwäbischen Cyber Valley. Ziel ist es, künstliche Intelligenz voranzutreiben, die es ermöglicht, dass beispielsweise die Zollabwicklung irgendwann ohne Sachbearbeiter vonstatten geht oder Güter autonom freie Kapaziäten finden – ähnlich der Hotelsuche über Portale wie Trivago oder Booking.com.

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Über Tim Meinken 158 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.

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