LKZ als neutrale Plattform für Ideen und Innovationen

start up, startup, start-up

Für Karl Fischer droht Europa beim Thema Innovationen ins Hintertreffen zu geraten. „2015 waren auf der Hitliste der weltweit innovativsten Unternehmen mit BMW und Daimler noch zwei deutsche Teilnehmer“, zitiert der Geschäftsführer des Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ) Prien internationale Statistiken. „2017 gab es keinen einzigen europäi-schen Teilnehmer. Acht amerikanische Unternehmen konkurrierten mit jeweils einem chinesischen und südkoreanischen Teilnehmer.“ Zwei von drei innovativen Unternehmen kommen aus Amerika und Japan. Für Fischer haben diese Konzerne vor allem deshalb Erfolg, weil sie sich auf „nicht vorhersehbare Lernwege“ wagen. „Wir müssen Mut zu Aufgaben haben, deren Lösung unbekannt ist“, sagt der LKZ-Chef. Wichtig sei deshalb ein „agiles Projektmanagement“, das auch eine Fehlerkultur zulasse.

Beim LKZ, das dieses Jahr 20 Jahre alt wird, sieht Fischer diese Voraussetzung weiterhin gegeben. Als die Ideenschmiede 1998 gegründet wurde, sollte mit der wissenschaftlichen Unterstützung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund Branchen-Knowhow an einem Standort gebündelt werden. Das Themenspektrum reicht von Materialfluss über Produktionslogistik und Verpackungen bis hin zu Telematik und neue Medien. Für den Praxisbezug sorgen Mieter, die selbst Logistikdienstleistungen realisieren oder sich mit ihren Produkten und Services an Logistikunternehmen wenden. Bei der Eröffnung des LKZ-Neubaus im September 1998 zogen neun Unternehmen ein.

Anzeige

„Logistik Innovativ“

Heute haben sich neben der LKZ GmbH mit rund 15 Mitarbeitern 15 Unternehmen und Institute überwiegend aus Oberbayern mit rund 70 Mitarbeitern und etwa 25 Mio. EUR Umsatz niedergelassen. Außerdem konnte das LKZ über ein Dutzend deutsche und europäische Unternehmen als Netzwerkpartner gewinnen. Weiter kooperiert das LKZ-Team um Fischer mit Bayern Innovativ GmbH, dem öffentlich-rechtlichen Dienstleister des Freistaats für Wissenstransfer, sowie der Logistikinitiative Bayern, die selbst ein Netzwerk aus Branchendienstleistern, Herstellern, Infrastrukturanbietern, Hochschulen, Forschungsinstituten und weiteren Marktteilnehmern aufgebaut hat. Wenigstens alle zwei Jahre sehen sich viele Teilnehmer auf dem Kongress „Logistik Innovativ“ mit Staatsempfang des bayerischen Verkehrsministers im Schloss Herrenchiemsee auf der gleichnamigen Chiemsee-Insel. Das Event ist aus den Veranstaltungskalendern der Logistikbranche nicht mehr wegzudenken und findet im jährlichen Wechsel mit der Messe „transport logistic“ in München statt. Auf dieser nimmt das LKZ seit 1999 auf dem Gemeinschaftsstand von Bayern Innovativ teil.

Mit diesen Strukturen konnten Fischer und seine Mitarbeiter eine Fülle von Projekten realisieren, deren Zahl kaum noch überschaubar ist. Regelmäßig beschäftigt sich die Ideenschmiede vom Chiemsee mit intermodalen Verkehren und nachhaltigen Mobilitätslösungen für den Alpenraum. Hinterlandverkehre zu den Nordsee- und Adriahäfen stehen ebenso auf der Agenda wie unternehmensspezifische Lösungen für Holztransporte oder Baulogistik. Ganz nebenbei öffnete das LKZ -Team Logistikern den Weg zu neuen Tätigkeitsfeldern im Gesundheitswesen, im Tourismus und in der E-Mobilität. Und weil der Logistikbranche wie kaum einem zweiten Wirtschaftszweig Prozesskompetenz nachgesagt wird, beschäftigten sich Fischer und seine Mitarbeiter auch mit Optimierungen von Energienetzwerken und Rettungsdiensten. Als Folge dieser Pionierarbeit verabschiedet sich das Bayerische Rote Kreuz (BRK) gerade von der Papierdokumentation und stattet alle 27 regionalen Rettungsdienste mit mobilen Datenerfassungsgeräten aus.

Anzeige

LKZ als Treffpunkt für Wettbewerber

Solche Erfolge führt Fischer auf die besondere Struktur des LKZ zurück. Als eine von öffentlich-rechtlichen Gesellschaftern getragene GmbH – im Aufsichtsrat sind der Landkreis Rosenheim, die Marktgemeinde Prien, die IHK München und das IML vertreten – ist das Zentrum eine neutrale Plattform, auf der Wettbewerber sich treffen. „Hier ziehen sie für gemeinsame Projekte an einem Strang“, grenzt Fischer das LKZ von einem privaten Consultingunternehmen ab. Ein Beispiel ist das Projekt „Future Trailer“: Hier werden standardisierte und normierte Hüllräume für die intermodalen Transporte von morgen entwickelt, so dass Sattelauflieger sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene fahren können. An diesem Projekt sind außer Trailer- und Waggonherstellern auch Eisenbahnverkehrsunternehmen, Leasing-Anbieter und Infrastrukturbetreiber beteiligt.

Solche Strukturen schaffen die Voraussetzungen für Kontinuität und Stabilität. „Wir haben Projekte über 15 Jahre hinweg begleitet“, betont Fischer. Am Güterverkehrszentrum (GVZ) Hof wird dies eindrucksvoll sichtbar. 2007 startete das LKZ eine Machbarkeitsstudie über die Erweiterung, vor wenigen Woche fand der erste Spatenstich statt.

Anzeige

Für Kontinuität steht auch Fischer selbst, der 2001 die Geschäftsführung von Franz Pfliegl übernahm. Mit Andreas Scheuer (CSU) erlebt der KV-Pionier nach Kurt Bodewig, Manfred Stolpe, Wolfgang Tiefensee (alle SPD), Peter Ramsauer und Alexander Dobrindt (beide CSU) den nunmehr sechsten Bundesverkehrsminister, mit Staatsministerin Ilse Aigner trifft er nach Otto Wiesheu, Erwin Huber und Joachim Herrmann (alle CSU) auf den vierten bayerischen Inhaber des Verkehrsressorts. (he)

Anzeige
Über Tim Meinken 270 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wir setzen auf unserer Website Cookies und andere Technologien ein, um Ihnen den vollen Funktionsumfang unseres Angebotes anzubieten. Zudem ermöglichen Cookies die Personalisierung von Inhalten und dienen der Ausspielung von Werbung. Sie können auch zu Analysezwecken gesetzt werden. Durch die weitere Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Weitere Informationen, auch zur Deaktivierung der Cookies, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Schließen